29.11.2019 - 11:18 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Geometrie der Weinberge als Inspiration

Ein Stipendium des Oberpfälzer Künstlerhauses führt die Malerin Katharina Gierlach aus Winklarn nach Frankreich. Neben dem Thema Wein begeistern sie noch andere Motive. Gleichzeitig ist es eine Reise zurück in ihre Schul- und Studienzeit.

Katharina Gierlach in ihrem Winklarner Atelier. Neben Blick in eine Baumkrone (rechts) wartet das Wiesenbild noch auf die Vollendung. Inspiriert wurde die Malerin hierzu nach einem Konzert im Oberviechtacher. Kulturzentrum in der Marktmühle.
von Georg LangProfil

Üppige glänzende Weintrauben hängen an den Reben und man möchte zugreifen und davon kosten. Wer in Versuchung gerät, würde aber bitter enttäuscht, denn was den Betrachter so verführerisch anlacht, sind pastos aufgetragene Ölfarben mit einer Stärke von zwei Zentimetern. Das reliefartige Bild der Künstlerin Katharina Gierlach mit dem Titel „Weintrauben“ hängt in Frankreich, wo es auch entstanden ist. Genauer gesagt ist das Gemälde mittlerweile im Besitz der Winzerin Monique Ardouin auf dem Château l´Epine/St. Emilion.

Normalerweise arbeitet Katharina Gierlach in ihren Ateliers in Köln und Winklarn, aber vor kurzem führte sie ein Arbeitsstipendium des Oberpfälzer Künstlerhauses Schwandorf für vier Wochen nach Pujols bei Libourne. Für die aus Winklarn stammende Malerin war dies kein fremdes Terrain, denn während ihrer Schulzeit am Ortenburg-Gymnasium hatte sie dreimal am Schüleraustauschprogramm mit der südwestfranzösischen Stadt teilgenommen. „Es war schön, nach den Erfahrungen in der Schulzeit wieder hierher zu kommen“, erzählt die Malerin, bei der ein frankophiler Zug unverkennbar ist. Während ihres Studiums der Freien Malerei und Kunsterziehung von 2004 bis 2010 hatte sie 2009 ein Semester in Aix-en-Provence absolviert.

Jetzt frischte sie während ihres Stipendiats die Kontakte zu ihren ehemaligen Studienkollegen in Frankreich wieder auf. Die Verbindung zum Oberpfälzer Künstlerhaus ist für sie als Malerin eine Bereicherung, zumal dem jetzigen Aufenthalt in Südwestfrankreich bereits nach Ende ihres Studiums 2012 eine Ausstellung im Künstlerhaus vorausging und 2016 ein sechswöchiges Stipendium im Virginia Center for the Creative Arts vermittelt wurde.

Saftig glänzende Weintrauben, ganz im Stil von Katharina Gierlach in pastosen Ölfarben gemalt. Das reliefartige Gemälde entstand während des Stipendiats in Pujols und hängt heute auf dem Chateau der Winzerin Monique Ardouin.

„Nouaison“ nennt sich das Künstlerhaus in Pujols, 25 Kilometer von Libourne entfernt. Das Dorf liegt mitten in den Weinbergen und wenn Katharina Gierlach aus dem Fenster ihres Ateliers schaute, dann konnte sie die Geometrie studieren, die die endlosen Rebstockreihen dieser Landschaft verleihen. Folglich bildete das Thema Wein ein Hauptmotiv ihres dortigen künstlerischen Schaffens, auch noch angeregt durch den Namen des Künstlerhauses: „Nouaison“ bedeutet „Entfaltung“ und „Reifung“ und kann sowohl auf die Künstler als auch auf die Fruchtbildung an den Weinstöcken bezogen werden.

Daneben bilden Sportmotive und speziell der Fußball bei Katharina Gierlach ein wesentliches Thema, unabhängig davon, wo sie sich aufhält. Stadionbilder des FC Girondins de Bordeaux gehörten da natürlich zum Programm, ebenso die Surfer auf der Dordogne, die je nach Pegelstand der Flut an einer Flussbiegung bei Izon das Wellenreiten ermöglicht. Die Surfer lassen sich dort etwa drei Kilometer auf dieser Welle tragen. Man darf nur nicht den richtigen Moment für den Surfbretteinsatz verpassen.

Zum Ende des Arbeitsstipendiats von Katharina Gierlach wurden die entstandenen Werke im Künstlerhaus Nouaison präsentiert. Dessen Leiter Jean Sallette begrüßte bei der Vernissage auch den Künstler Abdelkrim Shriri aus Bordeaux, der im Austausch für Katharina Gierlach für vier Wochen im Schwandorfer Künstlerhaus tätig war. Sein Genre sind Tuschezeichnungen und konzeptionelle Arbeiten. Nach der Rückkehr aus Frankreich kann sich Katharina Gierlach wieder ihren noch nicht abgeschlossenen Arbeiten im Winklarner Atelier widmen, wo eine „Wiese“ auf eine Vollendung wartet.

Die "Geometrie der Weinberge" fing Katharina Gierlach beim Blick aus ihrem Atelierfenster ein. Das Gemälde in der Mitte zeigt die Wellenreiter auf der Dordogne.
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