(slu) Neben dem Münchner Oktoberfest ist das Straubinger Gäubodenvolksfest eine der größten Veranstaltungen dieser Art in Bayern. Heuer findet es vom 10. bis zum 20. August statt. Zum Begleitprogramm zählte am Sonntag auch ein wissenschaftlicher Beitrag des Trachtenvereins "Immergrün" in der Joseph-von-Fraunhofer-Halle mit Dr. Ludwig Schießl und seiner Gattin Maria als Referenten.
Das Vortragsthema lautete: "Ist der Dialekt noch zeitgemäß? Eine Standortbestimmung". Nach den Grußworten der örtlichen Politikprominenz, u. a. Staatssekretär Josef Zellmeier, ging der Leiter des Oberviechtacher Dialektforums der Frage nach, inwieweit der Dialekt der heutigen Zeit entspricht und in welchem Maße er noch aktuell ist. Dabei spannte Ludwig Schießl den Bogen von der Sprachbarrierendiskussion der 1960er Jahre mit der Abwertung der Mundarten bis zur Regierungserklärung von Ministerpräsident Dr. Markus Söder mit der dezidierten Absicht, dem Dialekt in der Schule verstärkt Aufmerksamkeit zu schenken.
Der Referent gelangte zu dem Fazit, dass der Dialekt als lebendige Sprachvarietät des Deutschen aufgrund seiner Vorzüge sehr wohl zeitgemäß sei und in bestimmten Bereichen sogar eine gewisse Renaissance erfahre, dass man aber seinen Stellenwert nur dann bewahren könne, wenn man sich seines Wertes dauerhaft und nachhaltig gewahr sei, wenn man ihn in der Kommunikation gezielt einsetze, wenn man ihn in Form von vielfältigen Aktivitäten bewusst pflege und wenn man ihn damit an die nächsten Generationen weitergebe. Ansonsten bestehe die Gefahr des schleichenden Schwundes, an dessen Ende möglicherweise das Abgleiten in eine absolute Minderheiten- bzw. Nischensprache stehe.
Illustriert wurden diese mehr oder weniger theoretischen Aussagen mit einem streiflichtartigen Überblick von Fachoberlehrerin Maria Schießl über das Schülerprojekt, das sie im Schuljahr 2015/16 an der Staatlichen Realschule Neunburg vorm Wald im Rahmen von "MundART WERTvoll" des Wertebündnisses Bayern mit großem Erfolg veranstaltete. Der Titel lautete "Lebendige Mundart", und die Zielsetzung bestand in der lautlichen und wortschatzmäßigen Darstellung der Eigenheiten des Nordmittelbairischen und dessen lokalspezifischer Vielfalt in der Schulregion.
Abgerundet wurde die Veranstaltung mit der Vorführung von Ausschnitten aus einem Video über ein weiteres Schülerprojekt.














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