04.05.2021 - 18:41 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Oberviechtacher Familie Rauch setzt auf Photovoltaik: "Saubere Energie liegt uns am Herzen"

Diesen Artikel lesen Sie mit
Alle Informationen zu OnetzPlus

Gegen den genehmigten Solarpark Oberviechtach 2 läuft eine Unterschriftenaktion an. Jetzt meldet sich die Unternehmerfamilie Rauch zu Wort, welche seit Jahrzehnten regenerative Energien erzeugt und das Projekt in der Heimat schultert.

Eine Familie packt an: Gerhard und Gertraud Rauch (von links) bauen den Solarpark Oberviechtach 2 im Satteldach-Profil zusammen mit ihren vier Kindern in Eigenregie auf. Die Solarmodultische müssen im Wasserschutzgebiet auf Streifenfundamente gesetzt werden.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Gerhard und Gertraud Rauch wohnen im Herzen der Oberviechtacher Altstadt. Zusammen mit ihren vier Kindern Christian, Stefan, Andrea und Martina arbeiten sie derzeit täglich von 9 bis 19 Uhr auf der Wiese an der Kreisstraße in Richtung Wildeppenried. Schließlich sind rund 7500 Photovoltaikplatten aufzustellen. Von der am Wochenende angelaufenen Unterschriftenaktion gegen den Solarpark Oberviechtach 2 zeigt sich die Familie „betroffen und schockiert“, wie Gertraud Rauch es bezeichnet. Und Ehemann Gerhard ergänzt: „Es ist schlimm, dass sich Leute so massiv dagegen auflehnen.“

Wasser, Wind und Sonne: Das Oberviechtacher Familienunternehmen WKA Rauch erzeugt seit vielen Jahren regenerative Energie mittels Wasserkraft in Sachsen-Anhalt, Unterfranken und Thüringen. In der Region Potsdam sind es Windräder. Jetzt investieren sie über eine Million Euro in die Freiflächen-Photovoltaikanlage auf der eigenen Wiese in der Heimatgemeinde. „Es wäre eine Tragödie, wenn das gestoppt wird“, sagt Gerhard Rauch beim Gespräch mit der Oberpfalz-Medien-Redaktion. Er verweist darauf, dass das Projekt von Stadt und Landratsamt genehmigt ist und bei der öffentlichen Auslegung keine Bürgereinwände vorgebracht wurden.

Die Wiese liegt im Wasserschutzgebiet (Zone eins) und eigne sich laut Rauch besonders gut für eine Photovoltaikanlage, da im Gegensatz zu einer landwirtschaftlichen Nutzung die Düngung wegfällt. Und er betont: „Dies hat den positiven Effekt das die Grundwasserqualität im Einzugsgebiet des Tiefbrunnens Vogelöd verbessert wird und der Nitratgehalt im Boden nachhaltig gesenkt werden kann.“ Wie Gerhard Rauch anmerkt, betrage die nutzbare Fläche des Solarparks 2 nur 1,8 Hektar. Die restlichen 0,5 Hektar der Wiese würden als Ausgleichsfläche im Sinne des Natur- und Artenschutzes als Blühfläche und Streuobstwiese verwendet. Es sei zudem vorgesehen, hier Bienenvölker anzusiedeln.

