23.10.2020 - 15:31 Uhr
OberviechtachOberpfalz

"Leitidee" und "Wertekorridor": Runder Tisch mit großen Zielen für Oberviechtach

"Wer gefragt wird, kann auch mitgestalten." Mit dieser Divise haben Nina Stoppa und Marco Schmid in Oberviechtach eine neue Initiative gestartet: Mit einem Runden Tisch wollen die Stadträte eine Agenda für Bildung und Soziales anstoßen.

Marco Schmid und Nina Stoppa sind seit dem Frühjahr neu im Stadtrat und wollen viel bewegen: Mit dem frisch gestarteten Sozial- und Bildungsdialog wollen die jungen Politiker die Bürger aktiv miteinbeziehen und ein neues „Wir-Gefühl“ in Oberviechtach erzeugen.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Marco Schmid und Nina Stoppa sind dieses Jahr neu in den Oberviechtacher Stadtrat eingezogen - und haben neben viel Elan auch neue Ideen mitgebracht. Mit einem Runden Tisch wollen der PWG-Politiker und die JU-Vertreterin die Zusammenarbeit im Bereich Bildung und Soziales voranbringen. Die für 25. Oktober vorgesehene erste Zusammenkunft des Runden Tisches im AWO-Mehrgenerationenhaus mussten die Initiatoren wegen der sich weiter verschärfenden Coronasituation zwar auf unbestimmte Zeit verschieben, doch der angestrebte Dialogprozess aller Beteiligten soll weitergehen.

Zum Runden Tisch waren laut Schmid 30 Vertreter kommunaler Vereine, der Kindergärten und Schulen, der Rettungskräfte, Pflegedienste sowie engagierte und an der Thematik interessierte Einzelpersonen eingeladen. "Von 30 Angeschriebenen haben 20 fest zugesagt. Das zeigt, wir haben eine große Resonanz und das Interesse ist definitiv da", freut sich der 34-Jährige. Dem Inhaber des Oberviechtacher Markenbüros Schmid+Kreative geht es um die "Stimmung unter den Aktiven im Bildungs- und Sozialbereich: Wie ist die Zusammenarbeit der Vereine untereinander? Wie mit der Stadt? Welche Rolle soll die Stadt für die Vereine haben und wo muss nachgebessert werden?"

Fragebogen: Probleme offenbaren

Weil der persönliche Kontakt am Runden Tisch vorerst nicht möglich ist, haben sich Stoppa und Schmid etwas neues überlegt. Die jungen Räte sind im Ausschuss für Jugend, Kultur, Sport, Gesundheit und Soziales tätig und haben einen Fragebogen an die Teilnehmer des Runden Tisches verschickt. Damit soll der Ist-Zustand abgefragt und Bedarf zur Verbesserung ermittelt werden. "Es bringt uns ja nichts, wenn wir im Stadtrat kluge Ideen von uns geben, ohne zu wissen, was die Leute draußen in der Praxis wirklich interessiert", begründet Schmid.

Auch, ob sich durch die Pandemie die Interessen der Bildungs- und Sozialbranche in der Stadt verschoben haben und neue Probleme aufgetaucht sind, soll im Fokus stehen. Die Befragung läuft bis 15. November, dann wird ausgewertet. "Wir filtern aus den Antworten die wichtigsten Nöte der Menschen heraus und überprüfen, wie die Kooperation von Verbänden und Vereinen zusammen mit der Stadt in der Vergangenheit gelaufen ist", erklärt Stoppa. Zügiges Handeln ist der 22-Jährigen wichtig: "Die Anregungen der Menschen werden nicht in einer Schublade verschwinden, sondern möglichst schnell den Weg in die Stadtratsarbeit finden."

Zukunftsversion für Oberviechtach

Doch was ist das Ziel? Den Initiatoren geht es um die Entwicklung einer "Leitidee", von der die ganze Stadt profitieren kann. "Der Stadtrat und auch unser Bürgermeister setzen sich viel dafür ein, Oberviechtach als Marke zu etablieren. Es sollte aber nicht nur darum gehen, externe Touristen anzulocken, sondern die Attraktivität auch für Ansässige weiterzuentwickeln und neue Ideen einzubringen", erklärt Schmid.

Wir haben viel Politikverdrossenheit. Den Menschen deshalb aktiv zuzuhören ist anstrengend und langwierig, aber es lohnt sich.

PWG-Stadtrat Marco Schmid (34)

PWG-Stadtrat Marco Schmid (34)

Politikverdrossenheit bekämpfen

Konkret meint der 34-Jährige damit einen "Wertekorridor", an dem sich die Träger der Sozial- und Bildungsarbeit künftig orientieren sollen. Der Runde Tisch soll eine "Zukunftsversion für Oberviechtach" präsentieren. "Ob am Ende dann ein wertegebundenes Leitbild herauskommt oder doch nur eine Agenda, wird man in der Runde entscheiden müssen, wir wollen da nicht vorgreifen."

Die Frage ist, wie sehr ein solches, zunächst abstrakt klingendes Leitbild die Menschen tatsächlich interessiert, angenommen und im alltäglichen Handeln spürbar wird. Doch hier ist der selbstständige Unternehmer, der sich beruflich auch als "Markendenker" bezeichnet, zuversichtlich. "Es stimmt, wir haben im Moment sehr viel Politikverdrossenheit. Aber diesem Eindruck, dass sich eh nichts tut, daran möchten wir etwas ändern und uns auch daran messen lassen."

Genau hier setzt der Runde Tisch und die Befragung an: "Wir wollen die Bürger zum Mitmachen animieren und in einen Dialog kommen. Eine Handlung werden wir am Ende erst erreichen, wenn die Menschen sich mit dem Leitbild identifizieren." Schmid strebt ein "neues Wir-Gefühl in der Stadt" an. "Wir wollen den Menschen aktiv zuhören. Das ist anstrengend, aber es lohnt sich, denn so sehen die Leute, dass wir es ernst meinen und man als Bürger selbst etwas erreichen und verändern kann."

Altenpflege und Kinderbetreuung

Dies könnte laut Stoppa, die selbst als Erzieherin in Regensburg arbeitet, beispielsweise bedeuten, dass die Kindergärten in Oberviechtach ihre Kooperation untereinander verstärken. "Damit ließe sich auch in den Ferien eine fast durchgehende Betreuung gewährleisten, sodass es möglichst wenige Tage für Familien ohne Betreuung gibt." Auch das Oberviechtacher Seniorenheim und die Pflegedienste können sich untereinander austauschen. "In der Coronapandemie hat jeder seine eigenen Erfahrungen gesammelt, wie man am besten durch die Krise kommt. Davon können alle gegenseitig profitieren."

Den Runden Tisch unterstützt auch Bürgermeister Teplitzky

Gartenried bei Oberviechtach

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