11.08.2020 - 14:37 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Bildung geht nicht ohne Kassier

Der kleine Hilferuf per Zeitung und ein paar Schreiben an zuständige Bürgermeister haben noch nicht gefruchtet. Dabei bräuchte das Volksbildungswerk Oberviechtach-Schönsee dringend Mitarbeiter im Vorstand. Michael Hösl sucht eine Lösung.

Es gibt eine gemeinsame Homepage des „Volkshochschulverbunds im Landkreis Schwandorf“, auf dem sich auch das Angebot des Volksbildungswerks Oberviechtach-Schönsee befindet. Dessen Sitz ist in Oberviechtach, es wird von einem Büro im Rathaus aus betreut. Es gibt also keine eigene Geschäftsstelle und auch keine hauptamtlichen Angestellten.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Vergangene Woche machte das Volksbildungswerk Oberviechtach-Schönsee mit einer Annonce in unserer Zeitung auf sich aufmerksam. Dabei ging es nicht um Kursangebote, sondern um etwas Grundsätzlicheres: Die Bildungseinrichtung befindet sich in Personalnöten, denen abgeholfen werden müsste.

Das Bildungswerk befinde sich derzeit in einer schwierigen personellen Situation, bedauerte dessen Vorsitzender Michael Hösl (63). Dringend gesucht werde ein Kassier, der die Kasse und die Buchführung übernimmt. "Sehr willkommen sind aber auch alle Bildungsinteressierten, die neue Kursideen beitragen, bei der Verwaltung und Abwicklung helfen oder in der Vorstandschaft mitarbeiten möchten", hatte es in Hösls Aufruf geheißen. Gemeldet hat sich noch niemand.

Michael Hösl, der Vorsitzende des Volksbildungswerks Oberviechtach-Schönsee, freut sich über gut gestaltete und inhaltlich ansprechende Programmhefte. Schwer auf dem Herzen liegt ihm derzeit aber eine wichtige Personalfrage.

Hösl selbst wundert das wenig. "Da wird sich auch niemand finden, daran hat doch keiner Interesse", zeigte er sich im Gespräch mit Oberpfalz-Medien illusionslos. Dabei ist das Volksbildungswerk Oberviechtach-Schönsee eine Institution mit langer Tradition. Die Bildungsarbeit im ehemaligen Landkreis Oberviechtach wird durch den Verein in ehrenamtlicher Tätigkeit durchgeführt. Trotzdem kann man aus den Reihen des Vereins niemand für die oben genannten Ämter rekrutieren. Denn dieser Verein hat keine "natürlichen Mitglieder".

Das bedeutet, dass es zwar einen Vorstand gibt mit Hösl an der Spitze, mit Arwid Krauß als seinem Stellvertreter, Schriftführerin Gertraud Portner und Karl Roßmann als Beisitzer. Die entscheidende Personalie ist im aktuellen Fall Wilhelm Narnhammer, der für Kasse und Programm des VBW zuständig ist beziehungsweise war. "Mitglieder" hat das Volksbildungswerk Oberviechtach-Schönsee hingegen nur sieben: die Gemeinden des Altlandkreises Oberviechtach, vertreten von den jeweiligen Bürgermeistern.

Wilhelm Narnhammer aus Neunburg vorm Wald, ein früherer Realschullehrer, stand dem Volksbildungswerk Oberviechtach-Schönsee bis Anfang 2016 vor; danach wechselte er auf den Kassier-Posten und der bisherige Kassierer Michael Hösl rochierte auf Bitten des damaligen Oberviechtacher Bürgermeisters Heinz Weigl für die folgenden drei Jahre an die Spitze. Das ging alles so lange gut, bis der 76-jährige Narnhammer einen Unfall erlitt, der ihm nach Krankenhausaufenthalt und Reha die bisherigen Aufgaben nicht mehr erfüllen lässt.

Das Problem, wer den Kassier machen soll, muss bis September spätestens gelöst sein. Denn dann steht die Jahreshauptversammlung des Volksbildungswerks Oberviechtach-Schönsee an. Dazu werden vermutlich die sieben Gemeiden Oberviechtach, Schönsee, Teunz, Niedermurach, Winklarn, Weiding, Stadlern und Gleiritsch Vertreter senden, eventuell die dortigen Bürgermeister. Von denen wird aller Voraussicht nach aber keinen den Posten übernehmen wollen.

Es sind nicht nur Sprachkurse, mit denen das Volksbildungswerk Oberviechtach-Schönsee punktet

Oberviechtach

Es so zu machen wie die anderen Partner im "Volkshochschulverbund im Landkreis Schwandorf", also mit Festangestellten und eigenen Büros zu arbeiten, geht laut Hösl im Fall des Volksbildungswerks Oberviechtach-Schönsee nicht. Denn die Arbeit des Kassiers sei nicht zeitintensiv genug, um ihn täglich ein paar Stunden zu bezahlen. "Man bräuchte jemand mit Herzblut, wie es Wilhelm Narnhammer ist oder Michaela Graml vom Volksbildungswerkes Nittenau", wünscht sich der Vorsitzende. Der oder diejenige müsste sich auch mit den modernen Verbuchungstechniken, die online erfolgen, vertraut machen. "Mit einem Rechnungsbuch wie früher geht da nichts mehr", versichert Hösl und schmunzelt.

Von den sehr rührigen, Oberviechtacher "Freunden der Kunst", die von der Gattin seines stellvertretenden Vorsitzenden geleitet werden, mag er niemand abwerben. So geht ein Gedankenspiel Hösls in die Richtung, dass er selbst wieder den Kassier macht. Immerhin ist der 63-jährige Vorsitzende im Hauptberuf Kämmerer mit Sitz im Oberviechtacher Rathaus. Mit Geld kennt er sich also aus. Der Pferdefuß bei der Geschichte: Dazu bräuchte es einen neuen Vorsitzenden.

Hintergrund:

Das Volksbildungswerk Oberviechtach-Schönsee ist als Teil des „Volkshochschulverbunds im Landkreis Schwandorf“ wirtschaftlich und rechtlich selbstständig. Zuschüsse beziehungsweise Kosten, die die Kooperationspartner betreffen, werden von der VHS im Städtedreieck, mit Sitz in Maxhütte-Haidhof, umgelegt. Dort wird auch das gemeinsame Programmheft von einer Fachkraft zentral erstellt, die sich auch um das Qualitätsmanagement kümmert. Das VBW Oberviechtach-Schönsee bleibt jedoch eigenständiger Ansprechpartner für die Kurse vor Ort.

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