31.10.2018 - 18:54 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Mundartforscher im Duett

Sie sind zwar befreundet, doch einen Vortrag im Duett haben sie bisher noch nicht bestritten. Ludwig Schießl aus Oberviechtach und Meinhard Köstler aus Neualbenreuth betreten Neuland und präsentieren eine liebenswerte Mundart.

Dr. Ludwig Schießl (links) und Meinhard Köstler unternahmen einen Streifzug durch „Alwareiterisch”, eine liebenswerte Mundart.
von Autor SLUProfil

Die beiden Referenten widmeten sich im "Sibyllenbad-Forum" vor zahlreichen Zuhörern dem Thema "Die Mundart von Neualbenreuth innerhalb der bayerischen Dialektlandschaften". Entstanden war die Idee eines gemeinsamen Vortrags im Laufe der Bekanntschaft der beiden ehemaligen Pädagogen, die sich im Sibyllenbad ergeben hatte. In seiner Funktion als Leiter des Oberviechtacher Dialektforums ist Ludwig Schießl als Vortragsredner in ganz Bayern und darüber hinaus unterwegs. Ihm liegen der nordbairische Dialekt und die Dialektpflege allgemein am Herzen. Rektor a. D. Meinhard Köstler hat sich seit vielen Jahren mit großer Intensität der Heimatforschung verschrieben, wozu natürlich auch der Dialekt zählt.

Somit lag es nahe, dass sich die beiden ihrem Vortagsthema gemeinsam annäherten - der eine mehr von der theoretischen, der anderen mehr von der praktischen Warte. Heraus kam ein kurzweiliger Abend, bei dem sich Schießl und Köstler entlang eines inhaltlichen roten Fadens gegenseitig die "Bälle zuspielten" und damit sowohl für Information als auch für Unterhaltung sorgten.

Ihr Vortrag ging von der Zielsetzung aus, einerseits die Mundart von Neualbenreuth zu charakterisieren und in die dialektale bayerische Gesamtsituation einzuordnen sowie andererseits die Zuhörer für diese Dialektausprägung und ihre Eigenheiten zu sensibilisieren. Dabei deckten die Referenten mit umfangreichem und einprägsamem Bild- und Kartenmaterial die Bereiche Dialektgeographie, Lautung und Wortschatz ab und unternahmen den Versuch, die dargestellte Mundart in einen Bezug zur Historie der Region zu setzen.

Als Quintessenz des typischen Klangs des im äußersten Norden der Oberpfalz gesprochenen Idioms zitierte Dr. Ludwig Schießl den Satz "Am Buan druam henkt ã Huasn varan Mõa, dej haoud ã Luach", während Meinhard Köstler aus seinem reichen Fundus eine Fülle ausgefallener Wörter eingehend erläuterte und dabei die Zuhörer mit einbezog.

Hintergrund:

Bei der in Neualbenreuth gesprochenen Mundart handelt es sich um das eigentliche Nordbairische. Dessen Hauptmerkmale sind die so genannten gestürzten Diphthonge „ej” (Beispiel: Brejf/Brief) und „ou” (Beispiel: Brouder/Bruder). Daneben tauchen eine Reihe weiterer charakteristischer Lautmerkmale auf, die in dieser Form weiter südlich davon, wie etwa in Oberviechtach, nicht existieren. Die markantesten sind „ia” (Beispiel: Kian/Kette) und „ua” (Beispiel: Luach/Loch). Eine Besonderheit von Neualbenreuth, die man nur in einem relativ kleinen geographischen Bereich vorfindet, ist der nasale Zwielaut „õa” (Beispiel: Mõa /Mann). Auch in Bezug auf den Wortschatz ergeben sich viele lokale bzw. regionale Eigenheiten. Während z.B. die Wörter „Glumpsn” (Spalt in einem Holzbrett) und Hackahàl (Axtstiel) sowohl in Neualbenreuth als auch in Oberviechtach bekannt sind, sind die folgenden Ausdrücke auf ein bestimmtes Gebiet im Norden der Oberpfalz beschränkt: Roiweaman (Randbaum), Gsäia (nasser Wiesenboden), Hiablon (Hebevorrichtung, für schwere Baumstämme), Birl (Federbettzudecke, flacher Dachboden).

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