09.08.2019 - 08:57 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Vor 115 Jahren nimmt der "'Oberviechtacher Bockl" Fahrt auf

Es ist 115 Jahre her, dass Oberviechtach einen Bahnanschluss erhalten hat. Am 18. August 1904 erreicht der erste Zug den Bahnhof. Doch im Vorfeld bereitet die Projektierung viele Kopfschmerzen – und nicht alle waren zufrieden.

von Georg LangProfil

Am 18. August 1904 fand die feierliche Einweihung des Bahnhofs Oberviechtach statt. An diesem Tag befuhr auch offiziell der erste Zug der Könglich Bayerischen Staatseisenbahnen die 28,93 Kilometer lange Neubaustrecke von Nabburg nach Oberviechtach, die in knapp zwei Jahren errichtet worden war. „Zwei elektrisch angetriebene Stoßbohrmaschinen, denen eine achtpferdige Lokomobile die Kraft lieferte“, waren im Einsatz.

Zum Baubeginn waren 100 bis 120 Arbeiter, später auch Gastarbeiter aus Italien an den Baustellen beschäftigt. „Die Erdarbeiten werden mit Hilfe einer Lokomotive, an welche Rollbahnwagen angehängt werden, ausgeführt“, heißt es in einem Baubericht. Bis Ende 1902 hatten die Männer für Dammarbeiten insgesamt 42 470 Kubikmeter Erd- und Gesteinsmassen bewegt. 517 Kubikmeter Beton waren bis dahin auch schon verbaut. In der Bauplanung musste ein Höhenunterschied von 128,82 Meter zwischen dem Ausgangsort Nabburg (367,63 Meter) und dem Zielort Oberviechtach (496,45 Meter) berücksichtigt werden. Detailliertes Zahlenmaterial liefert der Lokführer und Eisenbahnhistoriker Wolfgang Bleiweis aus Münnerstadt, der im zurückliegenden Jahr die erste Monografie zur „Lokalbahn Nabburg – Schönsee“ herausgebracht hat.

Im Jahr 1904 war aber der Weiterbau der Strecke bis Schönsee noch umstritten, den die Grenzstadt vehement forderte, während Oberviechtach Endstation der Lokalbahnstrecke bleiben wollte. Auch die vorausgegangene Projektierung der Oberviechtacher Bahnlinie verlief nicht ohne Konflikte, denn die realisierte Trassenführung mit Haltestellen in Wölsendorf, Schwarzach, Altendorf, Zangenstein, Pertolzhofen und Niedermurach war nicht die einzige Planungsvariante für eine Bahnlinie in das Grenzgebiet. Beispielsweise machte sich Winklarn parallel zur Oberviechtacher Initiative für eine Weiterführung der schon im Bau befindlichen Lokalbahn von Bodenwöhr nach Neunburg vorm Wald unter Berücksichtigung von Schwarzhofen stark.

Der konkrete Beschluss für die endgültige Bahnstrecke erfolgte am 30. Juni 1900 mit der Ratifizierung durch Prinzregent Luitpold. 34 Lokalbahnbauten in ganz Bayern umfasste dieses Gesetz mit einem Kostenvolumen von 46 Millionen Mark. Die Oberviechtacher Lokalbahn war darin mit etwas über zwei Millionen Mark veranschlagt. Lang anhaltenden Diskussionsstoff gab es in der Folgezeit noch beim Anschluss der Märkte Schwarzhofen und Winklarn. Schwarzhofens Bahnstation wurde schließlich Uckersdorf und für Winklarn ergab sich nach dem Anschluss Schönsees im Jahr 1913 Schneeberg als Bahnstation. Die von Staatsminister von Crailsheim den Winklarnern versprochene Ausbuchtung der Trassenführung erreichte nicht den Markt selbst.

Unmittelbar nach der Fertigstellung der Oberviechtacher Lokalbahn verkehrten in jede Richtung drei Züge. Neun Beschäftigte versahen den Dienst. In der Folgezeit wurde das Angebot für Personen- und Güterverkehr ausgebaut. Ein Fahrplan von 1950 weist auf dieser Lokalbahnstrecke bis Schönsee sechs Reisezugpaare aus. Bis in die siebziger Jahre starteten von Oberviechtach aus auch Sonderzugfahrten, beispielsweise in die Partnerstadt Hann. Münden. Die Bundeswehr nutzte die Bahnlinie bei Übungsplatzaufenthalten zum Transport von militärischem Gerät und Fahrzeugen.

Insgesamt zeigten sich aber deutlich rückläufige Quoten sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr. Am 30. Mai 1976 wurde daher der Reisezugverkehr zwischen Nabburg und Schönsee eingestellt. Am 3. Juni 1984 folgte auch die Beendigung des Güterzugverkehrs zwischen Bahnhof Lind und Schönsee. Am 15. Oktober 1994 wurde auf der Bahnstrecke Nabburg–Oberviechtach der gesamte Verkehr beendet.

Nach dem Rückbau der Schienen entstand ein Radwanderweg, der heute gut frequentiert ist. Das Oberviechtacher Bahngelände ging von der Deutschen Bundesbahn auf die Stadt über, von der es die Aloys Rossman KG erwarb. Siegfried Rossmann hat den Bahnhof mit seinen Nebengebäuden in einer gelungenen Weise restauriert. Eine historische Lok in einem eigens errichteten gläsernen Lokschuppen hält die Erinnerung an den „Oberviechtacher Bockl“ aufrecht.

Im Lokalbahngesetzentwurf berücksichtigt:

Eine wesentliche Weichenstellung für die später realisierte Streckenführung erfolgte am 21. Juli 1895, als mit großem öffentlichen Interesse das „Lokalbahnkomitee Oberviechtach“ gegründet wurde. Bereits am 4. August wurde für alle beteiligten Gemeinden und Interessenten eine Versammlung anberaumt. Am 8. Oktober desselben Jahres ging an die Bayrische Kammer der Abgeordneten der Antrag, das Oberviechtacher Bahnprojekt in den Lokalbahngesetzentwurf aufzunehmen. Ab 1898 wurden mehrere Trassenführungen geprüft. Bedenken seitens Nabburg wurden schließlich ausgeräumt und man war mit einer Linienführung über Diendorf einverstanden. (lg)

Quellen:

Stadtarchiv Oberviechtach (Archivarin Christa Zapf). Wolfgang Bleiweis: Lokalbahn Nabburg – Schönsee, Schweinfurt 2018. Alfred Wolfsteiner: Jetzt hama d´Bahn, Jahresband zur Kultur und Geschichte im Landkreis Schwandorf , Band 14/15, Schwandorf 2003/2004.

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