22.02.2019 - 14:26 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Bürger fahren auf Wunsch-Kennzeichen ab

Bei der ARD-Quizshow „Wer weiß denn sowas?“ wurde im Januar über die Nummernschild-Kombi "BUL-LE" gerätselt. Sechs Jahre nach Einführung der Nostalgie-Kennzeichen lässt die Nachfrage nicht nach. Auch "OVI" hat viele Fans.

Alexandra Vogl entstempelt das Kennzeichen durch Abkratzen der amtlichen Plakette. Dies darf der Halter des Fahrzeugs nicht selbstständig, sondern nur unter Aufsicht der Behördenmitarbeiter vornehmen.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

40 Jahre nach der Gebietsreform hatten sich die Bürger daran gewöhnt, im Großlandkreis Schwandorf zu leben. Als es dann ab 2013 fünf Kennzeichen-Alternativen zum seit 1972 allgemein geltenden "SAD" gab, war die Nachfrage groß. Immer mehr wollten sich als Einwohner ihres früheren Altlandkreises outen, egal ob aus Oberviechtach, Nabburg, Neunburg, Burglengenfeld oder Roding. Derzeit tragen immerhin 5,4 Prozent der rund 160 000 zugelassenen Fahrzeuge im Landkreis ein "altes" Schild.

1616 Mal "OVI"

Ob für Auto, Motorrad, Mofa, Lkw oder Traktor: "OVI" wurde seit 10. Juli 2013 insgesamt 1616 Mal vergeben. Wie Alexandra Vogl von der Kfz-Zulassungsstelle Oberviechtach berichtet, hat die einzige Nebenstelle zur Dienststelle im Landratsamt ein großes Einzugsgebiet. Von Stadlern bis aus Neunburg, Bodenwöhr, Schmidgaden und Wernberg-Köblitz kommen Leute, um ihr Fahrzeug an- oder abzumelden. Hier sind deshalb nicht nur "OVI"-Schilder vorrätig, sondern auch "NAB", "NEN", "BUL" und sogar "ROD", welches aufgrund der Überschneidung in beiden Landkreisen, Schwandorf und Cham, erhältlich ist. Es gibt Tage, da reicht der kleine Warteraum im Erdgeschoss der Bezirksamtsstraße 7 nicht aus. "Unsere Hauptsaison ist von März bis Anfang Juni, was an den Saisonkennzeichen für Zweiradfahrer liegt", erklärt Vogl. Ebenso wie ihre drei Kolleginnen behält sie auch im größten Stress ihre gute Laune. Über ihren Kundenkreis könne sie sich nicht beschweren, betont die Verwaltungsangestellte und lächelt dem Ehepaar am Nachbarschalter mit einem "NAB"-Kennzeichen zu. Der Nächste ist ein Herr aus Vohenstrauß, der ein Ausfuhrkennzeichen beantragen möchte. Dies ist hier für Auswärtige ebenso möglich wie das Abmelden von Fahrzeugen, wozu theoretisch Leute aus ganz Deutschland berechtigt sind. Beim Anmelden ist dagegen ein Hauptwohnsitz im Landkreis notwendig. Ausnahme: Das Fahrzeug wurde hier gekauft.

Nicht alles erlaubt

Doch nicht nur Nostalgie-Schilder boomen. "Mittlerweile entscheiden sich 90 Prozent für ein Wunschkennzeichen an ihrem Fahrzeug", berichtet Alexandra Vogl. Bei den Buchstaben sind es oft die eigenen Initialen und auch das "XX" liegt vorne. Bei den Zahlen wird gerne das Geburtsjahr oder die Hausnummer gewählt. Die Mehrkosten für ein Wunsch- oder Nostalgiekennzeichen liegen bei 10,20 Euro, zuzüglich einer Gebühr von 2,60 Euro falls die Reservierung einen Tag übersteigt. Übrigens: Die Reservierung wird für die Dauer von 30 Tagen vorgenommen und erlischt automatisch. Eine Verlängerung bis zu drei Monaten ist möglich. Welche Wunschkennzeichen frei sind, kann man entweder persönlich oder telefonisch bei der Zulassungsstelle erfahren oder im Internet (www.landkreis-schwandorf.de/Bürgerservice/Kfz_Zulassung). Aber es ist nicht alles erlaubt: Die Buchstabenkombinationen SA, SS, HJ, KZ und NS werden nicht vergeben. Bei Beantragung eines Saisonkennzeichens ist darauf zu achten, dass wegen des erhöhten Platzbedarfs höchstens eine siebenstellige Kombination aus Ziffern und Zeichen verwendet werden kann.

