24.05.2020 - 14:54 Uhr
Gehenhammer bei GeorgenbergOberpfalz

Aus Hammer zu Gern wird Gehenhammer

Die Besiedlung geht auf etwa 1570 zurück. Heute ist der Ortsteil vor allem durch die unter Denkmalschutz stehende Mühle bestens bekannt.

Die Mühle Gehenhammer im Jahr 1940.
von Josef PilfusekProfil

Der Weiler Gehenhammer, an der Staatsstraße 2154 etwa zwei Kilometer von Georgenberg entfernt gelegen, ist eine der ältesten Ansiedlungen der Gemeinde Georgenberg und leitet seinen Namen von einem Hammerwerk ab. Der „Hammer zu Gern“, wie er 1352 urkundlich genannt wird, war einer jener zahlreichen eisenverarbeitenden Wirtschaftsbetriebe an den Flüssen und Bächen des Nordgaus, die später zur Bezeichnung der Oberpfalz als „Ruhrgebiet des Mittelalters“ führten.

Zwar gab es in diesem Raum keine schürfbaren Eisenerz-Vorkommen, jedoch Wald in Hülle und Fülle. Holz war das wichtigste Brennmaterial dieser Zeit. Schwere Ochsenkarren und Pferdegespanne brachten das Rohmaterial Eisenerz aus dem Sulzbach-Amberger Raum in die entlegenen Flusstäler der Oberpfalz, wo es in Schmelzöfen – von der Holzkohle der umliegenden Kohlenmeiler beschickt – zu Roheisen geschmolzen wurde. Benachbarte Schmiede- und Blechhämmer verarbeiteten die groben Eisenschienen weiter zu Gebrauchsgegenständen jener Zeit.

Im Hussitenkrieg zerstört

Der „Hammer zu Gern“ ist 1387 in den Akten der Hammer-Ainigung Sulzbach, einem wirtschaftlichen Zusammenschluss der eisenverarbeitenden Industrie, als ein solcher Betrieb aufgeführt und gehörte einem Wolfrat Erlböck. Raubende und brennende Soldateska zerstörten den Eisenhammer im Hussitenkrieg in den ersten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts; und nie wurde er als solcher wieder aufgebaut.

Lange Zeit lag die Markung brach und öd, bis um 1570 die siedlungsfreundliche Waldthurner Herrschaft, derer von Wirsberg ein „Unterthan Häußl“, in Gernhammer bauen ließ. Ein kleines Häuschen aus Bruchsteinen, ein windschiefer Stall für die eine Kuh und die paar Hennen sowie harte Rodungs- und Feldarbeit auf dem dürftigen Ackerboden bestimmten das Leben der Neusiedler.

Unterbrochen durch die Kriegswirren zu Beginn des 30-jährigen Kriegs – Mansfeldische und Tillysche Soldaten beraubten und brandschatzten um 1620 von Waidhaus her die Gegend – setzte sich die Siedlungsarbeit fort. Ackerböden und Wiesen wurden erweitert, und der Weiler nahm allmählich seine heutige Form an. Ausschlaggebend dafür waren dabei die Initiative und der Fleiß seiner Eigentümer. Für 1731 ist als solcher ein „Lorenz Röber ufm Gehenhammer“ nachgewiesen, mit ziemlicher Sicherheit ein Vorfahr der heutigen Eigentümer.

Bau einer Mahlmühle

Nachkommen dieses Lorenz Röber werden es wohl gewesen sein, die an Stelle der jetzigen Mühle eine Schneid- und Sägemühle errichtet haben. Mit der Wasserkraft des Drachselbachs getrieben und begünstigt durch den umliegenden Holzreichtum, schnitt sie Bretter und Balken für den Bedarf der ansässigen Bevölkerung.

