17.04.2019 - 16:57 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Hoffnung löst die Trauer ab

Der Tod macht vielen Menschen Angst. Seit 20 Jahren begleitet die Hospizinitiative der Caritas für den Landkreis Schwandorf Sterbende und deren Angehörige. Nicht nur das Jubiläum erfüllt mit Freude.

Koordinatorin Manuela Singer-Bartos (Zweite von rechts) und Zenta Ruml, die frühere Leiterin der Hospizinitiative der Caritas für den Landkreis Schwandorf, organisieren das Jubiläum zum 20-jährigen Bestehen. Stellvertretend für die 90 ehrenamtlichen Hospizbegleiterinnen stellten sich Rita Reiter (von links), Rita Köppl, Christa Dobmeier, Barbara Wirnshofer, Mathilde Wolf und Lisbeth Balk zum Pressefoto auf.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Abschied und Trauer miterleben sowie Hoffnung geben. Das trifft nicht nur auf die Karwoche, sondern auch auf die Arbeit der Hospizinitiative der Caritas für den Landkreis Schwandorf zu. Seit der Gründung im Jahr 1999 durch den damaligen Geschäftsführer Wilhelm Nees hat diese Einrichtung viel Gutes bewirkt. Aktuell nehmen sowohl Sterbe- als auch Trauerbegleitungen zu.

Zu Hause sterben

Viele Menschen, die den nahenden Tod spüren, möchten in der letzten Lebensphase im eigenen persönlichen Umfeld sein. Die ehrenamtlichen Hospizbegleiter stehen unabhängig von Konfession oder Pflegedienst zur Seite. Koordinatorin Birgit Wölker befindet sich seit längerem in Krankenstand. Deshalb organisiert Stellvertreterin Manuela Singer-Bartos zusammen mit einigen Helfern das Jubiläum. Dazu zählt auch Zenta Ruml, welche die Leitung der Hospizinitiative im Jahr 2003 von den beiden Sozialpädagoginnen Ingeborg Tijssen und Birgit Kramer übernommen hatte. Seit 2016 ist Ruml in Ruhestand, aber ehrenamtlich weiterhin aktiv dabei. So wie weitere 90 Hospizbegleiter, welche für ihre Einsätze nur ein Kilometergeld erhalten. Fast ausnahmslos sind es Frauen, die keineswegs zufällig bei der Hospizbewegung landen. Meist haben sie durch den Verlust eines lieben Angehörigen selber die Phasen der Trauer durchlebt. Oder auch erfahren dürfen, wie wichtig und aufbauend Gespräche sein können. Der Aufgabenbereich von Manuela Singer-Bartos ist die Beratung von schwerkranken, sterbenden und trauernden Menschen. Dazu gehört auch die Koordination der Ehrenamtlichen.

Hospiz sei die Grundlage der heutigen Palliativmedizin, der SAPV-Dienste (spezialisierte ambulante Palliativversorgung). „Die Mitarbeiterinnen der Sozialstation haben das schon immer gemacht“, sagt Zenta Ruml. Doch mit der Einführung der Pflegeversicherung im Jahr 1995 und der damit einhergehenden Leistungskomplexe habe man gemerkt, dass kein Platz mehr für die Sterbebegleitung ist. Und so sei die Hospizinitiative schließlich unter dem Dach der CSS Nittenau gegründet worden.

Christa Dobmeier war 1999 beim ersten Hospizhelferkurs dabei. Ein Erfolg: Alle 18 Teilnehmerinnen sind heute noch an Bord. „Tod und Trauer brechen plötzlich über einen herein. Wenn ich besser darauf vorbereitet gewesen wäre, hätte ich mich früher leichter getan“, erinnert sich Dobmeier zurück. Nicken in der Runde. Auch Rita Reiter ist engagiert dabei und hilft bei der Organisation des jährlichen Trauergottesdienstes oder bei der Aktion „Hospiz und Schule“.

Den letzten Kombikurs mit 120 Stunden Theorie und einer Woche Praxis gab es 2017/18. Die Teilnahme erfolgt meist aus persönlichen Gründen, wobei auch eine Gebühr zu zahlen ist. „Als wir fertig waren, wollten wir nicht mehr weg“, erinnert sich Mathilde Wolf. Die Gruppe trifft sich alle zwei Monate zum Austausch und auch zur Supervision. Daraus hat sich eine gute Gemeinschaft gebildet, die trägt und auffängt. Denn Weinen, Klagen und Trauern wie am Karfreitag, das müsse man aushalten können. Die Ehrenamtlichen sind darauf vorbereitet, in solchen Zeiten da zu sein. Den Verlust, die Schmerzen, die Trauer der Hinterbliebenen könne man nicht wegreden. Im Gegenteil, hier bedarf es ruhiger, einfühlsamer und anteilnehmender Zuhörer. „Ich könnte das nicht“, sagen viele im Bekanntenkreis.

