10.01.2021 - 11:54 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Von Eisenbarth bis zum Großbrand: Oberviechtacher sammelt alles über seine Heimat

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Pater Knellingers Predigten, eine Phonographen-Rolle mit dem Eisenbarth-Lied oder ein Siegel aus dem 16. Jahrhundert: Christian Schießl sammelt alles, was mit seiner Heimatstadt zu tun hat. Erfolgreich zapft er verschiedene Kanäle an.

Münzen, Bücher und allerhand Kurioses rund um die vier großen Söhne von Oberviechtach: Christian Schießl hat die Sammelleidenschaft gepackt. Auch Notgeldmarken mit dem Konterfei Eisenbarths sind im Ordner archiviert.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

„Ich hab mehr als das Stadtarchiv“, sagt Christian Schießl (38) stolz. Wenn er seine Schätze zu den Sammlungsschwerpunkten aufzählt, dann glaubt man ihm das auch. Schließlich bieten sich in Zeiten von Internet und Digitalisierung ganz andere Möglichkeiten, auf Suche zu gehen. Beim Besuch in der Redaktion von Oberpfalz-Medien hat der Informatiker eine ganze Schachtel mit Oberviechtacher Geschichte dabei.

Der berühmteste Sohn der Stadt, Johann Andreas Eisenbarth, geboren am 27. März 1663, ist in vielerlei Facetten durch mehrere Jahrhunderten hindurch, vertreten. Christian Schießl packt einen Eisenbarth-Nussknacker aus, dazu eine „Word-Roll printet in USA“ aus dem Jahr 1915 mit dem Eisenbarth-Lied. Dabei handelt es sich um eine gestanzte Notenrolle, welche als Medium für ein Piano oder eine Drehorgel verwendet wurde. Zehn Euro hat er dafür ausgegeben. Noch günstiger war eine Phonographen-Walze von 1905, ebenfalls mit dem Eisenbarth-Lied. „Ich weiß nicht wie es sich anhört“, bedauert Schießl. Was er aber weiß ist, wie er an all die Schätze rankommt: „Ich darf im Internet nicht nur nach Eisenbarth suchen, sondern auch nach Eisenbart und Eysenbart.“

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Oberviechtach

Aus der Krusch-Kiste

Das gilt auch für Oberviechtach, welches zum ersten Mal 1237 als „Viehta“ (später auch in den Schreibweisen Vichta, Vihtach, Viehtach, Vihtah, Viechtach) urkundlich erwähnt wurde. Ab 1488 tauchte dann „Obern Viechtach“ auf. Die meisten historischen Funde bezüglich seiner Heimatstadt hat Schießl aber, wenn er „Murach“ als Suchbegriff in den PC eingibt. Schließlich gehörte der Marktflecken jahrhundertelang zum Landgericht Murach im Kurfürstentum Bayern. Der ehrenamtliche Vorsitzende der Soldaten- und Kriegerkameradschaft wird manchmal auch bei Wohnungsauflösungen fündig. Besonders stolz ist er auf zwei historische Siegel aus 1508 und 1602 mit dem Ortswappen. Diese entdeckte er erst vor wenigen Jahren bei der Aufgabe eines alteingesessenen Oberviechtacher Geschäfts in einer Krusch-Kiste.

Christian Schießl interessierte sich schon als Bub für die Geschichte seiner Heimatstadt: „Ich hatte einen kleinen Ordner, in dem ich Zeitungsausschnitte, wie beispielsweise über die letzte Fahrt der Eisenbahn abheftete.“ Etwa ab 2010 packte ihn dann die Sammelleidenschaft so richtig und er durchsuchte das Internet nach allem, was mit Oberviechtach zusammenhängt. Dazu gehören auch die berühmten Söhne der Stadt, darunter der 1712 in Oberviechtach geborene Pater Georg Adam Zahlwein, der nicht nur Theologie sondern auch Kirchenrecht lehrte und Bücher darüber verfasste. Schießl holt vier gut erhaltene Bände Kirchenrecht aus der Schachtel. Etwas älter und abgegriffener ist ein Buch aus dem Jahr 1692, welches die Gedanken des Barockpredigers Pater Balthasar Knellinger, geboren 1634 in Oberviechtach, enthält. „Das wurde noch zu dessen Lebzeiten herausgegeben“, betont Schießl.

