Oberviechtach
28.04.2026 - 20:45 Uhr
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Mehr Fläche und mehr Soldaten: Die Kaserne Oberviechtach wächst

Jetzt steht fest: Die Grenzlandkaserne Oberviechtach profitiert vom Neuen Wehrdienst: Der Bau von zwei Unterkunftsgebäuden ist ab 2027 geplant. Dafür muss ein Wohnheim außerhalb des militärischen Sicherheitsbereiches weichen.

Die Grenzlandkaserne Oberviechtach wächst: Aktuell laufen Vorbereitungen für zwei Unterkunftsgebäude für den Neuen Wehrdienst. Dafür gibt es zwei Baufelder: Ein Standort ist im Kasernenareal, ein weiterer befindet sich aktuell noch außerhalb des militärischen Sicherheitsbereichs. Insgesamt sind in der Kaserne bis 2035 Investitionen in Höhe von 116 Millionen Euro geplant und damit weit mehr, als bisher kommuniziert.

Der sogenannte Neue Wehrdienst wurde ab dem 1. Januar 2026 in Deutschland eingeführt, um die Truppenstärke durch ein freiwilliges Modell mit verpflichtender Musterung zu erhöhen. Ziel ist es, bis Ende 2029 etwa 114.000 Wehrdienstleistende zu rekrutieren. In den Kasernen werden dafür bundesweit rund 250 neue Wohnheime gebaut. Ein Standort ist die Grenzlandkaserne in Oberviechtach. Hier laufen bereits konkrete Planungen.

Wie ein Sprecher des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien bestätigt, werden in Oberviechtach „zur Deckung des Bedarfs an Unterkünften durch den Neuen Wehrdienst zwei neue Unterkunfts- und Funktionsgebäude gebaut“. Die Vorbereitung der Baufelder wird noch in diesem Jahr starten, Baubeginn soll Mitte 2027 sein.

Abbruch Feldwebelwohnheim

Außerdem informiert das Bundesamt darüber, dass das ehemalige Feldwebelwohnheim südlich der Liegenschaft (in Richtung THW) kurzfristig wieder in die Grenzlandkaserne integriert wird. Allerdings wird das derzeit noch außerhalb der Kaserne liegende Bestandsgebäude nicht saniert, sondern abgerissen. Dort soll ab 2027 eine der beiden Unterkünfte für die neuen Rekruten entstehen. Dass dies relativ schnell möglich ist, liegt an dem im Jahr 2024 erlassenen Gesetz zur Förderung der Bundeswehr in Bayern: Der Freistaat hat damit die Bundeswehr-Bauten genehmigungsfrei gestellt.

Mit Blick auf die sogenannte Zeitenwende liegt auch beim Staatlichen Bauamt Amberg-Sulzbach der Fokus auf dem militärischen Bauen. „Den Projekten der Bundeswehr wird eine sehr hohe Priorität eingeräumt“, betonte Bauamtsleiter Tobias Bäumler gegenüber Oberpfalz-Medien Anfang April. Zur aktuellen Anfrage gab Norbert Schindler, Abteilungsleiter Elektrotechnik, telefonisch Auskunft. So sei das Bauamt aktuell mit der Baufeldvorbereitung und der Erschließungsplanung für die neuen Unterkunftsgebäude in der Grenzlandkaserne Oberviechtach beauftragt.

Wie er bestätigt, soll das Feldwebelwohnheim aus den 1960er Jahren schon in der zweiten Jahreshälfte 2026 abgerissen werden. Der Leerstand werde durch die Bundeswehr nicht mehr benötigt und sei im Weg, auch wenn der neue Baukörper etwas weiter nördlich in Richtung Wache entstehen werde. „Wir müssen das Wohnheim entfernen, weil wir sonst ein Abstandsflächenproblem haben“, erläutert Norbert Schindler. Offen sei derzeit allerdings noch, ob die neuen Unterkunftsgebäude in Oberviechtach mit Waffenlagerraum ausgeführt werden oder nicht. „Dementsprechend gestalten sich die Abstände.“ Auch zur Aufnahme des Areals in den militärischen Sicherheitsbereich habe sich das Staatliche Bauamt bereits Gedanken gemacht. „Das muss aber noch mit der Bundeswehr abgestimmt werden.“

„Es muss alles sehr schnell gehen. Wir haben ein sehr knappes Zeitkorsett“, betont der Abteilungsleiter am Bauamt. Wie er weiter ausführt, lässt die Bundeswehr die geplanten Unterkunftsgebäude für ganz Bayern von einem Totalunternehmer ausschreiben. Dem Unternehmer sei dabei freigestellt, in welchem Konstruktionsverfahren er diese erstelle. Wie Norbert Schindler anführt, erfolge die Ausführungsplanung durch den Unternehmer. Das Bauamt Amberg-Sulzbach sei dann bei der Teilabstimmung, also der örtlichen Anpassung, gefragt und übernehme auch die Qualitätssicherung für die Bundeswehr.

116 Millionen Euro bis 2035

Insgesamt sind in der Grenzlandkaserne in Oberviechtach bis 2035 Investitionen in Höhe von 116 Millionen Euro geplant, teilt das Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr außerdem mit. Damit hat sich die bisher genannte Investitionssumme von 76 Millionen Euro um mehr als die Hälfte erhöht. Die Investitionen verteilen sich auf unterschiedliche Bauprojekte: So ist ab Mitte 2027 nicht nur der Baubeginn für die zwei neuen Unterkunfts- und Funktionsgebäude für den Neuen Wehrdienst anvisiert, sondern parallel dazu der Neubau einer Sporthalle sowie einer Instandsetzungshalle der HIL-GmbH geplant. „Das Bauende und die Inbetriebnahme sollen zum Ende des Jahres 2029 erfolgen“, so ein Sprecher des Bundesamtes.

Außerdem wird es laut Mitteilung zwei weitere neue Unterkunftsgebäude und eine Fernmeldehalle geben. Ferner werden das Ver- und Entsorgungsnetz der Liegenschaft wie beispielsweise das Abwassersystem und das Stromnetz saniert. Darüber hinaus wird der Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Mobilität realisiert sowie die Sanierung und Anpassung des Sanitätsbereichs durchgeführt. „Dabei sind die Sanierungen beziehungsweise Neubauten teilweise voneinander abhängig und werden im laufenden Betrieb der Kaserne vollzogen.“

Die Informationen über den Bau von Unterkünften für den Neuen Wehrdienst in Oberviechtach liegen auch Jochen Schneider, Oberst a. D. und stellvertretender Vorsitzender des CSU-Ortsverbandes, vor. Er hat 2025 seine Ideen zur Stärkung des Standorts Oberviechtach in einem Positionspapier zusammengefasst und an Entscheidungsträger in München und Berlin weitergeleitet.

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