Energieausnutzung gestreckt

Rund zwei Monate wird es dauern, bis alle Platten aus deutscher Fertigung montiert sind. Die Familie packt gemeinsam an und schon am Dienstagvormittag steht ein kleiner Bereich. „Wir haben die teurere Ost-West-Ausrichtung gewählt“, erklärt Vater Gerhard. Dies sei für ihn nicht die wirtschaftlichste Variante, aber der Vorteil des Satteldach-Profils liege darin, dass die Produktion schon morgens anlaufe und somit die Energieausnutzung gestreckt sei. „Auch als wir ab 1998 das Wasserkraftwerk in Sachsen geplant und gebaut haben, ging es uns um Nachhaltigkeit und nicht um die schnelle Mark“, betont Gerhard Rauch. Damals habe er viel Zuspruch dafür bekommen, dass er naturnahe Fischtreppen baute und an Gutachten und Studien zu Fischschäden an Turbinenanlagen mitarbeitete. Die beiden Söhne sind als Elektriker für Energie- und Gebäudetechnik in die Fußstapfen des Vaters getreten. Stefan ist bereits Meister und auch Martina als die Jüngste hat diese Ausbildung im elterlichen Betrieb gewählt. Die Familie sieht sich mit ihrem Beitrag zur Erzeugung regenerativer Energien auf einem guten Weg. Denn erst vor kurzen habe das Bundesverfassungsgericht angemahnt, Richtlinien für die Energiewende nicht nur bis ins Jahr 2030, sondern im Sinne der nachfolgenden Generationen auch für die weiteren Jahrzehnte festzulegen.

„Die derzeit erkennbaren Auswirkungen lassen nicht erahnen, welch nachhaltig enorm schädliche Formen der Klimawandel in den nächsten Jahrzehnten haben wird“, betont Tochter Martina als Teil des Familienunternehmens und auch als Teil der „jungen Generation, welche einen Anspruch auf eine lebenswerte Erde hat“. Sie wünscht sich mehr Einsatz, den Auswirkungen des Klimawandels vorzubeugen. Und für sie gelte der Grundsatz, „nicht zu reden oder zu kritisieren, sondern zu handeln“. Sie sei als toleranter Mensch erzogen worden, doch sie empfinde es jetzt als sehr verletzend, wenn das Projekt ihrer Familie bei der Unterschriftenaktion „mit einigen falschen Fakten in den Dreck gezogen wird“. Martina Rauch ergänzt: „Ich berichte immer stolz von der Arbeit meiner Familie, welche mein Vater gerne auch als Hobby bezeichnet, und bekomme stets positive Reaktionen“, sagt Martina Rauch. „Alle sind für regenerative Energien, aber halt nur nicht in der eigenen Umgebung“, meint Mutter Gertraud.

Unterschriftenaktion gegen Oberviechtacher Solarpark gestartet

Oberviechtach

Vorgabe der Behörde

Mit einer Vorgabe des Wasserwirtschaftsamtes ist Gerhard Rauch allerdings nicht glücklich. Er zeigt auf die auf der Wiese ausgelegten Schalungssteine, die mit Beton ausgegossen als Streifenfundamente für die Solarmodultische dienen. „Mir gefällt das nicht, aber es gibt keine Alternative“, sagt er und verweist darauf, dass im Wasserschutzgebiet nicht in den Boden eingegriffen werden dürfe

Zur Aussage der Unterschriftslisten-Initiatorin Hildegard Bücherl bezüglich der Zielgröße von 0, 5 Prozent für den Ausbau von Freiflächenanlagen merkt Gerhard Rauch an, dass diese Größe vom jeweiligen kommunalpolitischen Gremium festgelegt werde: „In umliegenden Gemeinden beträgt dies prozentual mehr als das Doppelte als in Oberviechtach.“ Der Bau von PV-Anlagen leiste außerdem einen nachhaltigen Beitrag zu erschwinglichen Energiepreisen, und zudem sei PV-Strom die am günstigsten zu erzeugende Energie auch im Vergleich mit anderen fossilen Energieträgern. „Die Bestandteile der Module können sehr gut recycelt werden“, betont Rauch und zählt auf: 80 Prozent Glas, 10 Prozent Aluminium, 6 Prozent Kunststoff, 3 Prozent Lithium. Das restliche eine Prozent bestehe aus Zinn, Kupfer, Bohr und Phosphor.

Das was die Familie Rauch an Arbeitszeit und Material in der Heimat investiert, wird der Gewerbesteuer der Stadt zugute kommen. Denn anders als bei Windrädern, ist bei PV-Anlagen der Firmensitz des Betreibers maßgebend.

"Ich berichte immer stolz von der Arbeit meiner Familie, welche mein Vater gerne auch als Hobby bezeichnet, und bekomme stets positive Reaktionen."

Martina Rauch

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.