03.10.2021 - 17:12 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Mehrgenerationenhaus Oberviechtach: Mit Biergarten aus der finanziellen Durststrecke

Treffen, trainieren, feiern: Dafür steht das Mehrgenerationenhaus in Oberviechtach. Dann kommt der Lockdown. Die Einnahmen aus der Bewirtung brechen weg. Doch jetzt kann AWO-Chef Michael Welnhofer wieder ein Jahr durchatmen.

Das Oberviechtacher Mehrgenerationenhaus der AWO am Sandradl hat laufende Kosten. Der heuer aufgebaute Biergarten trug dazu bei, dass man finanziell über die Runden kommt.
von Elfriede WeißProfil

"Unser Mehrgenerationenhaus ist ein Leuchtturmprojekt", betont Michael Welnhofer, AWO-Vorsitzender und Präsident der Garde Grün-Weiß, nicht ohne Stolz. Er hat es geschafft, die in der Pandemie entstandenen Klippen so zu umschiffen, dass die wenigen Einnahmen aus der Bewirtschaftung nicht in eine finanzielle Schieflage mündeten. Ideen und Engagement waren gefragt.

Doch da ist die AWO gut aufgestellt. Die Pläne zum Bau des Mehrgenerationenhauses am Sandradl waren nicht unumstritten. Als Welnhofer 2014, damals bei der Stadt beschäftigt, in Erfahrung brachte, dass es für dieses Projekt Leader-Fördermittel geben könnte und das Jugendwerk der AWO in entsprechende Planungen einstieg, brauchte man einen langen Atem. Der damalige Bürgermeister Heinz Weigl äußerte „Bauchweh wegen des finanziellen Risikos“. Auch Stadträte sahen das 434 000 Euro teure Projekt kritisch. Schließlich gab es doch mit sieben Gegenstimmen „grünes Licht“ für den Bau. Die Stadt gewährte einen Zuschuss in Höhe von 71000 Euro, übernahm eine Bürgschaft für 50000 Euro und leistete kostenfrei die Herstellung des Wasser- und Kanalanschlusses auf dem städtischen Grund. Leader-Mittel in Höhe von 149 000 Euro standen Eigenmitteln von 40 000 Euro gegenüber. Der Rest wurde mit Darlehen finanziert. Der damalige langjährige AWO-Vorsitzende Wilfried Neuber organisierte unermüdlich Spenden für den Mehrgenerationentreff (MGT). "Wir haben 30 000 Euro gesammelt", erinnert sich Welnhofer.

Wilfried Neubers Einsatz

Am 12. Mai 2014 begannen die Baumaßnahmen, ab Oktober, nach Aufstellung der Holzständer, startete eine Welle der Eigenleistungen. 5000 Arbeitsstunden sprechen für sich und durch die Glücksspirale der Aktion Sorgenkind gab es Mittel für die Inneneinrichtung. "Ohne den Einsatz von Wilfried Neuber und der Ehrenamtlichen wäre das Werk sicher nicht zu realisieren gewesen", ist sich Michael Welnhofer, Präsident der in der AWO angesiedelten Garde Grün-Weiß, sicher.

Ob Tanztraining, Akrobatik, VHS-Aktionen, Seniorengymnastik, Yoga und Thai-Chi, Krabbelgruppe oder Vereinsversammlung – das Mehrgenerationenhaus wurde zum vielseitigen Anlaufpunkt. Inzwischen öffnete nach der Corona-Pause auch wieder das Ü50 Cafe – aus Hygienegründen im von der LAG gesponserten Pavillon.

Der Name Welnhofer ist seit Jahren eng mit dem MGT verbunden. Mike Welnhofer sorgt täglich dafür, dass das Haus vom Fußboden bis zu den Fenstern sauber ist. Er managt alle Termine und sorgt für Nachschub bei den Getränken. Er kann auf seine Töchter Stella, Laura, Simone und Sohn Nikolai zählen.

Bewirtschaftung im Freien

Und nicht nur auf sie: Die AWO hat 141 Mitglieder, die Tanzgruppe 114 plus Eltern. Bei den vielen Kindern und Jugendlichen ist naturgemäß die Fluktuation groß, doch immer finden sich Helfer für Welnhofers Aktionen. Um wieder Einnahmen zu generieren, baute er heuer kurzerhand einen Biergarten auf. Ein Caterer, der zudem Mitglied ist, sorgte zu guten Konditionen für Schweine- und Sauerbraten. Zusammen mit den Töchtern und vielen Ehrenamtlichen der Garde betrieb Welnhofer den Biergarten, servierte das vorbestellte Essen am Sonntagmittag, schenkte Kaffee aus, verteilte Kuchen und grillte Steaks. Sehr zugute kam dem Mehrgenerationenhaus auch das "Sommervergnügen" der Schaustellerfamilie Nübler.

Welnhofer hat noch viele Ideen: Bastel- und Spielenachmittage für Senioren, Familienfeiern. Das AWO-Mehrgenerationenhaus ist inzwischen zum Vorzeigemodell für Vorhaben in der Region geworden. Gerne teilt der 62-Jährige sein Knowhow. Und er ist nie um Ideen verlegen. Gerade hat er erst nachgefragt, ob die AWO beim "Heimatradeln" am nächsten Wochenende am Marktplatz Kuchen verkaufen darf. "Das läppert sich auch wieder. Und unsere Bürger sind mit dem Trinkgeld nicht kleinlich, wenn sie wissen, was hinter der Aktion steht."

Bilanz zum fünfjährigen Bestehen

Oberviechtach
Der neu gestaltete Biergarten fand im Sommer großen Anklang.

"Unser Mehrgenerationenhaus ist ein Leuchtturmprojekt"

Michael Welnhofer

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