Auch wenn er mittlerweile einige wertvolle Stücke besitzt und schon etliche Euros investiert hat, stellt er fest: „Es geht nicht ums Geld, sondern um die Zeit des Suchens.“ Nachdem Google laufend alte Bücher und Schriftstücke digitalisiert, gibt es immer wieder überraschende Funde im Netz. So wie eine Original-Buchseite aus dem Jahr 1740 über Florian Sigmund Maximilian von Miller, der sich während seiner Zeit als Pfarrer von Oberviechtach im Oberpfälzer Bauernaufstand 1705/06 einen Namen machte. Die Seite zeigt auch ein Bild von der Verhaftung Millers in Cham. Aktuell „verfolgt“ Schießl bei einer Internet-Auktion einen Holzstich über Pfarrer von Miller, der bei etwa 400 Euro liegt: „Ich warte ab und beobachte weiter, bis ich weiß, ob der Stich das Geld wert ist.“ Einen Sammler zeichnet eben nicht nur Leidenschaft, sondern auch Geduld aus.

Unschlüssig ist Schießl ebenfalls noch, ob er eine Heiratsurkunde aus dem 18. Jahrhundert für 500 Euro kaufen soll. „Die ist aus Eigelsberg und ein absolutes Einzelstück.“ Stolzer Besitzer ist er von einer Originalausgabe der Zeitung „Die Bayerische Landbötin“ von 1847. Hierin wird der Großbrand in Oberviechtach, bei dem 50 Wohnungen und 46 Nebengebäude dem Feuer zum Opfer gefallen sind, genau beschrieben. Er hebt aber auch Erinnerungsstücke jüngeren Datums auf, wie beispielsweise von der Stadterhebung im Jahr 1952 oder einen Heimatfestkrug aus den 1980er-Jahren. „Ich würde gerne noch mehr über Oberviechtach finden“, sagt Schießl. Zum Thema Eisenbarth jedenfalls hat sich seine Sammlung schon gut gefüllt, denn der barocke Wanderarzt war in ganz Deutschland unterwegs, „und es gibt nichts, was es nicht gibt“. Schießl besitzt Notgeldmarken mit dem Eisenbarth-Konterfei aus Magdeburg und Hann. Münden, Postkarten und unterschiedliche Bilderbögen (etwa von 1860) sowie Flaschenetiketten. Vater Ludwig Schießl, Vorsitzender des Doktor-Eisenbarth-Arbeitskreises International freute sich riesig, als der Sohn bei einer Auktion die Verlags-Erstveröffentlichung des Eisenbarth-Liedes aus dem Jahr 1810 für 110 Euro ersteigerte. Das Interesse wurde früh geweckt. Denn 1990 war der damals achtjährige Christian schon beim Eisenbarth-Treffen dabei.

Darth Vader neben Eisenbarth

Auf die Frage: „Was wäre der absolute Volltreffer für die Sammlung?“, muss Schießl nicht lange überlegen: „Ein Flugblatt von Eisenbarth!“ Doch auch ohne dieses wächst der Bestand kontinuierlich an. So wie die Star-Wars-Kostümsammlung, die mittlerweile ein ganzes Zimmer im Haus füllt. Denn der Oberviechtacher interessiert sich nicht nur für die Vergangenheit. Er findet auch Science-Fiction-Helden wie Darth Vuer spannend.

Hintergrund:

Schwerpunkte der Sammlung

  • Stadtgeschichte: Historische Schriften und Gegenstände zu Oberviechtach.
  • Pater Balthasar Knellinger; geboren 1634 in Oberviechtach; bekannt geworden als Barockprediger.
  • Doktor Johann Andreas Eisenbarth; geboren 1663 in Oberviechtach; als Wanderarzt weitum berühmt.
  • Pfarrer Maximilian von Miller; ab 1691 Pfarrer von Oberviechtach; 1705/06 Anführer im Oberpfälzer Bauernaufstand.
  • Pater Georg Adam Zahlwein; Hochschulprofessor und Wissenschaftler; 1712 in Oberviechtach geboren.

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