02.04.2020 - 12:08 Uhr
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LEO Blog: Reinen Tisch machen – Tipps für die Resteverwertung in der Küche

Das schlechte Gewissen hat immer mitgegessen. Täglich blieben Lebensmittel liegen, die irgendwann in der Mülltonne landeten. Zu schade, zu teuer, zu asozial. Elke Summer hat den Selbstversuch gestartet, die Wegwerfkette zu zerschneiden.

Heute lecker, morgen alt: Semmeln und Brezn im Frühstückskorb
von Externer BeitragProfil

Ich hatte es satt. Ich habe den Hals nicht voll gekriegt. Und irgendwie war ich die alte Umweltsau, auf die meine Söhne mit dem Finger zeigen konnten. Pfui Galle. Denn viel zu oft habe ich Lebensmittel weggeschmissen, die weder verdorben noch verschimmelt waren. Frei nach dem Slogan „Einmal hin, alles drin“ war in unserem Haushalt viel zu viel drin – und zwar in der Mülltonne. Immer scheibchenweise garniert mit einer Portion schlechten Gewissens. Der restliche Frischkäse vom Samstag war montags ungenießbar, weil Knoblauch im Büro die Luft verpestet. Also, weg damit. Das halb leere Nudel-Pesto wanderte erst zur Zwischenlagerung in den Kühlschrank und später in den Mülleimer. Was soll man damit, wenn man nicht alle zwei Tage Pasta mit Kräutersauce essen mag? Und etliche Semmeln blieben garantiert beim Frühstück übrig und landeten im ...

… ja, irgendwann als steinharte Brocken wieder im Müll. Bis zu dem Tag, an dem ich es endgültig satt hatte. Das Jahr war neu, die Stimmung heiter bis euphorisch und die Mülltonne nach den Weihnachtsfeiertagen chronisch überfüllt. Es begann mit leisen Vorwürfen, die lauter wurden. Er: „Zu viel eingekauft, oder?“ Sie: „Hmm.“ Er: „Ziemliche Verschwendung, oder?“ Sie: „Stimmt leider. Lag aber daran, dass wir nie wissen, wie viel Family and Friends tatsächlich essen.“ Er: „Prinzipiell richtig, aber …“ Sie: „Ja, alter Meckerfritze.“ Um den Dialog abzukürzen: Wir haben welke Blätter vom Salat gepflückt und den Rest gegessen. Wir haben trockene Kochschinken-Scheiben an Hund und Katz verfüttert. Wir haben den Joghurt auch nach dem Verfallsdatum genossen. Und trotzdem musste unsere Tonne einfach zu viel schlucken. Wegwerfgesellschaft eben.

Not macht erfinderisch

Drei Monate später. Wir sind in einer Challenge gefangen, die fordert: Lebe von deinen Vorräten und mach‘ esstechnisch das Beste draus. Eine echte Herausforderung. Den alten Fehler, jeden Abend hektisch in den Supermarkt zu fahren, um Nachschub zu holen, sparen wir uns inzwischen und lernen dabei: Not macht erfinderisch. Und kann super schmecken, weil der bittere Beigeschmack der Misswirtschaft fehlt. Als geborener Hamster hab‘ ich immer schon Vorräte gehortet, deshalb war es längst an der Zeit, Orangensenf, gelbe Curry-Paste, Rote Bete oder Hartweizengrieß zu verwerten. Unsere Kreationen – mit vielen Anregungen aus dem Internet – sind nicht immer ein kulinarischer Knaller. Trotzdem bleiben wir dran und frieren inzwischen jeden kleinen Rest ein, dass der Tiefkühler aus allen Nähten platzt. Wir denken darüber nach, ein Zweitgerät anzuschaffen. Nur die alten Semmeln bleiben weiter liegen, weil wir uns beim Frühstück notorisch verschätzen („Vielleicht noch eine Semmel für nachmittags?“). Aber jetzt haben wir viele Brot-Rezepte mit mediterranem Flair ausprobiert, die wir richtig lecker finden (siehe unten). Unsere Challenge hat uns gerüstet, sie kommt uns in Zeiten der Corona-Krise sehr zugute. Trotzdem bleibt unser ökologischer Fußabdruck schmutzig, denn: Wie viele Tiefkühltruhen verträgt ein Zwei-Personen-Haushalt?

Altes Brot reloaded: Der italienische Klassiker „Bruschetta“ ist denkbar einfach zuzubereiten.
Rezept-Tipp:

Bruschetta aus Italien (2 Portionen)

ZUTATEN:

3 alte Semmeln

4 reife Tomaten

Lauchzwiebeln

1 Knoblauchzehe

5 EL Olivenöl

Meersalz

Pfeffer

Frisches Basilikum

 

ZUBEREITUNG:

Tomaten fein hacken, Lauchzwiebeln in feine Ringe schneiden. Knoblauchzehe in zwei Hälften teilen, eine Hälfte sehr fein hacken. Tomaten, Lauchzwiebeln und klein gehackter Knoblauch mit 3 EL Olivenöl vermischen und mit Salz und Pfeffer würzen. Tomatenmischung eine Stunde lang in den Kühlschrank stellen.