Die Konkurrenz der später erbauten Krautwinkl-Säge brachten den Gehenhammer-Bauern in arge Bedrängnis. Und so wurden die Aufträge spärlich, sodass das Geschäft zurückging. Dazu kam, dass der Krautwinkl näher bei den Kunden aus den benachbarten Dörfern lag. Außerdem hatte die dortige Säge die modernere technische Ausstattung. Nach einigem Hin- und Her beschloss der Gehenhammer-Bauer schweren Herzens, seine Sägemühle aufzugeben und einen Neubeginn zu wagen: den Bau einer Mahlmühle.

Als Baujahr weist das Geschichtsbuch 1834 aus. Die Jahreszahl ist in den Granit des Querbalkens der Eingangstüre gemeißelt. Gemahlen wurde bis zum 1. September 1969. Danach stand die Mühle einige Zeit still. Nachdem im Herbst 1974 die Flurbereinigung in der drei Jahre zuvor gebildeten „Großgemeinde Georgenberg“ angelaufen war, griffen die Behörden den schon einmal verworfenen Gedanken des im März 1971 gegründeten OWV-Zweigvereins, der die Instandsetzung des kleinen Bauwerks vorgesehen hatte, auf.

Am 22. April 1975 trafen die Eheleute Agnes und Heinrich Reber als die damaligen Eigentümer der Mühle und die Gemeinde, vertreten durch Bürgermeister Adolf Herold, eine Vereinbarung zur Überlassung an den OWV. In dieser ist unter anderem festgehalten, die auf 68000 Mark bezifferten Kosten je zur Hälfte auf die Flurbereinigung und den Waldverein aufzuteilen. Viel Arbeit und Schweiß kostete es, bis schließlich am 26. Juni 1977 die Einweihung über die Bühne gehen konnte. In den Grußworten galten Lob und Anerkennung vor allem dem OWV mit seinem engagierten Vorsitzenden Johann Ermer an der Spitze.

Mühltechnik vollkommen erhalten

Einmalig ist die vollkommen erhaltene Mühltechnik von der Radstube bis hin zum Dachgebälk. Das gesamte Räder- und Transmissionswerk wird von einem fünf Meter hohen oberschlächtigen Wasserrad mit 58 Kammern angetrieben. So kann die vorhandene Wasserkraft optimal genutzt werden. Durch den Ankauf und Einbau eines kompletten Mahlgangs aus Mühlsteinen für damals 1200 Mark können den Besuchern zwei Generationen der Mühltechnik demonstriert werden.

Später schaffte der OWV für den Platz vor der Mühle Tische und Bänke im Original Oberpfälzer Stil an. Umfangreiche Renovierungsarbeiten gingen auch unter der Regie des von 1991 bis 1999 amtierenden Georg Wolf – er ist bereits verstorben – und des jetzigen „Chefs“ Manfred Janker über die Bühne.

Außerdem ist Gehenhammer immer wieder mal gerne Treffpunkt für Volksmusikanten aus der näheren und weiteren Umgebung. Auch überregional sorgt die Mühle immer wieder für Aufsehen. So haben schon öfter Fernsehteams – darunter der Bayerische Rundfunk oder der Sender OTV – Beiträge gedreht und ausgestrahlt. Ferner stehen im Gästebuch unter anderem Einträge von Besuchern aus den USA oder Japan. Nicht zuletzt ist die Mühle Ausgangspunkt des „Glasschleifererwegs“ mit einer Gesamtlänge von rund 80 Kilometern.

Unvergessen als Wirtsleute sind Anna Kreuzer und ihr bereits verstorbener Ehemann Erwin. Aktuell sorgen Ingrid und Thomas Graf aus Flossenbürg für optimalen Service. Öffnungszeiten sind am Mittwoch sowie von Freitag bis Sonntag jeweils von 13 bis 19 Uhr. Nach der vorübergehenden Schließung wegen der Corona-Pandemie ist die Mühle inzwischen wieder geöffnet, natürlich unter Beachtung der einschlägigen Vorschriften mit Einhaltung der Mindestabstände.

Ein Schmuckstück von Gehenhammer: die Kapelle der Familie Reber.
Der komplette Ortsteil Gehenhammer mit der Mühle.
Heute sieht die Mühle so aus. Allerdings ist sie bis auf Weiteres geschlossen.

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