Oberviechtach
02.05.2019 - 19:35 Uhr

Helfer in der Pechsträhne

Die Familie Bronold hat eine unglaubliche Pechsträhne. Die Bäuerin, der Bauer und der Sohn (34) fallen nach Unfällen auf dem Hof gleichzeitig aus. Die 100 Kühe im Stall und die Kälber müssen aber versorgt werden.

Jungbauer Josef Bronold (rechts) ist froh über die Unterstützung im Stall. Betriebshelferin Melanie Meier (links) hilft regelmäßig beim Melken. Bild: Hirsch
Jungbauer Josef Bronold (rechts) ist froh über die Unterstützung im Stall. Betriebshelferin Melanie Meier (links) hilft regelmäßig beim Melken.

Zum Glück gehören Maria und Rudolf Bronold aus Nunzenried bei Oberviechtach seit 20 Jahren dem Maschinenring Schwandorf an. Die bäuerliche Selbsthilfeeinrichtung schickte sofort einen Betriebshelfer und eine Betriebshelferin auf den Bronold-Hof nach Nunzenried. Die beiden übernahmen die Arbeit im Stall und im Haus und sorgten dafür, dass es auf dem Milchvielbetrieb weiterging. Landwirt Rudolf Bronold und Sohn Josef sind mittlerweile genesen und können ihrer Arbeit auf dem Hof wieder nachgehen. Bei der Bäuerin dagegen zieht sich der Genesungsprozess hin. Maria Bronold ist froh, dass ihr Melanie Meier beim Kochen, Waschen, Putzen und Bügeln zur Hand geht. Die 21-jährige Betriebshelferin stammt aus einem Bauernhof in Pamsendorf und hat sich an der Berufsfachschule in Oberviechtach zur „Staatlich geprüften Assistentin für Ernährung und Versorgung“ ausbilden lassen. Bis sie den elterlichen Hof in Pamsendorf übernehmen kann, stellt die junge Dame ihre Arbeitskraft dem Maschinenring zur Verfügung. „Es ist ein Superjob“, lacht Melanie Meier. Sie ist in der Landwirtschaft groß geworden und weiß, „wo sie hinlangen muss“. Ob im Stall beim Füttern der Kühe, beim Melken oder auch im Haushalt. Als der Geschäftsführer des Maschinenrings, Christian Weiß, der Familie Bronold kürzlich einen Besuch abstattete, servierte sie ihm frisch gebackene Kücheln.

Der „Maschinen- und Betriebshilfsring Schwandorf e.V.“ ging im Jahre 1975 aus den beiden Ringen Cham-Roding und Neunburg v.W.-Oberviechtach-Waldmünchen hervor. Vorläufer war der 1962 gegründete „Raiffeisen-Maschinenring Fensterbachtal“. In der Folgezeit entstanden weitere „Maschinenkreise“, die sich 1970 zu größeren Einheiten und fünf Jahre später zum heutigen Dachverband zusammenschlossen, der den gesamten Landkreis Schwandorf abdeckt.

Bei der Gründung 1975 gehörten dem Maschinenring Schwandorf 323 Mitglieder an. Die Geschäftsstelle befand sich in Nittenau. 20 Jahre lang standen Vorsitzender Wolfgang Bauer aus Penting (Stadt Neunburg v.W.) und Geschäftsführer Josef Meier aus Nittenau an der Spitze. 1996 erfolgte der Umzug nach Schwandorf. Gerhard Dietl aus Fischerhof wurde Vorsitzender und Niels Häge Geschäftsführer. Seit 2001 ist Christian Weiß Geschäftsführer und seit 2002 Carl Graf zu Eltz aus Wolfring Vorsitzender.

Betriebshelferin Melanie Meier serviert der Bäuerin Maria Bronold (rechts) und Maschinenring-Geschäftsführer Christian Weiß (links) frisch gebackene Küchln. Bild: Hirsch
Betriebshelferin Melanie Meier serviert der Bäuerin Maria Bronold (rechts) und Maschinenring-Geschäftsführer Christian Weiß (links) frisch gebackene Küchln.
Selbsthilfe in der Landwirtschaft:

Der Selbsthilfeorganisation gehören mittlerweile 1900 Mitglieder mit einer landwirtschaftlichen Nutzfläche von 48 500 Hektar an. Die vier Mitarbeiter im Büro des Maschinenrings in der Grünwaldstraße 4 in Schwandorf koordinieren die Einsätze der aktuell 76 Betriebshelfer. Acht von ihnen sind fest beim Maschinenring angestellt, 13 haben sich selbständig gemacht und 55 arbeiten in der „klassischen Form“ auf Abruf. „Sie alle sind Fachkräfte, die in der Land- oder Hauswirtschaft ausgebildet sind“, erklärt Geschäftsführer Christian Weiß. Alle Helfer zusammen brachten es im vergangenen Jahr auf 53 000 Einsatzstunden mit einem Verrechnungswert von 7,75 Millionen Euro. Die Kosten für die Betriebshilfe im Krankheitsfall übernehmen die landwirtschaftlichen Sozialkassen. Der Maschinenring rechnet direkt mit den Krankenkassen ab und zahlt die Helfer aus. „Diese Art der Selbsthilfe gibt es nur in der Landwirtschaft“, betont Geschäftsführer Christian Weiß.

Die bäuerliche Selbsthilfeeinrichtung hat auch noch eine „gewerbliche Tochter“: die Maschinenring Ostbayern GmbH. Sie bietet Winterdienst, Grünflächenpflege, Forst-, Garten- und Hausmeisterarbeiten, Sammelbestellungen sowie Personal- und Maschinenvermittlung an. „Wir, der Verein und die GmbH, sehen uns als Dienstleister für den ländlichen Raum“, sagt Geschäftsführer Christian Weiß. Der Maschinenring besitze keine eigenen Maschinen, sondern setze Subunternehmen ein oder beauftrage die Mitgliedsbetriebe mit der Arbeit. „Sie können dadurch zusätzlich Geld verdienen“, so Weiß. Der Jahresumsatz der Maschinenring Ostbayern GmbH beträgt fünf Millionen Euro. Gesellschafter sind die Maschinenringe Cham, Jura, Regensburg und Schwandorf.

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