15.06.2020 - 16:42 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Kein Popcorn, dafür Maskenpflicht: Kinos machen da nicht mit

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Viele unserer Lieblings-Kino-Helden tragen Maske. Was bisher für Batman und Spiderman galt, gilt nun auch für Besucher. Die Kinos im Kreis Schwandorf dürften eigentlich wieder öffnen, wäre da nicht ein Haar in der Suppe: Die Hygiene-Regeln.

Karl und Maria Pösl stehen im leeren Saal ihres Lichtspielhauses in Oberviechtach. Weil Besucher nur mit Maske einen Film schauen könnten, hat sich das Paar entschieden, das Kino noch etwas länger geschlossen zu lassen, damit die Besucher zu einem späteren Zeitpunkt das Flimmern auf der Leinwand in vollen Zügen genießen können.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Auf den ersten Blick kling es nach einer freudigen Nachricht. Nach rund drei Monaten Zwangspause, leeren Sesseln und weißen Leinwänden können die Kinos in der Region in dieser Woche wieder öffnen. Was in der Theorie zwar gut klingt, scheint nicht unbedingt auch für die Praxis zu taugen. So jedenfalls sieht es Karl Pösl. Er ist der Inhaber des Oberviechtacher Lichtspielhauses. Prinzipiell wäre er zwar um jeden Tag dankbar, an dem das Kino wieder für die Filmfans offen wäre, er kritisiert aber die seit Samstag geltende Bestimmung, dass die Besucher auch während der Filmvorführung im Saal eine Maske tragen müssen. Was vormals nur für Batman auf der Kinoleinwand galt, gilt also künftig auch für die Besucher. "Das ist widersprüchlich", sagt er. Denn er bezweifelt, dass diese Vorgaben den Leuten wieder einen Kinobesuch schmackhaft machen würden. Kino ohne Popcorn, weil Maske vor dem Mund – das klingt nach einem berechtigten Einwand, um auf einen Besuch zu verzichten. Wann das Kino in Oberviechtach tatsächlich wieder aufmachen wird, ist daher noch nicht klar. "Es kommt drauf an, ob sich in den nächsten 14 Tagen noch was bewegt. Die Öffnung des Kinos hängt von den möglichen Lockerungen ab", sagt er.

Wegen den Abstandsregelungen würden in den großen Saal des Oberviechtacher Lichtspielhauses weniger als 50 Personen auf einmal passen. Zum Vergleich: Sonst bietet der Saal Platz für 140 Menschen. Für Kinobesucher gilt mindestens eineinhalb Meter Abstand zum Sitznachbarn, wobei aber Familien und Paare beieinander sitzen dürfen. "Rentieren würde sich das aber schon", räumt Pösl ein. Schließlich würden sich auch die "treuen Besucher des Kinos in Oberviechtach" darauf freuen.

Kinobetreiber fordern: Keine Maskenpflicht

Was der Kinobesitzer, der gleichzeitig auch ein Wirtshaus betreibt, aber nicht verstehen kann: Warum sollte im Kinosaal nicht auch gelten, was in der Gastronomie praktiziert wird. "Im Wirtshaus weisen wir den Leuten einen Platz zu", sagt er. Am Tisch kommt die Maske logischerweise ab. Damit auch ein Kinobesuch wieder Spaß machen kann, fordert Pösl: "Die Maskenpflicht im Saal gehört abgeschafft." Mit der Forderung ist der Oberviechtacher nicht allein. Im Raum München beispielsweise haben nach BR24-Informationen 20 Kinobetreiber in einem offenen Brief einen Appell an die Regierung gerichtet, demzufolge die Besucher nicht durch "unangemessene Maßnahmen" verunsichert werden dürften. Sie fordern zudem, dass die Besucher während des Films essen und trinken dürfen.

Kinobetreiber sind zudem verpflichtet, die Kontaktdaten der Besucher aufzunehmen, damit im Falle des Falles Infektionsketten nachvollzogen werden können, sollte sich im Nachhinein herausstellen, dass ein Besucher an dem Coronavirus erkrankt war. Pösl kennt die Prozedur schon aus dem Gastronomiebetrieb. "Bei einigermaßen akzeptablen Vorgaben wären wir natürlich bereit, das Kino sobald wie möglich wieder zu öffnen – auch mit der Vorgabe der Namensregistrierung", sagt er.

Neue Filme Mangelware

Auch was das neue Filmangebot angeht, sieht es bislang noch nicht so rosig aus. Wegen der Corona-Pandemie haben große Filmstudios die Kinostarts einiger Blockbuster entweder nach hinten verschoben, oder bieten die Filme gleich als Stream an. Auch der neue Eberhofer-Krimi "Kaiserschmarrndrama" kommt daher später, der unter normalen Bedingungen das Potenzial gehabt hätte, ordentlich Geld in die mittlerweile leeren Kino-Kassen zu spülen.

Wackersdorfer Autokino als Alternative

Auch in Schwandorf müssen sich zumindest die Freunde des klassischen Kinos noch ein wenig länger gedulden. Frederik Hohrath, der Geschäftsführer des Lichtwerks, erklärt, dass man sich gegen eine Öffnung entschieden habe, weil ein Besuch unter den derzeitigen Umständen nur wenig mit Kino-Genuss zu tun hätte. "Das wollen wir den Gästen nicht zumuten", sagt er. Wer ins Kino gehe, wolle abschalten und sich nicht Gedanken machen müssen, wer vor einem sitzt oder an einem vorbeigeht. Vor Mitte Juli glaubt Hohrath nicht, dass das Lichtwerk wieder öffnet. Er kritisiert, dass es in der Branche keinen einheitlichen Fahrplan gibt. "Da kocht jeder sein eigenes Süppchen." Er ist sich aber sicher, dass das Autokino in Wackersdorf in der momentanen Situation eine angenehme Lösung ist. Was das angeht, könnte er sich vielleicht sogar vorstellen, dass ein Autokino auch in einer Zeit nach Corona denkbar wäre. In Stein gemeißelt ist das aber noch nicht.

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Burglengenfeld wartet noch

Das Starmexx in Burglengenfeld wartet ebenfalls mit der Wiedereröffnung. Ab Donnerstag, 2. Juli, soll es wieder losgehen. Nach derzeitigem Stand könnten bei insgesamt 700 Sitzplätzen maximal 160 Personen auf einmal das Kino besuchen. Auf Anfrage von Oberpfalz-Medien teilten die Verantwortlichen mit, dass alle Vorgaben, die es bislang gebe, äußerst schwammig formuliert worden seien. "Wir hängen ein bisschen in der Luft", sagt ein Sprecher. Ob die Masken-Regelung auch Anfang Juli noch gelte, sei ebenfalls nicht klar.

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