"Die Bundeswehr will von 200.000 Soldaten auf 300.000 anwachsen und benötigt dafür Kasernen und Infrastruktur. Das ist die Chance für den Standort Oberviechtach", sagt der stellvertretende Vorsitzende des CSU-Ortsverbandes Oberviechtach, Oberst a.D. Jochen Schneider, im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Unter seiner Federführung wurde im Mai eine Initiative zur Nutzungserweiterung der Grenzlandkaserne gestartet. Diese hat mittlerweile den Deutschen Bundeswehrverband und auch Verteidigungsminister Boris Pistorius erreicht.
Jochen Schneider, von 2003 bis 2005 Bataillonskommandeur am Standort Oberviechtach, erläutert zusammen mit dem CSU-Ortsverbandsvorsitzenden Tobias Ehrenfried den Inhalt des Positionspapieres: Zusätzlich zur geplanten Verlegung des Panzerartilleriebataillons 131 nach Oberviechtach könnten weitere Kräfte eines neu zu stationierenden Raketenartilleriebataillons oder des freiwilligen Heimatschutzes in der Grenzlandkaserne Platz finden.
"Oberviechtach ist dafür bestens geeignet. Durch Synergien könnten Kosten eingespart und die wertvolle Infrastruktur der Kaserne umfassend und effizienter genutzt werden", betont Schneider. Außerdem: "Für die Zukunft entscheidend ist es, dass die Anzahl der Soldaten, selbst nach Verlegung der Grenadiere nach Litauen, erhalten bleibt und ausgebaut werden kann." Platz wäre laut Jochen Schneider für 1000 Soldaten, das Panzergrenadierbataillon 122 hat vier Kompanien mit aktuell rund 600 Soldaten.
Schreiben an Pistorius
Verteidigungsminister Boris Pistorius war im Februar 2024 zu Besuch in der Grenzlandkaserne, stellte die Details zur geplanten Litauen-Verlegung vor. Damals anwesend war auch MdB und Parlamentarische Staatssekretärin Martina Englhardt-Kopf (CSU), die sich nun am 17. Juli 2025, in Abstimmung mit dem CSU-Ortsverband, zwecks Stärkung des Standorts an den Minister gewandt hat.
Laut Pressemeldung verwies sie im Schreiben auch auf die strategische Lage, die Unterstützung der Bevölkerung vor Ort und die intakte Infrastruktur der Kaserne, "die kurzfristig für neue Kräfte genutzt werden könnte".
Antwort des Ministers
Rund vier Wochen später erhielt Martina Englhardt-Kopf eine Antwort, unterzeichnet am 19. August von Boris Pistorius (Schreiben liegt der Redaktion vor). "Die Verlegung des Panzergrenadierbataillons 122 nach Litauen stellt zweifellos einen spürbaren Einschnitt für Oberviechtach dar. Uns ist bewusst, welche Rolle die Bundeswehr durch ihre tiefe Integration in der Region nicht nur für die wirtschaftliche Entwicklung, sondern auch für das gesellschaftliche Leben darstellt", heißt es darin. Und weiter: "Daher freue ich mich, dass Oberviechtach mit seiner traditionell hervorragenden Unterstützung seiner Bürgerinnen und Bürger für die Bundeswehr mit der Stationierung des Panzerartilleriebataillons 131 als Standort erhalten bleibt."
Mit der konsequenten Ausrichtung der Bundeswehr auf die Landes- und Bündnisverteidigung würden auch die Nutzungsmöglichkeiten der Bundeswehrliegenschaften geprüft. "Ich bitte gleichwohl um Ihr Verständnis, dass ich den laufenden Untersuchungen zum Aufwuchs der Bundeswehr und des territorialen Heimatschutzes nicht vorgreifen kann", lässt der SPD-Minister die "sehr geehrte Frau Kollegin" wissen.
Oberst a.D. Jochen Schneider pflegt auch im Ruhestand seine Bundeswehrkontakte, die ihm zu einem weiteren Adressaten für das CSU-Positionspapier verhalfen: Am 21. Juli stellte er die Initiative zur Aufnahme weiterer Bundeswehrkräfte in Oberviechtach auch Nils Schmid, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Verteidigung, vor, und bat um Unterstützung. Laut Schneider stehe Nils Schmid einer Arbeitsgruppe im Verteidigungsministerium vor, die festlegt, in welchen Bundesländern Kasernen erweitert, umgenutzt oder neu gebaut werden. Eine Antwort ist bis dato nicht eingegangen.
Für Litauen-Rückkehrer
"Ein Raketenartilleriebataillon oder der Heimatschutz wären eine militärische Heimat für Panzergrenadiere, die nach ihrer Zeit in Litauen wieder an den alten Standort zurückkehren könnten", bekräftigt Jochen Schneider im Pressegespräch. Seiner Meinung nach könnten damit mehr Freiwillige für Litauen gewonnen werden. Auch General Christoph Huber, Brigadekommandeur der Panzerbrigade 45 in Litauen, habe er im persönlichen Gespräch beim Bataillonsappell am 15. September von diesen Gedanken überzeugen können.
"Bevor wir uns an die Bundespolitik gewandt haben, sicherten wir uns die Unterstützung aus München", berichtet CSU-Ortsvorsitzender Tobias Ehrenfried. Florian Herrmann, Leiter der Staatskanzlei, habe bei einem Treffen im Mai, bei dem auch MdL Alexander Flierl anwesend war, seine Unterstützung zugesagt und betont, "dass die Staatsregierung an einem Aufwuchs von Kräften in Oberviechtach und in Bayern generell interessiert ist".
Resolution der Kreistagsfraktion
Ein "Angriff" auf allen politischen Ebenen: In seiner Funktion als CSU-Fraktionsvorsitzender im Kreistag Schwandorf hat Ehrenfried zusammen mit Landrat Thomas Ebeling im September eine Resolution der CSU/JU-Kreistagsfraktion zur Stationierung weiterer Kräfte in der Grenzlandkaserne Oberviechtach unterzeichnet. Adressat ist Verteidigungsminister Boris Pistorius.
"Wir haben auf alle Vorteile des Standortes, mit dem derzeit nicht ausgelasteten Übungsplatz und der Schießanlage, auf die zwei Stabsgebäude und Kapazitäten der großen Liegenschaft hingewiesen, ebenso auf die soziale Infrastruktur mit Emil-Kemmer-Haus, Kindergärten und Schulen", lässt Tobias Ehrenfried wissen und betont: "Wir bleiben dran, fragen nach und lassen unsere Kontakte weiter spielen."





















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