01.03.2020 - 16:24 Uhr
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Zwischen Schnitzel und Prüfungsstress - Ein Tag in der Mensa

Es ist Montagmittag, 13 Uhr. In der Mensa der Ostbayerischen Technischen Hochschule Weiden herrscht Leben. Es wird gekocht, gegessen, gelernt. Auf den Tischen liegen Schokoriegel. Nervennahrung. Es ist Prüfungsphase.

In der Mensa der OTH Weiden wird nicht nur lecker gegessen, sonder auch viel gelernt.
von Laura Schertl Kontakt Profil

Das fällt auch den Angestellten in der Küche auf. „Man merkt schon, dass die Studenten in dieser Zeit nervöser und angespannter sind“, erzählt Andre Bartus, Leiter der Mensa. Er arbeitet seit achteinhalb Jahren hinter dem Tresen, zusammen mit acht Mitarbeitern. Ihr Job: Kochen im XL-Format. „Im Monat verarbeiten wir zirka 750 Kilogramm Gemüse, 850 Stück Salate und Gurken, etwa 70 Kilo Obst und 550 Kilo Fleisch. In der Spitze werden 440 Essen im Wintersemester und im Jahresdurchschnitt 300 Essen ausgegeben. “, erklärt der Leiter. Täglich bereiten die Mitarbeiter fünf bis sechs verschiedene Menüs zu. Dazu kommt noch die Salatbar und die Pasta-Theke. Eine vegetarische Speise ist immer dabei. „Wir kochen mit einem hohen Frischeanteil“, sagt Andreas Bartus. Eine Auswahl, die bei den Besuchern gut ankommt. „Es ist super, dass es immer was für Vegetarier gibt und die Salatbar als gesunde Alternative“, findet die 18-jährige Carolin. Sie ist zusammen mit ihren Freundinnen Rebekka und Jennifer hier. Die drei jungen Frauen studieren noch nicht, sondern besuchen die angrenzende Fachoberschule. Aber auch sie zahlen den ermäßigten Studentenpreis. Besucher sind in der Mensa der OTH immer willkommen, das Essen hier bietet für jeden das Richtige. „Es gibt eigentlich keinen Tag, an dem es nicht schmeckt“, erzählt Jennifer, und Carolin ergänzt: „Im Notfall kann man immer noch Pommes und Currywurst essen.“ Das stimmt, denn Pommes, Currywurst und Schnitzel gibt es jeden Tag. Ein Backup-Plan für alle, die doch mal nichts Passendes finden. Ein paar Tische weiter sitzt Lea. Sie studiert im dritten Semester Medizintechnik. In ein paar Stunden schreibt sie ihren Zweitversuch in technischer Mechanik. Sie wartet hier auf eine Freundin, um noch ein letztes Mal den Stoff zusammen durchzugehen. „Wir treffen uns schon häufig hier, um zu lernen. In den vergangenen Wochen waren wir mindestens drei Stunden am Tag hier, eher fünf bis sechs. Man bereitet sich eben wochenlang vor.“ Um diesen Lernmarathon wissen auch die Mitarbeiter der Mensa. Sie bieten deshalb in der Prüfungsphase ausnahmsweise auch Abends ein Gericht an. Es wird gerne angenommen. „Ich habe das Angebot auf jeden Fall genutzt. Ich esse gerne hier, weil es günstig und sehr lecker ist“, erzählt Ana. Sie studiert im ersten Semester International Business, in drei Tagen hat sie ihre letzte Klausur. „Ich war die ganze letzte Woche bis in die Nacht hier und habe gelernt. So acht bis zehn Stunden täglich waren schon drin. Ich bin um acht hier hergekommen, habe gelernt, dann mittags Klausur geschrieben und bin dann danach direkt wieder her und habe weitergelernt.