24.05.2019 - 18:23 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Krach nicht nur am Schießstand

Was ist los bei den Scharfschützen? Zweiter Schützenmeister Günter Gilch hat eine außerordentlichen Mitgliederversammlung mit dem Punkt "Abberufung des Schützenmeisters und Neuwahl" einberufen. Die Versammlung ist nun abgesagt.

Hinter der Fassade des Oberviechtacher Schützenheims rumort es derzeit. 76 Mitglieder der Scharfschützen haben die Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung beantragt.

Als markante Punkte auf der Tagesordnung der außerordentlichen Versammlung wurden neben formalen Dingen festgesetzt: Offenlegung der Vereinsfinanzen, Verlesen des gerügten Beschlusses bezüglich Standverpachtung, Offenlegung des Pachtvertrages Kiener/Kiener, Abberufung des Schützenmeisters und des Schriftführers sowie Neuwahlen.

Schreiben an Mitglieder

Schützenmeister Albert Kiener sieht sich nun "aufgrund eklatanter Vorgänge in unserem Verein gezwungen", den Mitgliedern in einem über dreiseitigen Brief einige Informationen zukommen zu lassen. Detailliert geht er dabei zunächst auf das Thema "Schießstände" und "Standverpachtung" ein. Federführend durch den Schützenmeister und den Abwicklungsbeauftragten Martin Kiener seien seit Oktober 2012 die 50-Meter-Stände eingehaust worden. Wegen der Wohnbebauung eines gegenüberliegenden Grundstücks drohte wegen Lärmbelästigung eine komplette Schließung der Stände.

"Unsere geschickten Verhandlungen mit der Stadt Oberviechtach und dem Grundstückseigentümer ergaben, dass wir für diese Maßnahme 300 000 Euro zur Verfügung hatten, der Kostenvoranschlag hat sich auf 515 000 Euro belaufen", so Albert Kiener. In einer Vorstandssitzung am 24. Juli 2014 sei der Beschluss gefallen, die Einhausung vorzunehmen und darüber hinaus noch zusätzlich zwei 100-Meter-Stände zu bauen, die in der Kostenschätzung noch gar nicht enthalten waren. Fast sämtliche Eigenleistungen seien von den Brüdern Albert und Martin Kiener erbracht worden.

"Gewerbliche Vermietung"

Die Finanzierung habe wahre Klimmzüge erfordert, da nicht angedacht gewesen sei, bestehende Geldreserven des Vereins anzupacken. Deshalb habe man sich laut Schützenmeister Kiener entschlossen, auf die Möglichkeit der Optierung zur Umsatzsteuer zurückzugreifen. Dies habe eine Erstattung der Umsatzsteuer in Höhe von etwa 50 000 Euro ermöglicht. Bei einer Umsatzsteuersonderprüfung habe dass Finanzamt diesen Vorsteuerabzug im Nachhinein aber versagt.

Einen Rettungsanker sah man in einer "gewerblichen Vermietung" der 50- und 100-Meter-Stände, um zumindest etwa 45 000 Euro dieser Umsatzsteuer im Falle des erfolglosen Widerspruches zu retten. Wörtlich schreibt der Schützenmeister: "Der 1. Schützenmeister Albert Kiener erklärte sich zu dieser zehnjährigen gewerblichen Anmietung bereit. Dem Verein entsteht dadurch keinerlei Nachteil, sondern bringt den Vorteil von ca. 45 000 Euro für den Verein mit sich".

Aus Sicherheitsgründen

Weiterhin heißt es in dem Schreiben an die Mitglieder: "Obwohl bei den genehmigten und bestehenden Schießzeiten noch genügend Kapazitäten frei sind, hat eine kleine Gruppe zusammen mit dem 2. Schützenmeister Dr. Günter Gilch nicht genehmigte und gegen das Waffengesetz verstoßende Schießen angesetzt. In Erfüllung meiner Pflichten habe ich als 1. Schützenmeister diese Schießen wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz abgesagt und verhindert. Die 10-Meter- und die 25-Meter-Stände mussten aus sicherheitstechnischen Gründen bis zur bevorstehenden Mängelbeseitigung und Regelüberprüfung durch den beeidigten Sachverständigen vorübergehend geschlossen werden.

Daraufhin wurde vom 2. Schützenmeister Dr. Gilch eine Unterschriftenaktion durchgeführt, wobei verbreitet wurde, dass die Verpachtung ohne das Wissen der Vorstandschaft erfolgt sei. Dadurch wurde den Mitgliedern suggeriert, im Vereine gäbe es finanzielle Ungereimtheiten und Steuerbetrug. Er nutzt seine Stellung als 2. Schützenmeister dafür aus, den Mitgliedern zu suggerieren, dass der 1. Schützenmeister und der Schriftführer in korrupter Weise zusammenwirken würden, um dem Verein durch Verfolgung von Eigeninteressen zu schaden. Dr. Gilch war in der Vergangenheit in alle Belange des Vereins mit einbezogen und informiert. Er handelt hier nicht als außenstehender Beobachter, sondern als Vorstandsmitglied".

Dr. Gilch war in der Vergangenheit in alle Belange des Vereins mit einbezogen und informiert.

Erster Schützenmeister Albert Kiener

Erster Schützenmeister Albert Kiener

„Massiv vereinsschädigendes Verhalten“:

In dem Schreiben an die Mitglieder wirft Schützenmeister Albert Kiener seinem Stellvertreter Günter Gilch „massiv vereinsschädigendes Verhalten“ vor. Zum weiteren Vorgehen schreibt er: Die Außerordentliche Mitgliederversammlung im AWO-Mehrgenerationenhaus wird mit mehrheitlicher Zustimmung der Vorstandschaft abgesagt. Die Unterzeichner der Unterschriftenliste haben die Möglichkeit, ihre Unterschrift zu annullieren, falls Ihnen über den Anlass dieser außerordentlichen Mitgliederversammlung unwahre, bzw. nicht vollständige Angaben gemacht wurden. Eine entsprechende Liste liegt im Schützenheim auf. Der 2. Vorstand Dr. Günter Gilch wurde durch Vorstandbeschluss vom Verein ausgeschlossen. Die schriftliche Darlegung der Gründe ist erfolgt und kann eingesehen werden. (kö)

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