28.10.2020 - 18:20 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Einzelhandel kommt bisher mit "blauem Auge" durch die Coronakrise

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Die Infektionszahlen steigen auch in Oberviechtach. Die Einzelhändler können aber aufatmen: Sie dürfen ihre Läden weiterhin öffnen. Das Wirtschaftsforum unterstützt mit einer Aktion im Dezember.

Weihnachtssterne so weit das Auge reicht: So wie die Gärtnerei Baumer setzen viele Oberviechtacher Ladenbesitzer auf einen starken Herbst, um das Minus vom Frühjahrs-Lockdown auszugleichen.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Einkaufen mit Maske, Abstand und Desinfektion. Daran haben sich die meisten Bürger mittlerweile gewöhnt. Nach den aktuell bedrohlich steigenden Infektionszahlen sind viele wieder verunsichert. Doch der Lockdown-Plan ab 2. November verschont den Einzelhandel: Die Läden dürfen neben Schulen und Kindergärten offen bleiben. Während Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder noch über neue Maßnahmen für den Monat November diskutierten, sprach Oberpfalz-Medien am Mittwoch mit einigen Gewerbetreibenden über das vergangene Halbjahr, über ihre aktuelle Situation und was sie sich vom Weihnachtsgeschäft erhoffen.

Die ersten Öffnungstage im Einzelhandel nach dem Lockdown im Frühjahr

Oberviechtach

Langer Einkaufssamstag geplant

"Wir sind zu 95 Prozent Baustoffhandel und hatten kein Problem mit dem Lockdown", sagt Michael Herzog vom gleichnamigen Baustoffhandel im Industriegebiet Ost. Nachdem die Handwerker und Baufirmen in der Coronakrise nicht pausierten, lief auch das Materialgeschäft weiter. "Wir leben von unseren gewerblichen Kunden", betont Herzog. Als Vorsitzender des Wirtschaftsforums Oberviechtach kennt er aber auch die Sorgen und Nöte der Mitglieder: "Etliche Geschäfte mussten zwei Monate zumachen und auf das Frühjahrsgeschäft verzichten. Da schaut es dann nicht so rosig aus." Herzog sieht es als bedrohlich an, dass seit dieser Zeit viele online bestellen. "Es ist die große Aufgabe nach Corona, dass wir die Leute wieder zum Einzelhandel bringen." Das Wirtschaftsforum hat dazu auch ein erstes Projekt festgezurrt: Den langen Christkindl-Einkaufssamstag am 5. Dezember mit Ladenöffnung bis 17 Uhr und Absperrung der Bahnhofstraße zur Fußgängerzone. Auch wenn der Markt mit Buden abgesagt ist, will man den Kunden unter dem Motto "Viel Platz zum Einkaufen" etwas bieten. "Natürlich mit Hygienekonzept", betont Herzog. Er hofft, dass die aktuelle Entwicklung das Vorhaben nicht kippt.

Es ist die große Aufgabe nach Corona, dass wir die Leute wieder zum Einzelhandel bringen.

Michael Herzog, Vorsitzender des Wirtschaftsforums Oberviechtach

Michael Herzog, Vorsitzender des Wirtschaftsforums Oberviechtach

Frühjahr war katastrophal

Besonders hart hat der Lockdown im März und April die Gärtnerei Baumer getroffen. "Das Frühjahr war katastrophal, das hätten wir nicht mehr länger durchgehalten", sagt Ulla Baumer im Gespräch mit der Redaktion. Der Lieferservice sei zwar gut angenommen worden, brachte das Personal aber an seine Kapazitätsgrenzen: "Für zehn Prozent Umsatz mussten wir den dreifachen Aufwand betreiben." Die Geschäftsfrau stellt aber auch klar: "Wir sind eine der wenigen Branchen, die sich nicht beschweren brauchen." Denn nach der Öffnung Ende April sei das Geschäft auf gutem Niveau gelaufen. Auch eine Umstellung zu Allerheiligen wurde von den Kunden angenommen: "Um den üblichen Abholtag zu entzerren, haben wir viele Grabgestecke zum Mitnehmen angeboten."

