09.09.2020 - 16:26 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Badespaß unter besonderen Vorzeichen

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"Von Rekordzahlen brauchen wir heuer nicht sprechen," sagt Bademeister Reinhard Klein und muss lachen. Denn die Freibadsaison steht in diesem Sommer unter einem besonderen Stern. Nicht nur in Oberviechtach.

Michael Maget, der Sachgebietsleiter für die städtischen Bäder, die Oberpfalzhalle und das Stadion in Schwandorf, bilanziert vor Ort eine Saison, „die ganz anders gelaufen ist als andere“.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Viele Freibäder im Landkreis haben sich und den Besuchern in diesem Sommer mit der Pandemie ganz spezielle Regeln gegeben. Was hatten die Schwimmer nicht alles befürchtet. Dass die Bäder gar nicht öffnen würden. Dass die neuen Regelungen ein Training unmöglich machen würden. Dass die Kommunen es bestimmt nicht hinbekommen würden, den Zugang zu den Freibädern vernünftig zu regeln. Und dann? Selten so oft freie Bahn gehabt. Der eingeschränkte Betrieb lief vielerorts glänzend.

Das Oberviechtacher Freibad hat bis Sonntag, 20. September geöffnet. Das ist der letzte Badetag einer verkürzten Saison, die wegen Corona erst am 20 . Juni beginnen konnte.

Bevor es im Juni losging, hat man sich strikte Hygieneregeln und Zutrittsbestimmungen auferlegt: Die Besucherzahl wurde auf 342 maximal Personen begrenzt, Kinder unter 14 Jahren durften und dürfen das Gelände nur in Begleitung eines Erwachsenen betreten; die Badezeiten wurden eingeschränkt, die Umkleidekabinen sowie die Schließfächer zur Aufbewahrung von Wertgegenständen blieben geschlossen, die Innenduschen wurden gesperrt. Und so weiter.

Am Ende der Diskussionen bleibt nur das Bad in Neunburg vor Wald zu

Nabburg

Da könnte man meinen, dass sich der Unmut der Besucher gegenüber den Verantwortlichen vor Ort nachdrücklich geäußert hat. Aber weit gefehlt. Denn das Oberviechtacher Bad hatte ein Schmankerl zu bieten: Anders als in anderen Orten mit Freibädern musste man sich nicht über Internet für den Aufenthalt im Bad anmelden. "Bei uns ist Spontaneität möglich. Jeder der eine Saisonkarte vorwiesen konnte, durfte unangemeldet rein," erklärt Bademeister Klein. "Die Leute haben das genial gefunden. Auch wegen der Desinfektionspause von 13.30 bis 14.30 Uhr gab es keine Klagen."

Obergrenze nie erreicht

"Die Obergrenze von 342 Personen, die sich gleichzeitig im Bad aufhalten dürfen, wurde nie erreicht," berichtet Klein. Den Tag über seien überhaupt nur 300 bis 350 Besucher gekommen. „So mussten wir auch nie den Einlass begrenzen.“ Überschlägig kommt der Bademeister in dieser Rumpfsaison auf rund 10 000 Badegäste – halb so viele wie sonst.

Halb so viele wie sonst: Davon ist das Schwandorfer Freibad noch weit entfernt. Bis Ende August liegen gesicherte Zahlen vor und die sagen, dass heuer 40 000 Menschen den Eingang passiert haben. „Normal sind 250 000 im Sommer da,“ weiß Bademeister Michael Maget, der zwar seine Führungsaufgabe in Schwandorf erst in diesem Jahr übernommen hat, aber schon zwei Jahrzehnte für die Bäder der Kreisstadt tätig ist.

Positive Resonanz

Aufgemacht hat das große Bad neben dem Landratsamt heuer am 24. Juni, geschlossen wird es voraussichtlich am 20. September. „Außer, es kommt noch eine Hitzewelle, dann lassen wir ein paar Tage länger offen.“ Maget bilanziert im Gespräch mit Oberpfalz-Medien eine Saison, „die ganz anders gelaufen ist als andere“. Nicht zuletzt wegen der Einschränkungen, die Corona aufzwang. Probleme mit den Badenden habe es deswegen aber nicht gegeben: „Die Leute waren dankbar, dass wir überhaupt offen haben, und das Personal vor Ort hat immer eine positive Resonanz bekommen.“

Das Defizit wird heuer etwas höher

Bademeister Michael Maget

Natürlich fehlt in Fällen wie Oberviechtach, Schwandorf und anderen das Eintrittsgeld in der Kasse. Aber diese Bäder sind städtische Einrichtungen, von denen man ausgeht, dass sie eh nicht kostendeckend arbeiten können. Die Kommunen müssen also jedes Jahr Defizite tragen. „Das Defizit wird heuer etwas höher,“ fasst Maget die wirtschaftliche Situation zusammen. Kritischer hätte es bei solchen Verlusten in Neuburg vorm Wald ausgesehen. Dort ist das Bad als GmbH organisiert.

Kein Zuschuss von der Stadt

Wilhelm Meier, Geschäftsführer der Neunburger Stadtwerke, begründet deshalb auch die dauerhafte Schließung des Freibads in der Pfalzgrafenstadt in diesem Sommer mit ökonomischen Überlegungen. „Die Corona bedingten Einschränkungen und Zwänge hätten solche Mehrkosten verursacht, das konnten wir uns nicht leisten.“ Anders als andernorts „bekommen wir als GmbH keinen Zuschuss von der Stadt“. Hätte es die Pandemie nicht gegeben, so wären in diesem Jahr wohl wieder 40 bis 50 000 Menschen zum Baden gekommen. „Aber wir sind Optimisten, dass die Krise überwunden wird und es besser weitergeht“, zieht Meier einen Strich unter diesen verkorksten Badesommer.

Volker Liebl, Leiter des Freibads in Perschen bei Nabburg, hat so eine Saison in seinen zwölf Jahren als Chef der Einrichtung auch noch nicht erlebt. Dabei war die Nachfrage gut, wie er versichert. Die Pandemie-Regularien sahen vor, dass pro Tag maximal 750 Menschen ins Bad dürfen. „Und wir hatten oft ein volles Haus.“ Was in diesem Fall aber nicht an die „volles Haus Tage“ anderer Jahre hinkommt, wenn sich bis zu 3000 Menschen auf dem Gelände tummelten. Alles in allem geht Liebl, dessen Bad ebenfalls am 15. September zumacht, von 25 bis 30 000 Gästen aus – statt 120 000 wie in „normalen“ Jahren.

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