21.10.2019 - 10:31 Uhr
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Ginsalabim

Ein zauberhafter Trend, der schon fast Tradition hat: In einer Bar bestellen die Oberpfalz, Deutschland und halb Europa seit fast zehn Jahren Drinks mit Gin. Der Wacholderschnaps zieht uns magisch an.

Prost auf einen der Lieblinge der Oberpfälzer: Gin.
von Autor DEYProfil

„Gin wird bleiben“, da ist sich nicht nur Andi Thoma, der Vertriebsleiter der Brennerei Schraml, sicher: Der Gourmet-Ratgeber „falstaff“ hört und hört nicht auf, Gin auf den Themenplan zu schreiben. Und auch, wenn auf der „Finest Spirits“, der Spirituosenmesse in München, hinter vorgehaltener Hand schon der Nachfolger des Gins gelobt wird (Achtung, Spoiler: Wermut), ist es doch der Wacholderschnaps, der hier am häufigsten über die Präsentationsflächen gehoben wird. Auch die Bartender der In-Läden scheinen sich noch nicht entschieden zu haben, ob sie das Regal hinter sich nochmal mit ihrer Neuentdeckung des Sommers bestücken sollen oder ob Gin nun seinen Zenit erreicht hat. So oder so. Andi Thoma wird am Ende recht behalten. Gin wird bleiben. Sicherlich nicht jede der rund 1200 Sorten, die es dank des inzwischen knapp zehn Jahre dauernden Hypes in den deutschen Handel geschafft haben, aber die Guten schon.

„Gut“, das bedeutet für den Hobbytrinker erst mal: kein Fusel, kein Kopfweh, süffig. Andi Thoma nimmt das deutlich genauer. Vor allem, wenn es um „sein“ Produkt geht, den „Kaiser Hill 16“ aus dem Hause „Schraml – Die Steinwald-Brennerei e.K.“ mit Sitz in Erbendorf. Inhaber Gregor Schraml destilliert hier einen Gin des Typs „London Dry“.

Das ist keine Herkunftsbezeichnung, sondern bestätigt offiziell, dass der „Kaiser Hill 16“ den höchsten Qualitätsanforderungen entspricht. Eine Art Reinheitsgebot. „London Dry Gin“ bedeutet unter anderem, dass nach der Destillation keine Zutaten mehr beigefügt werden dürfen – eine Herausforderung für Brenner, die nur die Erfahrung meistern kann. Pur oder Gemischt? Am besten beides. In Erbendorf hat man dieses Wissen. Schnaps wird dort schon seit 200 Jahren gebrannt. Vor über 60 Jahren begann die Steinwälder Brennerei, Gin zu produzieren. Immer mit Sorgfalt und erlesenen Zutaten. „Das Besondere an unserem Gin sind die außergewöhnlichen Gewürze wie Pappelknospe, Abelmoschus-Samen und Ysopkraut“, sagt Andi Thoma. Diese „Botanicals“, wie die Zutaten genannt werden, umgarnen den Wacholdergeschmack, vermischen sich zu einer zitronigen Frische und halten sich gegenseitig die Waage.

So sehr, dass man ihn auch gut pur trinken kann. Eine der besten Eigenschaften von Gin. Dass er sein Aroma auch allein voll entfaltet, durfte ein Tasting-Team der Oberpfalz Medien probieren. Unso stark das Wacholder-Bouquet auch sein mag, es ist nie aufdringlich und zieht sich fast schüchterzurück, wenn es auf andere Nuancen trifft. Das macht Gin zu einer begehrten Basis für allerlei Cocktails wie Tom Collins, Red Snapper oder den Negroni. Auch für den kleinen Bruder des Cocktails, den Longdrink, ist Gin unverzichtbar geworden. Zusammen mit seinem Kumpel Tonic Water ist er VIP am Tresen jeder Bar. Unzählige Ginsorten ergeben mit zig unterschiedlichen Tonics unfassbar viele Variationsmöglichkeiten, um den persönlichen Gin-Tonic-Favoriten zu kreieren.

Info:

Nicht (nur) angesagt, sondern lecker.

Ja, Gin mit einer kräftigen Wacholdernote harmoniert besser mit einem neutralen Tonic. Ja, umge-

kehrt ist‘s genauso. Ja, Gin verwässert schnell, wenn zuviel Eis zulange darin schmilzt. Ja, Tonics, die zu viel künstlichen Zucker enthalten, sollte man einfach stehen lassen. Aber auch: Ja, erlaubt ist, was schmeckt. Bitte nichts von pseudo-hippen selbsternannten Gin-Kennern weismachen lassen. Ein Gin Tonic muss nicht angesagt sein, sondern lecker. Einfach rumprobieren und rausfinden. Andi Thoma zum Beispiel gibt zu seinem „Kaiser Hill 16“ Tonic der Marke „Gentleman‘s“ im ganz klassischen Mischverhältnis 1:4, Eiswürfel und einen Spritzer Schraml Ingwerlikör.

Generell kann der Genießer, abgesehen von Gin und Tonic, noch allerhand weitere Dinge in seinen Drink geben oder ans Glas hängen. Limetten, Zitronen, Wacholderbeeren, Rosmarin, Pfeffer, Ingwer. Eben alles, was das Aroma unterstützt. Ginsalabim, fertig ist das Lieblingsgetränk.

Nur eine Sache: Gin mit Gurke war ein PR-Gag des schottischen Herstellers Hendrick’s, der polarisieren wollte. Die meisten Sorten werden durch das Gurkenaroma erdrückt. Das kann man zwar ausprobieren, sich aber in der Regel sparen.

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