„Es ist ein schönes Gefühl, gebraucht zu werden“, meint dagegen Zenta Ruml und Rita Köppl ergänzt: „Wenn man Angehörige trösten konnte, sind diese noch Jahre später dafür dankbar.“ Jede Begleitung laufe anders ab und wie Ruml betont: „Was ist, darf so sein.“ Manchmal müsse man sich mehr um die Familie kümmern als um den Kranken: „Dieser hat mit dem Leben abgeschlossen, die Hinterbliebenen aber nicht.“ Hospizbegleiter sind gefestigte Persönlichkeiten, die mit beiden Beinen im Leben stehen. „Man darf nicht in das Boot des Sterbenden steigen, sondern muss in seinem eigenen bleiben“, sagt Zenta Ruml. „Unsere Begleiter werden immer mit Ausnahmesituationen in den Familien und Todesfällen konfrontiert“, ergänzt Manuela Singer-Bartos. Da sei es wichtig, trotz aller Nähe die Distanz zu bewahren. Die hauptamtliche Mitarbeiterin berichtet von einem Mann, der das Krankenhaus verlassen und zu Hause sterben wollte. Nachdem dort weder Familie noch Verwandte warteten, übernahmen einige Hospizbegleiterinnen abwechselnd die zwei Tage und Nächte. Ganze Nächte durchwachen, das sei bei den Einsätzen gar nicht so selten.

Letzte Wünsche erfüllen

Die Ehrenamtlichen können oft mehr Kraft und Geduld als nahe Angehörige einbringen. Sie sprechen, erzählen, beten und singen mit dem Sterbenden, und erfüllen nach Möglichkeit auch letzte Wünsche. So wollte ein Patient noch einmal in den Wald. „Wir sind nach wie vor auf Spenden angewiesen“, betont Manuela Singer-Bartos. Denn der Fördertopf, der nach den gemeldeten abgeschlossenen Begleitungen einmal im Jahr Zuschüsse ausschüttet, reicht nicht aus. Und so bleibt die Übernahme der Kosten durch die Pflegeversicherung nach wie vor ein Wunschgedanke. Übrigens: Auch Kinderhospiz ist im Angebot und Hospizbegleiterinnen wie Lisbeth Balk besuchen Menschen in der letzten Lebensphase im Alten- und Pflegeheim. Die Frauen sind sich beim Pressegespräch einig: Die Beschäftigung mit Leiden, Sterben und Tod verändert den Blick auf die eigene Endlichkeit. Auch das ist Ostern.

Manuela Singer-Bartos koordiniert die Einsätze der ehrenamtlichen Hospizbegleiter im Landkreis und organisiert Weiterbildungen und Aktionen wie „Schule und Hospiz“.
Hospizinitiative der Caritas für den Landkreis Schwandorf:

Zwei Jahrzehnte im Einsatz

n Jubiläum am 6. Mai

„Überall wo wir sind“, heißt der bei der Berlinale 2018 ausgezeichnete Dokumentarfilm von Veronika Kaserer, der am Montag, 6. Mai, um 19 Uhr im Pfarrheim in Oberviechtach gezeigt wird. Dazu sind alle Interessierten eingeladen. Anschließend Diskussion mit den Hospizbegleiterinnen. Zum Inhalt: Heiko, 29, ein lebensfroher Tanzlehrer aus Berlin, kämpft seit Jahren mit einer tödlichen Krankheit. Als sich Familie und Freunde daran gewöhnt haben, dass Heiko allen Prognosen zum Trotz einfach immer weiterlebt, kommt er zum Sterben nach Hause. Aber auch jetzt geben Heiko und vor allem sein Vater die Hoffnung auf ein Wunder nicht auf. Es ist ein Film über das Leben, das Sterben und die Trauer. Die Handlung ist nah dran, berührend, humorvoll und authentisch.

n Benefizkonzert

Zum Jubiläum findet am Sonntag, 19. Mai, um 18 Uhr ein Mariensingen des Oberpfälzer Volksliedkreises in der Wallfahrtskirche in Katzdorf/Neunburg statt.

n Sprechstunde

Träger der Einrichtung ist die Caritas-Sozialstation Nittenau-Bruck. Bürozeiten sind Montag bis Freitag von 9 bis 14 Uhr (Telefon 09436/3009313). Jeden zweiten Donnerstag ist eine Sprechstunde in den Räumen der Caritas-Sozialstation Oberviechtach in der Nunzenrieder Straße 14 (ohne Anmeldung) angesetzt. Auch wer Interesse an einem Hospizhelferkurs (voraussichtlich wieder in 2020) hat, kann sich melden.

n Statistik

Im Jahr 2018 wurden 56 Begleitungen abgeschlossen; 30 sind über den Jahreswechsel weitergegangen. Aktuell können 90 ehrenamtliche Hospizbegleiter eingesetzt werden.

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