11.01.2019 - 17:30 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Kleines Kino setzt auf Blockbuster

Auch die Kinobranche hat ihren Jahresauftakt: Die Filmwoche München im Mathäser Filmpalast vom 22. bis 25. Januar. Karl Pösl hat sich schon die Highlights vorgemerkt, welche er 2019 in seinen zwei Sälen am Marktplatz spielen möchte.

Maria und Karl Pösl locken die Cineasten der Region mit brandneuen Filmen nach Oberviechtach. Auch für 2019 haben sie schon eine kleine Vorauswahl für alle Generationen getroffen.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Das Kino Pösl ist seit 1964 eine Institution am Oberviechtacher Marktplatz. "Kino ist für mich ein Hobby und keine Arbeit", sagt Karl Pösl (70). Er kennt die Zeit, als Blockbuster noch Straßenfeger oder Kassenschlager hießen und die Filme auf großen Spulen angeliefert wurden. Doch Stillstand gibt es bei Maria und Karl Pösl nicht. 2012 haben sie die Technik auf digital umgestellt und schon vor 14 Jahren die zwei Kinosäle komplett saniert.

Schwierige Auswahl

„Diese Woche habe ich acht Filme im Programm“, bemerkt Pösl mit Stolz in der Stimme. Doch für kleinen Kinos sei es schwieriger als für die Multiplex-Filmpaläste, alle aktuellen Filme unterzubringen und dabei die Vorgaben zu erfüllen. „Ich werde vom Verleiher gezwungen, Filme mit Bundesstart drei Wochen lang zu allen Vorstellungen zu spielen. Und das mindestens dreimal am Tag“, erklärt der Kinobesitzer seine Bredouille und ergänzt: „Ich bin wie im Gefängnis.“ Wenn er für sein Publikum ein ausgewogenes Programm halten möchte, müsse er auf manche Bundesstarts verzichten. Dabei sei die Auswahl nicht immer einfach. So hätte er statt „Mary Poppins Rückkehr“ eher „Aquaman“ nehmen sollen, denn dieser laufe um einiges besser. Sehr zufrieden ist er mit den Zahlen für „Der Junge muss an die frische Luft“. Manchmal nimmt er einen Film ein zweites Mal auf, wie aktuell „Bohemian Rhapsody“.

Nur zweimal war Pösl bisher bei der Filmwoche im Mathäser Filmpalast dabei: „Das ist für uns als kleines Kino uninteressant. Denn nicht jeder Film geht überall.“ Verleiher wie Warner, Disney, Universum, Square One, Concorde, Sony, Constantin oder Paramount präsentieren in München ihre Highlights des neuen Jahres. Kurzbeschreibungen findet Pösl auch in den Fachmagazinen, wo er seine Favoriten mit einem roten Stift markiert. „Wir treffen die Auswahl danach, was für unser Publikum interessant ist“, sagt Maria Pösl. Auf die Fortsetzung einer Erfolgskomödie aus Niederbayern freut sich das Paar besonders: „Eine ganz heiße Nummer 2.0“ läuft am 17. Oktober an. Zur Premiere im Jahr 2011 war Regisseur Markus Goller auch in Oberviechtach zu Gast und unterhielt sich im großen Saal mit den 140 Gästen vor der 30 Quadratmeter großen Leinwand. Am besten lief in 2018 „Wackersdorf“, gefolgt von „Sauerkrautkoma“. Die Krimireihe um Dorfpolizist Franz Eberhofer wird ab 1. August 2019 mit „Leberkäsjunkie“ fortgesetzt. Auch die bundesweiten Best-of wie „Mission: Impossible 6“, „Mamma Mia – Here We Go Again“ und J.K.Rowlings „Phantastische Tierwesen 2: Grindelwalds Verbrechen“ liefen gut und interessant fanden viele „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“. „Es ist für mich die größte Motivation, dass die Leute von weither kommen und es schätzen, dass es uns als kleines Kino weiterhin gibt“, sagt Karl Pösl.

Für 2019 hat er schon eine kleine Hitliste zusammengestellt (Kasten). Mit dabei ist im Januar „Glass“, der dritte Teil der Trilogie, welcher nach „Unbreakable – Unzerbrechlich“ (2000) und „Split“ (2016), die Geschichte um Kevin Wendell Crumb und seine multiple Persönlichkeitsstörung fortführt. Gleich drei Walt-Disney-Zeichentrickfilme wurden modernisiert: Tim Burton adaptiert „Dumbo“, Guy Ritchie „Aladdin“ und Jon Favreau den „König der Löwen“. Fans freuen sich auf den Abschluss der „Star Wars“-Trilogie zu Weihnachten und auch auf „Jumanji Sequel“ ab 12. Dezember. Maria Pösl würde sich auch über „Fuck ju Göthe 4“ freuen. Doch das ist noch Zukunftsmusik und stattdessen wird Hauptdarsteller Elyas M’Barek ab 18. April im „Der Fall Collini“ auf der Leinwand seine nicht nur weiblichen Fans begeistern. Im Kino am Marktplatz laufen weiterhin überwiegend Unterhaltungs- und Familienfilme. Brutale Horrorfilme bleiben da schon mal außen vor. Besondere Streifen suchen sich zweimal im Jahr die „Freunde der Kunst“ aus und die gute Auswahl an Kinderfilmen lockt Schulen und Kindergärten aus drei Landkreisen an. Highlights waren für die jüngeren Besucher „Die kleine Hexe“ sowie „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“.

Wenn sich die lange Schlange an der Kasse aufgelöst hat, und mit Popcorn und kühlen Getränken versorgt in den komfortablen Sesseln verschwunden ist, dann lief beim Lederer Kare und seiner Maria wieder einmal alles „wie am Schnürchen!“

„Club der roten Bänder“ lief in 2018 hervorragend. In der Fachzeitschrift „Filmecho“ wird auf den Bundesstart am 14. Februar 2019 für Teil zwei mit dem Untertitel „Wie alles begann“ hingewiesen.

Das ist für uns als kleines Kino uninteressant. Denn nicht jeder Film geht überall.

Karl Pösl erklärt, warum er nicht zur Filmwoche München fährt

Karl Pösl streicht sich im Fachmagazin die Filme an, welche gut in sein Programm passen.

Bundesstarts 2019:

Neue Kinofilme

Eine kleine Auswahl an neuen Filmen im Jahr 2019, die sich Karl Pösl für die Cineasten der Region schon mal rot angestrichen hat: „Glass“ und „Immenhof – Das Abenteuer eines Sommers“ (Bundesstart 17. Januar); „Drachenzähmen leicht gemacht 3“ (7. Februar); „The Lego Movie Sequel“ und „Club der roten Bänder – Wie alles begann“ (14. Februar); „Wickie – Der Kinofilm“ und „Der Fall Collini“ (18. April); „Aladdin“ (23. Mai); „Der kleine Rabe Socke 3“ (6. Juni); „Pets 2“ (4. Juli); „Der König der Löwen“ (18. Juli); „Die drei !!!“ (25. Juli); „Benjamin Blümchen“ und „Leberkäsjunkie“ (1. August); „Angry Birds 2“ (15. August); Klassentreffen 2“ (26. September); „Toy Story 4“ (3. Oktober); „Eine ganz heiße Nummer 2.0“ (17. Oktober); „Jumanji Sequel“ (12. Dezember); „Star Wars IX“ (19. Dezember).

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.