11.03.2020 - 13:21 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Drogenbeauftragter warnt Eisenbarth-Schüler vor Cannabis, Crystal und Co.

Die Partydroge Crystal ist in Ostbayern auf dem Vormarsch, auch eine „Vergewaltigungsdroge" sorgt regelmäßig für Schlagzeilen. Hauptkommissar Martin Huber warnt die Schüler der Eisenbarth-Schule, beim Disco-Besuch die Augen auf zu halten.

Ein Mann raucht einen Joint mit Marihuana. Verschiedene Drogen-Arten, ihre Wirkungen und schädlichen Folgen rückte Martin Huber, Drogenbeauftragter der Bundespolizei, bei einem Vortrag in der Doktor-Eisenbarth-Mittelschule in den Fokus.
von Alois KöpplProfil

Martin Huber ist Drogenbeauftragter der Bundespolizei Waldmünchen und sensibilisierte die Schüler der neunten und zehnten Klassen für diese Thematik. Schließlich könnten gerade Jugendliche in die Fänge von Drogendealern geraten. Alleine in der Region Cham sei die Rauschgiftkriminalität in den vergangenen Jahren um fast 75 Prozent angestiegen.

Eingangs streifte Huber zunächst legale Drogen wie Alkohol, Nikotin, Koffein und rezeptfreie Medikamente. Deren Besitz, Konsum und Handel sei nicht verboten, sie können aber abhängig machen. Detailliert ging der Referent auf den Komplex illegale Drogen ein. Wesentliche Vertreter seien Cannabis, Opiate, Amphetamine, Kokain und Halluzinogene. „Um es mal auszuprobieren, um der Langeweile zu entkommen oder aus Protest“, nannte der Erste Polizeihauptkommissar (EPHK) einige Gründe für Drogenkonsum. Man denke, Drogen seien die Lösung für ein Problem, „doch schließlich werden die Drogen selbst zum Problem“, so seine warnenden Worte.

Detailliert erläuterte der Referent die Wirkung einzelner Drogen, angefangen bei Marihuana, Haschisch und Cannabis. Gesundheitliche Folgen wie Abhängigkeit, Verlust des Arbeitsplatzes und damit verbundene Beschaffungskriminalität wurden ebenso thematisiert wie die fatalen Folgen für Familie und Gesundheit. Bei „Spice“ (deutsch: Gewürz) handelt es sich um eine psychoaktive, illegale Droge, die aus synthetischen Cannabioniden sowie getrockneten Pflanzenteilen besteht. Diese „Kräutermischung“ entwickelte sich schnell zur Einsteigerdroge, mittlerweile falle „Spice“ unter das Betäubungsmittelgesetz.

Die sogenannten „Legal Highs“, so Huber, werden unter Hinweis auf eine angebliche Legalität vermarktet, kombiniert mit flippigen Verpackungen. Laut Huber sollen diese Kräutermischungen in ihrer Wirkung meist Cannabis imitieren. Eine exakte Beschreibung der Wirkungsweise sei aufgrund der vielen enthaltenen Stoffe nicht möglich. „Zudem werden durch gezielte Manipulation der chemischen Struktur kontinuierlich neue Substanzen auf den Markt gebracht.“

Höchstgefährlich sei „Crystal Speed“, das laut der Meinung von Experten die Region überflutet. Die Droge mache Menschen sofort abhängig und habe massive körperliche Folgen. Sie sei hinter der tschechischen Grenze leicht zu haben. Im Vortrag wurde Dr. Roland Härtel-Petri, Leitender Arzt des Bezirkskrankenhauses Oberfranken, erwähnt, der wegen der extremen Zunahme an immer jüngeren Crystal-Patienten in höchster Sorge sei. Nach Expertenschätzung werden in der Zwischenzeit 1200 Tonnen der Droge im Nachbarland pro Jahr produziert. Ein Gramm davon kostet um die 120 Euro.

Verstärkt treten in Ostbayern mittlerweile Fälle auf, in denen Frauen die „Vergewaltigungsdroge GHB“ – sogenanntes „Liquid Ecstasy“ – in das Getränk geschüttet wird. Wie der Hauptkommissar ausführte, würden die Opfer damit bewusstlos gemacht und anschließend missbraucht. Meist können sich die betroffenen Frauen später an nichts mehr erinnern. Da „GHB“ innerhalb weniger Stunden vom Körper abgebaut wird, sei ein strafrechtlicher Nachweis durch die Polizei relativ schwierig.

Martin Huber appellierte an seine jungen Zuhörer, sich seine Tipps zum Schutz vor unbewusstem Drogenkonsum zu Herzen zu nehmen. Beim Disco- oder Festbesuch sollte das eigene Trinkglas nie unbeobachtet sein, und man solle keine Getränke von Fremden annehmen. Bei plötzlicher Übelkeit sollte sofort Hilfe geholt werden. Der Drogenbeauftrage informierte noch über Hinweise, die einen Drogenkonsum erkennen lassen und sprach auch Hilfs- und Beratungsstellen an.

Von erschreckenden Fakten über den Drogenkonsum im ostbayerischen Grenzgebiet, wusste der Drogenbeauftragte der Bundespolizei Martin Huber (links) zu berichten. Schulleiter Werner Winderl dankte dem Fachmann für seine hilfreichen Informationen.
Strafrechtliche Folgen:

„Jeder Umgang mit illegalen Drogen ist nach dem Betäubungsmittelgesetz verboten und hat strafrechtliche Folgen“, führte EPHK Martin Huber an der Eisenbarth-Schule aus. „Es kommt in jedem Fall zu einer Anzeige durch die Polizei.“ Geldstrafen und Freiheitsstrafen können die Folge sein.

Auch das „Fahrerlaubnisrecht“ eines Marihuana-Konsumenten sei von dieser Regelung betroffen. „Schon der bloße Besitz von Rauschgift kann Zweifel an der Eignung zum Führen eines Kfz zur Folge haben", so der Bundespolizist. Die Polizei unterrichte grundsätzlich die zuständige Führerscheinstelle beim Vorliegen entsprechender Kenntnisse. Auch ohne Verkehrskontrolle könne die Fahrerlaubnis entzogen werden. Die Führerscheinstelle prüfe bei jedem Umgang mit Drogen, ob von dem Betroffenen eine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer ausgeht. "Solange der Führerscheinbewerber keine dauerhafte Drogenfreiheit nachweisen kann, wird kein Führerschein erteilt oder eine erworbene Fahrerlaubnis wieder entzogen“, so Hubers mahnende Worte. (akp)

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