07.10.2018 - 15:17 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Leben im Mittelalter näher gebracht

Beim Museumsverein stellt Stefan Wolters ein authentisches Bild des Mittelalters dar. Das Publikum nimmt er auf eine faszinierende Zeitreise durch den Geschichtspark Bärnau mit.

Dr. Ludwig Schießl bedankte sich mit einem Eisenbarth-Elixier beim wissenschaftlichen Leiter des Bärnauer Geschichtsparks, Stefan Wolters.
von Georg LangProfil

Beim Museumsverein stellt Stefan Wolters ein authentisches Bild des Mittelalters dar. Das Publikum nimmt er auf eine faszinierende Zeitreise durch den Geschichtspark Bärnau mit.

Nicht nur die Betrachtung, sondern ein unmittelbares Erleben des Mittelalters bietet der Geschichtspark Bärnau-Tachov seinen Besuchern. Einen Eindruck von dieser rekonstruierten Welt bot die Präsentation von Stefan Wolters, der im Kulturzentrum in der Marktmühle die vielfältigen Angebote des Geschichtsparks vorstellte. "Man kann sich dieser Faszination nicht entziehen", lautete das Resümee von Ludwig Schießl, als er dem Referenten für den informativen und unterhaltsam präsentierten Vortrag dankte.

Bärnau, wo sich heute dieses archäologische Freilandmuseum auf einer Fläche von zehn Hektar erstreckt, war bis in die 1980er Jahre die bekannte "Knopfstadt". Jeder dritte Kleidungsknopf kam bis dahin aus dieser Stadt der nordöstlichen Oberpfalz, wusste der Archäologe Stefan Wolters zu berichten, für den auch Oberviechtach oder der Chamer Raum beruflicherseits nicht unbekannt sind. Die 1000 Jahre des Mittelalters von 500 bis 1500 stufte er als einen äußerst vielschichtigen und dynamischen Zeitraum ein. Im Frühmittelalter siedelten in der heutigen Oberpfalz Germanen und Slawen (Wenden) nebeneinander. Noch heute verraten Ortsnamen beispielsweise mit der Benennung "Windisch" den slawischen Ursprung.

Das gesamte Geschichtsparkprojekt, das 2010 mit einer EU-Anschubfinanzierung von 3,8 Mio. Euro begonnen wurde, ist grenzüberschreitend angelegt. 30 Gebäude sind heute in Bärnau rekonstruiert und handwerklich nach der mittelalterlichen Arbeitsweise errichtet. Das heißt zum Beispiel, dass Balken handbehauen sind, dass Bretter mit der Methode des Spaltens hergestellt wurden und dass das imposante Langhaus am Giebel nicht durch eiserne Gewindestangen stabilisiert ist. Mit beeindruckenden Bildern machte der Archäologe Stefan Wolters deutlich, wie aufwendig sich die mittelalterlichen Arbeitsweisen gestalten, die auch heute im Museum angewendet werden.

Dabei brach er aber auch eine Lanze für die Funktionalität der mittelalterlichen Gebäude, etwa des Grubenhauses, das mit einer Tiefe von einem Meter ein angenehmes Raumklima gewährleistet. Mit vielen weiteren Merkmalen der mittelalterlichen Lebensweise beeindruckte der Referent die Zuhörerschaft. So schätzten die Menschen, wenn sie es sich leisten konnten, farbige Kleidung. "Farbe war ein Zeichen des Reichtums."

Die bäuerliche Arbeit wurde vorgestellt, Ofenkonstruktionen, das Brotbacken, das im Freilandmuseum mit Schülern nachvollzogen wird, wie überhaupt Aktivitäten und der Event-Charakter eine große Rolle spielen, aber eben authentisch und "ohne Mummenschanz", wie er bei vielen mittelalterlichen Märkten Einzug gehalten hat, merkt Stefan Wolters kritisch an.

Im Mittelalter liegen die Wurzeln unserer heutigen Lebensweise.

Stefan Wolters, wissenschaftlicher Leiter des Geschichtsparks

Interessante Details über Bauweise und Funktion mittelalterlicher Gebäude stellte der Archäologe Stefan Wolters auf unterhaltsame Weise vor.
Projekt Archaeo Centrum Bayern-Böhmen:

Zu diesem Projekt gehört die Errichtung einer Reisestation Karls IV., wozu das an der Goldenen Straße gelegene Bärnau prädestiniert erscheint. Das gemeinsame deutsch-tschechische Kulturerbe wird hier erlebbar gemacht. Für diese Reisestation auf einem Gelände von 40 mal 30 Meter ist eine Bauzeit von 18 Jahren veranschlagt. Mauer, Torbau, Herberge des Kaiser, Gesindehaus und Kapelle sehen die Planungen vor. Die Universitäten Bamberg, Pilsen und Prag sind neben tschechischen Museen in dieses Projekt einbezogen. (lg)

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.