10.09.2020 - 12:25 Uhr
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Leo Blog: Große Baumpersönlichkeiten

Die Oberpfalz protzt mit ihren Wäldern. Leo-Redakteur Wolfgang Fuchs freut sich über passende Literatur.

Viele zusammenhängende Waldgebiete von einst gibt es heute nicht mehr, erfährt der Leser von Jürgen Schullers Buch "Faszinierende Bäume in der Oberpfalz: Baumgeschichte(n) - Biologie - Mythologie".
von Wolfgang Fuchs Kontakt Profil

Über drei Milliarden Bäume wachsen in der Oberpfalz. Das schreibt Jürgen Schuller in seinem Buch "Faszinierende Bäume in der Oberpfalz: Baumgeschichte(n) – Biologie – Mythologie", erschienen im Battenberg Gietl Verlag. Dabei sei die Rotbuche so etwas wie DER europäische Baum. "Man sagt, vor 1000 Jahren hätte ein Eichhörnchen von der französischen Atlantikküste bis in die Ukraine gelangen können, ohne einmal den Boden zu berühren, springend von einer Buchenkrone in die nächste."

Das erinnert mich an ein anderes Buch, das mich vor Jahren in seinen Bann gezogen hat: Italo Calvinos Roman "Der Baron auf den Bäumen". Die Geschichte erzählt von Cosimo Piovasco di Rondò, der vor langer Zeit mit seiner Familie im dicht bewaldeten ligurischen Dorf Ombrosa lebte. Im Alter von zwölf Jahren weigert sich der kleine Cosimo, das von seiner Schwester gekochte Schneckengericht zu essen – denn es ekelt ihn. Es kommt zum Streit mit dem Vater. Irgendwann reicht es Cosimo. Er steht auf, kehrt der Familientafel den Rücken, geht in den Garten und steigt auf einen Baum. Bis zu seinem Tod 50 Jahre später wird er nie wieder den Boden betreten.

Von wegen Alleinsein - bei seinen Wanderungen auf den Feldern trifft Leo-Redakteur Wolfgang Fuchs einen alten Bekannten.

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Stattdessen lebt er in der Welt der Baumkronen. Von dort aus erkundet er das Land, korrespondiert mit den großen Philosophen seiner Zeit, freundet sich mit einem berüchtigten Räuber an, kämpft gegen Piraten. Sogar Napoleon Bonaparte kommt ihn besuchen. Irgendwann wird Cosimo trotzdem alt und des Lebens müde. Als ein Luftballon vorbeischwebt, greift er nach dem herabbaumelnden Seil und ward nicht mehr gesehen. Es heißt, er sei ins Meer gefallen, ohne je wieder einen Fuß auf festen Boden gesetzt zu haben.

Italo Calvinos Roman bezieht sich auf eine längst vergangene Zeit. Am Ende resümiert der Erzähler, dass das alte, von dichtem Baumwuchs geprägte Ombrosa nicht mehr existiert. Die Wälder sind seit langem abgerodet.

Auch das Eichhörnchen würde heute auf seiner Wanderung von der französischen Atlantikküste gen Osten nicht mehr weit kommen. Doch auch in unserer Zeit gibt es noch große "Baumpersönlichkeiten", wie Jürgen Schuller sie nennt. So zum Beispiel die 350 Jahre alte Riesenbuche von Friedenfels. Was sie schon alles erlebt haben mag?

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