28.06.2020 - 14:29 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Als an der Murach noch die Eisenhämmer pochten

Im "Ruhrgebiet des Mittelalters", wie die Oberpfalz einst genannt wurde, markierten sie den Herzschlag: das Pochen vieler Eisenhämmer an Flüssen und Bachläufen. Eine Spurensuche führt zurück in die Zeit des ersten Wirtschaftsaufschwungs.

Eine Ausstellung bei der Hammerschänke in Lukahammer bei Oberviechtach gibt Einblick in die Eisenverarbeitung im Mittelalter.
von Alois KöpplProfil

Der Blick in die Vergangenheit geht mehrere Jahrhundert zurück und fördert fast Vergessenes zutage. Nur mehr wenige wissen heute, dass es einst die Ortschaften Ober-, Mitter- und Unterteunz gab. Dagegen ist Lukahammer (Stadt Oberviechtach) durch das Gasthaus „Hammerschänke“ ein Begriff, und Kaltenthal bei Trausnitz mit seiner markanten Brücke dürfte vom Durchfahren bekannt sein. Alle diese Orte haben eine bedeutsame historische Gemeinsamkeit, die heute fast in Vergessenheit geraten ist.

Stumme Zeugen einer Blütezeit

Seit dem Mittelalter spielten die Eisenhämmer in der Oberpfalz bei der Produktion von Werkzeugen eine besondere Rolle. Die Region, bis zum Beginn des Dreißigjährigen Krieges als das „Ruhrgebiet des Mittelalters“ bezeichnet, ist durchzogen von einer Vielzahl an Bachläufen und größeren Fließgewässern wie Naab, Pfreimd, Schwarzach, Ascha oder Murach. An ihren Ufern finden sich heute noch Überbleibsel von Mühlen, Hammerwerken und Glasschleifen. Auf dem Gebiet der Gemeinde Teunz beispielsweise, dokumentieren noch heute acht Namen von Mühlen und Schleifen diesen Sachverhalt. Viele dieser Relikte, zwischenzeitlich teilweise verfallen, sind stumme Zeugen dieser vorindustriellen Blüte.

Im 12. Jahrhundert legte der technische Fortschrift mit der Wasserkraft die Basis für den Betrieb von Hammerwerken. Für ausreichend Holzkohle sorgten der Waldreichtum der Oberpfalz. Das Gemeindegebiet von Teunz war eine Hochburg von Hammerwerken, Mühlen und später von Glasschleifen. Der Hundsgraben, Tannenbach und Höcherlbach, aus Richtung Wildstein kommend, vereinigen sich bei Teunz zur Faustnitz, die wiederum in die Murach fließt. Goldbach und Weißbach stoßen hinzu.

Mögliche Teunzer Keimzelle

An der Murachschleife beim heutigen „Wutzelstein“ finden sich kaum noch sichtbare Überreste eines Burgstalls. Ob ein Zusammenhang zwischen dem slawischen Namen „tync“, was so viel bedeutet wie „kleine Burg“, oder von „tyn“, der Bezeichnung für „Mauer, Zaun oder Umwallung“ und den Resten am Wutzelstein besteht, von dem der Name Teunz kommt, ist ungeklärt. Mit Sicherheit ist „Oberteunz“, zu dem die Hebermühle zählte, „Mittelteunz“ und „Unterteunz“ urkundlich erwähnt. Zwei Hämmer sind im Gemeindegebiet nachweisbar. Tännesberger Lehensherrn zählten ebenso zu den Betreibern der Hämmer wie die Thannsteiner, Pertolzhofener, Altendorfer oder die Landgrafen von Leuchtenberg.

Ähnlich ist die Geschichte des Georgenberger Ortsteils Gehenhammer

Gehenhammer bei Georgenberg

Flussaufwärts der Murach stößt man auf Lukahammer mit seinem riesigen Mühlweiher. Vom 15. bis zum 17. Jahrhundert wurde hier ein Eisenhammer betrieben. Nach dessen Niedergang siedelten sich vier Glasschleifen an, um die Wasserkraft zu nutzen. Bei der Gaststätte „Hammerschänke“ ist die Geschichte des ehemaligen Eisenhammers „Hammer Lucka“ in einer kleinen Ausstellung, die kostenlos zugänglich ist, dokumentiert. Werkzeuge aus der Produktion zeigen die hohe wirtschaftliche Leistungskraft der Hämmer in Kaltenthal, Teunz und anderswo auf. Nebenbei kann hier noch der mit 4718 Litern Fassungsvermögen größte Bierkrug der Welt bestaunt werden.

Die Siedlung „Chaltental“ fand erstmals 1326 im „Urbarium Vicedominatus Lengenveld“ Erwähnung. Der Hammer befand sich an der Pfreimd bei „Saechsenkirchen“, dem früheren Ortsnamen von Trausnitz. Dieser entwickelte sich aus der Bezeichnung für die Burg „Trausniht“ und ging als Ortsname auf das Dorf über. Flurnamen wie „Hammerzell“, „Hammerwiesen“ oder „Hammeraecker“, sind im Uraufnahmeblatt um 1810 verzeichnet.

Besitzer mit Adelsrang

Zur damaligen Zeit hatten sich bereits 82 Hammerwerke aus der Oberpfalz zu einer Vereinigung mit Sitz in Amberg zusammengeschlossen, um die Abgabe von Erz, Produktion, Verkauf und Preise der Produkte zu regeln. Der ehemalige Trausnitzer Ortspfarrer Johann Baptist Schütz liefert in seiner 1890 erschienenen „Chronik des königlich bayerischen Schlosses Trausnitz im Thal“ wertvolle Informationen über eine Vielzahl von Besitzern des Hammers. Die Zenger tauchen genauso auf wie die Erlbecks, die Markgrafen von Brandenburg, der Fuchsberger von Satzenhofen, die von Brandt auf Stein oder die von Donndorf auf Ramlesreut.

Es war ein langer Weg vom einstigen „Ruhrgebiet des Mittelalters“ zur heutigen wirtschaftlichen Vorzeigeregion. Die Zeiten haben sich geändert, doch Fleiß und Ideenreichtum sind geblieben, was die Beschäftigten vieler Betriebe in der Region, darunter auch einige „Globalplayer“, tagtäglich beweisen.

Hintergrund:

Funde aus der Zeit der Eisenhämmer

Beim Brückenneubau über die Pfreimd bei Kaltenthal nahm das Amt für Denkmalpflege in den Jahren 2011/2012 Grabungen vor. Sie förderten mehrere Fundamente von Bauwerken an den Tag, die dem Eisenhammer Kaltenthal zugeordnet werden konnten. Die Fundstücke, darunter Teile von Gefäßen, eine Münze, Kachelteile und Metallreste übereignete die Gemeinde Trausnitz an den Freistaat Bayern. Heute ist die Ausgrabungsstelle am Ortseingang bei der Talbrücke von Pfreimd kommend, durch eine Erdschicht abgedeckt.

Nahe der Murachschleife am Wutzelstein soll die Keimzelle von Teunz gelegen haben.
Ausgrabungen in den Jahren 2011/2012 im Zuge des Brückenneubaus über die Pfreimd bei Kaltenthal (Gemeinde Trausnitz) legten die Fundamente des Eisenhammers frei. Anschließend wurden die Relikte wieder verfüllt.
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