“ Damit ist Ana keine Ausnahme. Viele der Studenten nutzen die Mensa, um auch in der Prüfungszeit in angenehmer Atmosphäre zu pauken. So gehen im Durchschnitt 250 Mahlzeiten am Tag über den Tisch. Die Gastesser nicht mit eingerechnet. Mahlzeiten gibt es hier für kleines Geld. Für die obligatorische Currywurst zahlen Studenten 1,60 Euro, für das Schnitzel 1,95 Euro. „Die Mensa in Weiden wird vom Studentenwerk Oberfranken betrieben. Da das Studentenwerk staatlich ist, steht nicht der Gewinn im Vordergrund, sondern der Student. Außerdem erhalten wir vom Freistaat Bayern für jedes Essen einen Zuschuss“, erklärt Andre Bartus die günstigen Preise. Er und sein Team planen sechs Wochen im Voraus den Speiseplan. „Am beliebtesten ist die Lasagne, aber auch die Kartoffelecken mit Dip kommen immer super an“, erzählt er. Um sechs Uhr morgens beginnt in der Küche der Betrieb. Spülmaschinen müssen eingeschaltet, Obstbecher vorbereitet werden. Es gibt immer viel zu tun. „Heute zum Beispiel gibt es Hackbraten, da haben wir gleich in der Früh die Masse gemacht, ihn um acht Uhr in den Ofen geschoben und um neun Uhr portioniert. Da muss man dann schon zusammenarbeiten. Ohne mein Team ginge es nicht.“ Und wenn etwas übrig bleibt? „In der Regel können wir gut vorkalkulieren, sodass wenig Essen übrig bleibt. Sollte das aber trotzdem der Fall sein, wird das Essen vergünstigt nochmals angeboten. Das wird von den Gästen gern angenommen“, erklärt der Leiter der Mensa. Inzwischen ist Leas Freundin eingetroffen. Zusammen gehen sie den Klausurstoff noch einmal durch. „Ich finde Lernen in der Gruppe oder zu zweit besser, da kann man sich gegenseitig helfen. Ich habe jetzt seit zwei Wochen Prüfungsphase, zwei Wochen kommen noch“, erzählt die Medizintechnik-Studentin. Tatsächlich sitzen viele hier in Gruppen zusammen, lesen Texte, erstellen Power-Point-Präsentationen. Auch Johannes, Antonia, Christina und Fabius sitzen zusammen in der Mensa. Sie studieren ebenfalls Medizintechnik, allerdings im ersten Semester. Auch sie lernen oft zusammen hier. „Die Gruppenräume in der Bibliothek sind oft belegt, da ist es hier einfach besser“, erzählt Johannes. Seine Kommilitonin Antonia findet: „Gerade am Wochenende ist es hier perfekt, weil wir mit unseren Ausweisen in die Mensa kommen. Die Bibliothek ist da oft überfüllt.“ Aber auch das Essensangebot der Mensa nutzt die Gruppe gern. „Das Angebot und das Preis-Leistungs-Verhältnis ist für Hochschul-Verhältnisse top“, findet Johannes. Christina lobt, wie die Studenten vor ihr, das vegetarische Angebot. Auch das Abendessen haben die vier bisher oftmals genutzt. „Damit man sein ganzes Leben hier verbringt“, scherzt Johannes. Das ganze Leben – oder eben die ganze Prüfungszeit. „Ich saß hier schon öfter von acht bis acht“, erzählt Antonia. „Man hat aber auch nur so viel Stress, wie man ihn sich macht“, findet ihr Kommilitone.

Andre Bartus und sein Team kennen den Druck, unter dem die Studenten in der Prüfungsphase stehen, und helfen, wo sie können: „Unsere Küchendamen haben mit ihrer mütterlichen Art immer ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Studenten. Wir helfen auch gerne mal mit einem Pflaster oder einer Schere aus, wenn es brennt. Aber der Umsatz von Süßigkeiten und Kaffee steigt in der Prüfungsphase schon etwas an“, schmunzelt Andre Bartus. Manchmal hilft bei dem ganzen Stress eben doch nur eines: Schokolade.

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