16.04.2021 - 15:17 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Gähnende Leere an den Schießständen: Pandemie trifft die Schützenvereine im Gau Oberviechtach

Kein Knallen eines Luftgewehrs, Sportpistole und Vorderlader schweigen. Die Corona-Pandemie bremst den Schießsport in der Region Oberviechtach aus. Wir haben mit mehreren Schützenmeistern über die Situation in den Vereinen gesprochen.

Nichts los ist auf den Schießständen im Oberviechtacher Gau "Grenzland". Die Corona-Pandemie bremst das sportliche Geschehen und das gesellschaftliche Leben in den Schützenvereinen aus.
von Philipp Mardanow Kontakt Profil

Den Hobbyschützen in der Region hat die Pandemie einen Riegel vorgeschoben. "Der Schießbetrieb ruht seit Dezember", erläutert Manfred Muck, oberster Schützenmeister im Oberviechtacher Gau "Grenzland". Nicht die erste Zwangspause: Bereits ab dem vergangenen März hatte die Ausbreitung des Virus die Saison zum "Rohrkrepierer" werden lassen. So musste unter anderem der Seniorengaupokal abgebrochen werden und auch aus Gaumeisterschaft und Königsschießen wurde nichts. "Der Gaukönig und auch alle anderen Würdenträger aus 2019 sind daher bis auf weiteres im Amt", so Muck.

Hygienekonzepte und Abstandsregeln hatten dann ab Sommer das Comeback an den Schießständen erlaubt. "Die Schützen traten mit Maske an den Stand, durften diese zum Schießen abnehmen und mussten sie danach wieder aufsetzen", beschreibt Muck. Geschossen werden sollte mit dem eigenen Gewehr oder der eigenen Pistole. Leihwaffen waren nach der Benutzung zu desinfizieren.

Doch mit steigendem Infektionsgeschehen und einer daraus resultierenden Verschärfung der Kontaktbeschränkungen mussten in den Schützenheimen im Spätherbst wieder die Lichter ausgehen. "Unser letzter Wettbewerb war im Oktober das Kirwa-Schießen", berichtet Reinhold Wild, Schießsportleiter beim Schützenverein Schönsee. Auf dem sportlichen Sektor und auf geselliger Ebene "liegt momentan alles brach". Ein besorgter Blick gilt den Vereinsfinanzen: "Wir haben keine Einnahmen durch gar nix", verdeutlicht Wild. So sei mit der Absage des Seefestes im Vorjahr die üblicherweise größte Einnahmequelle für den Verein versiegt. Das Geld werde unter anderem für den Unterhalt des Schützenheims benötigt. Der Verein sei zwar schuldenfrei, "doch finanziell kommen wir langsam ans Ende", gibt Reinhold Wild zu verstehen.

Michael Fuchs, Schützenmeister beim Verein "Schlossfalke" Pertolzhofen, klagt, dass "wir momentan nur die Mitgliedsbeiträge als Einnahmen haben". Egal ob Preisschafkopf, Christbaumversteigerung oder Preisschießen – alles wurde zuletzt abgesagt. Fuchs ist aber auch mit der Problematik konfrontiert, dass die Pandemie die Arbeiten für die neue Schießanlage ausbremst. Das Projekt, bei dem im "Haus der Vereine" insgesamt neun Schießstände entstehen, wird in Eigenleistung gestemmt. Doch die geltenden Auflagen lassen die üblichen Arbeitseinsätze nicht zu. "Und eine Ansteckungsgefahr unter den Mitgliedern will ich als Schützenmeister nicht verantworten", gibt Fuchs zu verstehen.

Der Vorderlader- und Pistolenclub Thanstein verfügt bereits über neue Schießstände, kann aber aktuell nichts damit anfangen. Erst vergangenen Oktober waren diese in Betrieb genommen worden, doch wegen Corona ist die Zahl der dort bisher ausgetragenen Wettkämpfe überschaubar. "Seit Monaten ist keinerlei Betrieb im Schützenheim", verdeutlicht der Thansteiner Schützenmeister Ludwig Dirscherl. Weil es keine Arbeitseinsätze geben darf, könne für den Unterhalt des Vereinsheim "nur das Nötigste" getan werden. Im Winter habe Dirscherl lediglich nach der abgeschalteten Heizung geschaut und bei Bedarf den Holzofen geheizt. "Unseren Internetanschluss haben wir schon vor längerem gekündigt, um Kosten zu sparen."

Völlig offen ist, bis wann in den Schützenheimen wieder angelegt werden darf. Laut Gauschützenmeister Manfred Muck sei der Schießbetrieb laut der aktuellen Regelung erst wieder ab einem Inzidenzwert unter 50 erlaubt. Er glaubt, dass es eine Rückkehr zu einem normalen Schießbetrieb erst mit steigender Impfquote in der Bevölkerung geben wird. Diesbezüglich hegt Reinhold Wild allerdings die Befürchtung, "dass das noch eineinhalb Jahre dauern könnte".

