10.09.2018 - 17:22 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Mit Kampfgeist in die heiße Phase

Wenn andere sich sonntags erst aus den Federn wälzen, steckt CSU-Landtagskandidat Alexander Flierl schon mitten in Termin Nummer drei. Im Wahlkampf gibt es keine Feiertage, und manche Begegnung klappt besser ohne Sakko.

Alexander Flierl (links) mischt sich beim Inklusionsfest unter die "Schwandorf Tigers" mit Alex Harrieder, Tobias Weiß und Michael Gotz und riskiert auch mal einen Korbwurf.
von Monika Bugl Kontakt Profil

"Mobilisierungsphase" nennt der CSU-Politiker Alexander Flierl die letzten Tage vor der "heißen Phase", dem vierwöchigen Endspurt für die Bezirks- und Landtagswahl am 14. Oktober. Bis dahin gibt es bei ihm nur streng getaktete Tage, und das gilt auch für den Sonntag. Der 48-Jährige aus Oberviechtach hat sich einen frühen Gottesdienst in Pullenried ausgesucht, um rechtzeitig um 10 Uhr am anderen Ende des Landkreises in Brunn bei Nittenau mit dem Kreisvorstand zu konferieren - streng vertraulich. Dann geht es im Gasthaus "Zur Sonne" nahtlos weiter, denn die örtlichen Vorsitzenden der CSU sind eingetroffen und stehen schon wartend um den großen Lieferwagen mit CSU-Logo, der Plakate und Werbematerial transportiert.

Jetzt wird auch der Oberviechtacher Landtagskandidat, der seit fünf Jahren in dem bayerischen Gremium vertreten ist, seinem Abbild immer häufiger begegnen. "Ehrlich gesagt, es ist immer noch ein komisches Gefühl, wenn man sich selbst auf dem Plakat sieht", räumt er ein nach einem Blick auf die gestapelten Kartons mit den überdimensionalen Porträts. Ein kurzes Interview mit der Presse, und schon deutet der Leiter des Stimmkreis-Büros auf die Uhr. Es gilt den Zeitplan einzuhalten. Was da Platz hat, legt Büroleiter Reinhard Bergmann weitgehend selbstständig fest. "Wenn wir jeden Termin einzeln abklären würden, kämen wir gar nicht rum", erklärt er. Etwa eine Stunde bleibt, um schlaglichtartig vor den CSU-Kollegen Bilanz zu ziehen, von Baukindergeld über Bildung bis hin zu Behördenverlagerung, Pflege und Infrastruktur.

"Mindestens zwei Funklöcher" hat Flierl auf dem Weg nach Oberviechtach nach Brunn ausgemacht, denn die Zeit, in der er hinter dem Steuer sitzt, nutzt er zum Telefonieren - per Freisprechanlage natürlich. Sachlich, aber nicht ohne Leidenschaft schwört er die CSU-Anhänger auf einen gemeinsamen Kampf "bis zur letzten Minute" ein. Sie wüssten am besten, wie man die Menschen erreichen kann, ob mit Info-Stand oder Kaffeekränzchen. Es gehe darum, den Wahlkampf nicht vom Sofa aus zu betrachten, sondern die Arbeitshandschuhe anzuziehen, sagt er und überlässt das Feld dann den anderen Kandidaten.

"Keine Garantie"

"Die Karten werden alle fünf Jahre neu gemischt, es gibt keine Garantie", hat er im persönlichen Gespräch bekannt und eine Pause im Termindruck erst für den Tag nach der Wahl ausgemacht. Bis dahin ist alles spannend: "Wer da nicht aufgeregt ist, hat auch die Leidenschaft verloren."

Unter den Zuhörern ist an diesem Tag auch Flierls Frau Rita, stellvertretende Vorsitzende der Oberviechtacher Frauen-Union. Sie teilt seit 28 Jahren seine Leidenschaft für Politik und hadert nicht mit der Tatsache, dass der der Familien-Sonntag der Politik geopfert wird. "Ich wünsche ihm, dass sein Einsatz honoriert wird, weil er sich so mit Haut und Haaren engagiert", erzählt sie und freut sich auch mal über eine kleine halbstündige Auszeit für den Ehemann. Die gelernte Steuerfachgehilfin hält ihm den Rücken frei daheim, und sorgt dafür, dass er auch erfährt, wie bei den beiden Söhnen die Klassenarbeiten ausgefallen sind. Nach dem Mittagessen tritt sie allein die Heimfahrt an, denn Alexander Flierl hat noch mehr Termine.

Von Austausch begeistert

In Schwandorf warten Menschen mit Handicap auf ihn beim Inklusionstag auf dem Volksfestplatz. Zwei Wirte feiern dort ihr Jubiläum und haben den CSU-Abgeordneten als Schirmherrn gewonnen. Der marschiert nicht erst ins Festzelt, sondern schüttelt gleich Hände am Stand der "Schwandorf Tigers", einen Basketball-Team für Menschen mit geistiger Behinderung. "Das ist das schönste in meinem Beruf, wenn man sich mit anderen Menschen austauschen kann", hat er zuvor schon gegenüber Oberpfalz-Medien erklärt und von guten Gesprächen nach dem offiziellen Teil geschwärmt.

Und die Schattenseiten? "Eine leidige Pflicht gibt es eigentlich nicht", sagt Flierl. "Es gehört dazu, dass man keine Auseinandersetzung scheut, man ist ja auch beileibe nicht unfehlbar." Klar geht die Arbeitszeit gerade jetzt "deutlich über einen Acht-Stunden-Tag hinaus". Für den späten Nachmittag steht noch ein Siegerehrung im Terminkalender, statt Leerlauf wartet Arbeit im Stimmkreisbüro oder in der dicken Mappe, die Flierl am Abend mit nach Hause nehmen wird. Zeit für die Fitness bleibt da kaum, "höchstens mal eine halbe Stunde Spaziergehen mit dem Hund".

An diesem Sonntag muss der Kandidat allerdings ran an den Ball, ohne Aufwärmen und Training. Die "Schwandorf Tigers" legen vor. Flierl zieht sein Sakko aus, nimmt den orangeroten Basketball in die Hand - und schafft es tatsächlich, ihn im Korb zu versenken. Der Applaus von den "Tigers" ist ihm diesmal sicher.

Im Kreis der Kollegen begutachtet Alexander Flierl das Werbematerial für den Wahlkampf.

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