Semmeln in zentimeterdicke Scheiben schneiden, mit restlichem Olivenöl beträufeln und die Brotscheiben mit der zweiten Knoblauchhälfte bestreichen. Salzen und die Semmeln in der Pfanne anrösten. Tomatenmasse auf die Semmelscheiben verteilen und mit frischem Basilikum dekorieren. Schmeckt wie beim Italiener.

Schmeckt nach Urlaub in Griechenland: der Brotsalat mit Tomaten und Schafskäse.
Rezept-Tipp:

Brotsalat aus Griechenland (2 Portionen)

ZUTATEN:

3 alte Semmeln (auch Vollkorn)

150 g Kirschtomaten

1 Knoblauchzehe

1 rote Zwiebel

100 g Schafskäse

1 EL Kapern (optional)

100 g Oliven

5 EL Olivenöl

1 EL roter oder weißer Balsamico

2 TL dünnflüssiger Honig

Salz

Pfeffer

 

ZUBEREITUNG:

Semmeln in Scheiben schneiden (1 Zentimeter dick), jede Scheibe einmal halbieren und mit Öl beträufeln. Im Ofen auf mittlerer Schiene bei 200 Grad (Umluft 180 Grad) gute 10 Minuten lang anrösten, bis die Scheiben hellbraun sind. Knoblauch halbieren und das geröstete Brot damit einreiben. Kirschtomaten – je nach Größe – halbieren oder vierteln, Zwiebel in Streifen schneiden. Den Schafskäse mit den Händen grob zerkleinern. Balsamicoessig, Honig, Salz und Pfeffer mit 3 EL Öl vermengen.

Semmelscheiben in Stücke brechen und mit Tomaten, Zwiebeln, Kapern, Oliven und Schafskäse mischen und mit Dressing beträufeln. Achtung: Salat erst kurz vor dem Servieren zubereiten, damit die Semmeln schön knusprig bleiben.

Echte Handarbeit: Spinatknödel aus Südtirol.
Rezept-Tipp:

Spinatknödel aus Südtirol (4 Portionen)

ZUTATEN:

5 alte Semmeln

¼ Packung Tiefkühlspinat

2 Eier

80 g fein gewürfelter Speck

¼ Liter Milch

3 EL Semmelbrösel

1 Becher Schlagsahne (250 g)

Geriebener Parmesan

Salz

Pfeffer

 

ZUBEREITUNG:

Tiefkühlspinat auftauen lassen. Semmeln klein schneiden und etwas warme Milch über die Semmeln gießen. Einweichen lassen. Speckwürfel (pur oder geröstet), Eier, Spinat, Semmelbrösel, Pfeffer und die restliche Milch zu der Semmelmesse geben und alles gut vermischen. Sollte der Teig zu nass sein, noch Semmelbrösel ergänzen.

Mit nassen Händen 8 bis 12 gleiche Knödel formen. In Salzwasser 15 Minuten köcheln lassen. Für die Käsesauce die Sahne erhitzen und je nach Geschmack geriebenen Parmesan dazugeben. Mit Pfeffer nachwürzen. Vegetarier verwenden Hartkäsewürfel statt Speck.

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Tipps, Tricks, Gedanken - Redaktion Magazine erzählt vom Alltag in der Corona-Krise

Der Cappuccino mit Freunden im Lieblings-Café, der gemütliche Grillabend, feuchtfröhliche Partys - all das ist erst einmal passé. Die Oberpfalz, Bayern - ja die ganze Welt wird von der Corona-Krise überrollt. Um besonders gefährdete Mitmenschen zu schützen, ist das soziale Leben auf ein Minimum beschränkt. Viele von uns arbeiten im Homeoffice, um die Gefahr einer Ansteckung so gering wie möglich zu halten. Auch wir, die Redakteure und Grafiker der Redaktion Magazine von Oberpfalz Medien, haben unsere PCs im Herzen von Weiden abgebaut und zu Hause wieder aufgebaut. Eine ungewohnte Situation. Aber notwendig. Plötzlich ist alles viel stiller. Entschleunigt. Auch wir stehen vor der Frage: Wie beschäftige ich mich zu Hause? Wie gehe ich mit der Situation um. Jeder von uns hat seine persönliche Antwort gefunden. In regelmäßigen Abständen erzählen wir euch in unserem LEO Blog davon - und geben euch Tipps, wie ihr mit der Situation umgehen könnt.

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