Wie Alexandra Vogl berichtet, ist "SAD-EU" einer der Ladenhüter, während "OVI-GO" sehr häufig gewählt wird. Und das nicht nur von Bürgern der Eisenbarth-Stadt. "NEN-GO" klinge einfach nicht so gut, lautet ihre Erklärung. Der Neunburger Bürgermeister Martin Birner fährt "NEN-BM-1" und liegt dabei im Trend. Denn einstellige Ziffern sind beliebt und deshalb sehr rar. Passend zum Fasching wäre die Schnapszahl "OVI-OV-111" aktuell noch zu haben. Die meisten Fahrzeuge laufen allerdings mit dem Kürzel des Altlandkreises Burglengenfeld (rund 16 000 Zulassungen). Übrigens: Das Wortspiel "BUL-LE" wurde bald nach Einführung gesperrt. Das bayerische Innenministerium als Dienstherr der Polizei bat das Landratsamt Schwandorf, die Kombination aus dem Verkehr zu ziehen. Dabei kursiert das Gerücht, dass es ausgerechnet ein Polizeibeamter gewesen sein soll, der sich damals das Kennzeichen "BUL-LE 1" reservieren hat lassen.

Seitdem das Landratsamt nach der Gebietsreform im Jahr 1972 in der Großen Kreisstadt Schwandorf beheimatet ist, wird die Oberviechtacher Zulassungsstelle auch als Bürgerbüro stark frequentiert – egal ob es um Führerschein, Mülltonne oder den BAföG-Antrag zur Weiterleitung geht. Ob die Arbeit in der Zulassungsstelle weniger wird, wenn heuer der von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer angekündigte nächste Schritt der "Internetbasierten Fahrzeugzulassung" (kurz: i-Kfz) erfolgt, wird sich zeigen. Künftig sollen Formalitäten wie Erst- und Wiederzulassung, Umschreibungen oder Adressänderungen bequem vom heimischen PC aus erledigt werden können. Aber nicht immer machen die Online-Angebote den Behördengang überflüssig. Denn sympathische "Hilfe vor Ort" ist nicht zu unterschätzen.

Kfz-Zulassungsstelle:

Kfz-Zulassungsstelle

- Online-Verfahren

Die Online Zulassungsverfahren werden im Bürgerserviceportal des Landratsamtes angeboten. Derzeit stehen die Dienste „Fahrzeug-Abmeldung/Außerbetriebsetzung“ und „Fahrzeug-Wiederzulassung“ zur Verfügung. Eingeben muss man das Kennzeichen, den Sicherheitscode der Stempelplakette und den Sicherheitscode der Zulassungsbescheinigung I (Fahrzeugschein). Derzeit kann nur mit „giropay“ bezahlt werden. Die Dokumente kommen mittels Postzustellungs-Urkunde nach Hause.

Voraussetzung ist eine Online-Ausweisfunktion (eID-Funktion am Personalausweis von der Gemeinde freigeschaltet). Am Computer muss die Ausweis-App installiert sein (www.ausweisapp.bund.de/service/support).

- Zulassungen

Die Kfz-Zulassungsstelle Oberviechtach wird als einzige Nebenstelle im Landkreis gut angenommen. Im Jahr 2018 wurden hier 7150 Zulassungsvorgänge (2013 waren es noch 5664) bearbeitet, sowie 4477 (4046) Außerbetriebssetzungen.

- Bürgerbüro

Die Zulassungsstelle in der Bezirksamtsstraße fungiert auch als Bürgerbüro für die Landkreisbewohner im Nordosten. 2018 wurden 5026 „sonstige Vorgänge“ vermerkt. So werden hier beispielsweise Führerscheine ausgegeben, Mülltonnen-Änderungen vermerkt, BAföG-Anträge angenommen oder allgemeine Auskünfte am Landratsamt eingeholt.

Nostalgie-Kennzeichen mit dem Kürzel eines Altlandkreises sind seit Juli 2013 möglich. Die Nachfrage lässt nicht nach.

Mittlerweile entscheiden sich 90 Prozent für ein Wunschkennzeichen an ihrem Fahrzeug.

Alexandra Vogl

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