Geteilter Meinung sind die Befragten darüber, wie sich die Einschränkungen auf das Schützenwesen vor Ort auswirken werden. Die Stimmung sei zwar weniger von Frust geprägt, "aber es schleicht sich doch eine gewisse Vereinsmüdigkeit ein", so der Eindruck von Gauschützenmeister Muck. Es werde in Zukunft bestimmt nicht leichter, bei Neuwahlen frei werdende Posten zu besetzen. Reinhold Wild befürchtet, dass die Leute für den Schießsport wieder neu begeistert und aus dem "Corona-Schlaf" geweckt werden müssen.

Und auch wenn weder Gau- noch Vereinsvertreter von verstärkten Mitgliederaustritten berichten – Ludwig Dirscherl glaubt, dass das nicht so bleiben wird. "Ich rechne damit, dass wir beim Schützennachwuchs ganz von vorne anfangen müssen." Denn gerade die Jugendarbeit sei wegen der Pandemie auf der Strecke geblieben. Dagegen erwartet sich Michael Fuchs, sollten die neuen Schießstände in Pertolzhofen fertig sein, neuen Schwung und zusätzliche Motivation. "Wir wollen neugierig auf unseren Verein machen."

Gauschützenmeister Manfred Muck glaubt, dass mit einer Öffnung der Schießstände auch wieder die Freude am Anlegen über Kimme und Korn zurückkehrt. "Es ist ja schließlich ein liebgewonnenes Hobby." Wenn es endlich wieder ausgeübt werden darf, "kann ich mir nicht vorstellen, dass weiterhin jemand freiwillig darauf verzichtet."

Gespräch mit einer Sportschützin und Apothekerin

Süß bei Hahnbach

"Die Stimmung ist zwar weniger von Frust geprägt, aber es schleicht sich doch eine gewisse Vereinsmüdigkeit ein."

Gauschützenmeister Manfred Muck

Gauschützenmeister Manfred Muck

"Wir werden die Leute aus dem Corona-Schlaf wecken müssen."

Reinhold Wild, Gausportleiter und Schießsportleiter beim Schützenverein Schönsee

Reinhold Wild, Gausportleiter und Schießsportleiter beim Schützenverein Schönsee

"Eine Ansteckungsgefahr unter den Mitgliedern will ich als Schützenmeister nicht verantworten."


Michael Fuchs, Schützenmeister bei den "Schlossfalken" Pertolzhofen

"Ich rechne damit, dass wir beim Schützennachwuchs ganz von vorne anfangen müssen."

Ludwig Dirscherl, Schützenmeister beim Vorderlader- und Pistolenclub Thanstein

Ludwig Dirscherl, Schützenmeister beim Vorderlader- und Pistolenclub Thanstein

Hintergrund:

Der Schützengau "Grenzland"

  • Dem Schützengau "Grenzland" gehören elf Vereine aus dem Landkreis Schwandorf an. Sein Gebiet erstreckt sich von Pirk (nordöstlich von Oberviechtach) bis Thanstein und von Pertolzhofen (westlich von Oberviechtach) bis an die deutsch-tschechische Grenze, östlich von Schönsee.
  • Angeschlossene Vereine: Schützengesellschaft Frauenstein Gaisthal, Murachtaler Schützen Niedermurach, Kreuzbergschützen Muschenried, Scharfschützen Oberviechtach, Bogenclub Oberviechtach, Schlossfalke Pertolzhofen, Schützengesellschaft Almenrausch Pirkhof, Schützengesellschaft Pullenried, Schützenverein 1893 Schönsee, Vorderlader- und Pistolenclub Thanstein, Schützenverein Einheit Weiding.
  • Gründung: Die Wurzeln von "Grenzland" reichen bis in die 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts zurück: Gegründet wurde der Gau am 23. März 1930. Nach dem Zweiten Weltkrieg fand am 1. Mai 1951 eine Wiedergründung unter gleichem Namen statt. Damals zählten 18 Vereine aus den ehemaligen Landkreisen Vohenstrauß und Oberviechtach zum Gau "Grenzland".
  • Schützenmeister: Manfred Muck aus Oberviechtach. Als Erster Gauschützenmeister ist er seit dem Jahr 2003 oberster Repräsentant des Schützengaus. (Quelle: www.schuetzengau-ovi.de)
Bis wann in den Schützenheimen wieder der Schießbetrieb starten kann, ist unklar.
Noch herrscht etwas Baustellen-Flair an den neuen Schießständen in Pertolzhofen. Die Pandemie verzögert den Fortgang der Arbeiten
Ein Blick in die neue Küche im "Haus der Vereine" in Pertolzhofen, in dem auch der Schützenverein "Schlossfalke" sein Domizil hat.

 

 

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