Der drohende zweite Lockdown verringerte die Bestellungen zusätzlich: "Etliche haben die Sorge, dass sie wie zu Ostern ohne Grabschmuck dastehen." Laut Ulla Baumer gebe es dafür aber keinen Anlass: "Wir haben so viel Platz und wären auch bei der diskutierten Vorgabe von 25 Quadratmeter pro Kunde nicht eingeschränkt." Die Gärtnerei hofft auf ein gutes Weihnachtsgeschäft, wozu neben den Christbäumen und der Deko auch Adventskränze gehören. "Damit ist viel Handarbeit und Personaleinsatz verbunden. Das wäre nicht gut, wenn wir darauf sitzen bleiben."

Max Mehler sieht die politische Diskussion ganz entspannt: "Wenn die 25 Quadratmeter pro Kunde kommen, ist das für uns kein Problem." Denn damit dürften sich im Modegeschäft in der Bahnhofstraße 20 Kunden gleichzeitig aufhalten. "Wir haben am Tag rund 40 Kunden im Laden", ergänzt der Unternehmer, der aber hofft, dass keine erneute Schließung kommt. Denn ab Juli habe sich alles wieder eingespielt und das Geschäft sei ziemlich normal gelaufen. "Es wird weiterhin geheiratet", sagt Mehler zur Sparte Anlass-Mode. Er richtet den Blick nach vorne: Der von Tochter Ann-Sophie im Lockdown aufgebaute Online-Shop hat viele Fans, demnächst soll es eine eigene Kunden-App geben. "Mode im Paket" nimmt er deshalb weiterhin ernst und auch der Lieferservice im Umkreis von 30 Kilometern bleibt bestehen. "Unser großer Vorteil ist, dass wir am Land sind", meint Max Mehler und berichtet von Kunden aus umliegenden Städten, die sich in Oberviechtach sicherer fühlen und zunehmend Termine mit Mitarbeitern ausmachen. Auch die seit dem Umbau vorhandene Lüftungsanlage sieht er als Vorteil: "Auf allen drei Etagen kommt den ganzen Tag Frischluft rein." Max Mehler hat noch ein großes Lob auch im Hinblick auf den geplanten Advents-Einkaufssamstag parat: "Es ist toll, dass der neue Bürgermeister so mitzieht!" Das Fotostudio Kraus gleich gegenüber hatte beim ersten Lockdown genug Arbeit. "Wir hatten keine Probleme und ausreichend Aufträge zur Fertigbearbeitung", erklärt Josi Kraus.

Mehr Bilder für Bewerbungen

Über den Sommer folgte dann ein massiver Umsatzeinbruch, nachdem Abschlussfeiern und Jubiläumsfeste wegbrachen und auch keine Gruppenfotos gefragt waren. "Wir machen uns Sorgen, dass die Leute jetzt zunehmend zurückhaltend sind. Die Innenstadt ist leer", führt Kraus an. Doch er sei zuversichtlich, dass Bild-Geschenke auch heuer das Weihnachtsgeschäft beleben. "Derzeit mehren sich Bewerbungsbilder. Anscheinend werden Leute entlassen, das stimmt schon nachdenklich", ergänzt Josi Kraus.

Hintergrund:

Die Läden bleiben offen

Die Beschlussvorlage des Bundes zum Treffen von Kanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten am 28. Oktober: Einzelhandelsgeschäfte sollen unter Auflagen zur Hygiene, zur Steuerung des Zutritts und zur Vermeidung von Warteschlangen insgesamt geöffnet bleiben. Dies wurde dann in etwa auch so festgezurrt. Der Einzelhandel bleibt geöffnet. Es gibt aber Vorschriften, wie viele Kunden gleichzeitig im Laden sein dürfen.

Mit Abstandsmarkierungen und Hygieneregeln sorgt Josi Kraus dafür, dass sich seine Kunden im Fotostudio wohlfühlen.

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