Doppelstockbetten in der Sechs-Mann-Stube haben ausgedient. Die Bundeswehr setzt jetzt auf Privatsphäre für ihre kasernenpflichtigen Soldaten (bis 25. Lebensjahr). Denn moderne, attraktive Zimmer mit viel Stauraum sollen die Attraktivität des Arbeitgebers Bundeswehr steigern. Die Grenzlandkaserne Oberviechtach (Sollstärke 700 Soldaten) muss für 280 Panzergrenadiere eine Unterkunft stellen. Auch ältere Soldaten und zivile Mitarbeiter können auf Antrag in der Kaserne wohnen.
Abweichend von der Sollstärke liegt die tatsächliche Zahl derzeit bei rund 550 Soldaten. Aktuell anwesend ist allerdings nur die Hälfte: Der Kommandeur des Panzergrenadierbataillons 122, Oberstleutnant Ralf Georgi, ist derzeit mit einem Teil des Bataillons bei der Ausbildung von ukrainischen Streitkräften am Übungsplatz Lehnin (Landkreis Potsdam) eingesetzt. Am Standort zu Hause laufen „unverändert und planmäßig Ausbildung und Infrastrukturmaßnahmen weiter“, wie der Stellvertreter, Oberstleutnant Michael Zweers, im Gespräch mit Oberpfalz-Medien berichtet. Bei einem Rundgang fallen dann auch Neubauten, Rodungen und Erdhügel auf. Rund 104 Millionen Euro stellt der Bund für die Infrastrukturmaßnahmen in Oberviechtach zur Verfügung. Diese Ausgaben sind schon länger geplant und nicht Teil des 100-Milliarden-Sondervermögens der Bundeswehr.
63 Einzelzimmer fertig
Das Konzept sieht eine klare Trennung von Funktions- und Unterkunftsgebäuden vor. Wir schauen uns zunächst einen sanierten Wohngebäudekomplex an. An der Fassade fallen die elektrisch gesteuerten Sonnenschutz-Rollos und der Pavillon mit Fahrradkeller auf. Auf jeder der drei Etagen gibt es eine großzügige Teeküche. Die 63 Einzelzimmer sind seit einem Jahr fertig und im Altbau auch teilweise größer als die Norm mit 13,5 Quadratmeter. Neben den Türen hängen Namensschilder; Männer und Frauen wohnen Zimmer an Zimmer. Allerdings sind die Soldatinnen noch deutlich in der Minderheit.
„Die neuen Stuben haben Hotelstandard“, betont Oberstleutnant Zweers und weist auf die modular konzipierte Möbelserie 2000 im warmen Buche-Dekor hin. Das ist zwar nicht das Neueste was die Bundeswehr zu bieten hat, doch es gibt ein Sideboard, einen funktionalen Schreibtisch, Kühlschrank und TV-Gerät sowie dimmbare LED-Lampen, etliche Steckdosen und Wlan. Die neuere Design-Ausstattung (Serie 2020) ist bereits in der Nordgaukaserne Cham vorhanden und soll künftig auch in Oberviechtach zum Zug kommen.
Wir betreten ein bewohntes Zimmer. Ins Auge fällt die große Schrankwand: Ausgeh- und Kampfuniform werden extra aufbewahrt. Ein Soldat, der wöchentlich aus Erfurt einpendelt, öffnet die Schranktüren. Noch ist viel Platz. Bis Ende 2025 sollen aber alle aktiven Soldaten der Bundeswehr eine neue persönliche Ausrüstung und Bekleidung erhalten, samt modularem Rucksacksystem. Die Teile werden je nach Situation anpassbar sein, um für jeden Einsatz – vom Truppenübungsplatz bis zum Auslandseinsatz – gerüstet zu sein. Da ist Ordnung wichtig. Deshalb gibt es nach wie vor auch im Einzelzimmer die Stubenkontrolle durch den Spieß. „Sporadisch“, wie der stellvertretende Bataillonskommandeur mit Blick auf die perfekt eingeräumte Wäsche bemerkt. Übrigens: Jedes Zimmer hat eine eigene Nasszelle mit Toilette und Dusche.
Die Sanierung des Gebäudes hat rund 3,32 Millionen Euro (ohne Einrichtung) gekostet. Bereits in Planung sind zwei neue Unterkunftsgebäude. Eines als Neubau auf freier Fläche (75 Einzelzimmer, Bauzeit Ende 2025 bis Mitte 2028) und ein weiteres als Ersatzbau mit vier statt bisher drei Etagen und 100 Einzelzimmern (Bezug geplant ab Mitte 2026). Dieses grenzt an die künftige Sporthalle an, für welche die Fläche bereits gerodet ist. Wie Oberstleutnant Zweers bemerkt, liegen Fitness und die körperliche Leistungsfähigkeit der Soldaten heute stärker im Fokus als früher. Deren Wichtigkeit sei bei den Auslandseinsätzen deutlich geworden. Und so soll die Halle mit Geräten nach neuesten Standards bestückt werden.
E-Mobilität und Parkhaus
Auch der Sanitätsbereich wird umstrukturiert. Arzt und Zahnarzt unterstehen der Oberpfalz-Kaserne Pfreimd, aber Oberviechtach bekommt ein eigenes Sanitäts-Versorgungszentrum mit einem Ausbildungszug. „Die Stärke wird von 12 auf 70 Personen hochgefahren“, bekräftigt Oberstleutnant Michael Zweers. Neu ist auch die Schaffung einer E-Lade-Infrastruktur (ab 2025) für Dienst- und Privatfahrzeuge. Aufgrund der großen Pendlerthematik ist ein Parkhaus angedacht. „Es gibt Verdrängungseffekte für Parkflächen, wir müssen in die Höhe“, erklärt Ines Menay vom Kompetenzzentrum Baumanagement München, die ebenso wie Pressesprecher Klaus Sasse vom Bonner Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr den Rundgang übers Kasernengelände begleiteten.
Mit dabei war auch Objektmanager Hans Gottmeier vom Bundeswehrdienstleistungszentrum Amberg (BWDLZ). Sein Team für den Betrieb der Liegenschaften erhält am Standort eine weitere Fläche dazu. Denn die zwei Stabsgebäude werden auf ein Haus zusammengeführt - an prominenter Stelle gleich nach der Kaserneneinfahrt. Außerdem wird die Haupteinfahrt „Puma-tauglich“ ausgebaut und neuen militärischen Sicherheitsanforderungen angepasst. Priorität bei den Infrastrukturmaßnahmen haben allerdings Flächen für den Puma: Die 44 neuen Schützenpanzer sollen bis Ende des Jahres am Hof stehen.

























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