13.07.2020 - 13:09 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Das Oberviechtacher Freibad hat eine turbulente Vorgeschichte

Dass das Oberviechtacher Freibad trotz Corona geöffnet hat, freut die Schwimmfreunde in der Region. Seit über 40 Jahren ist es eine feste Säule im Freizeitangebot. Den Grundstein hat Anfang der 1970er Jahre eine Bürgerinitiative gelegt.

Das alte Freibad auf dem heutigen THW-Gelände hatte in den 1950er Jahren sogar ein Dreimeter-Sprungbrett. Allerdings hatte das Wasser nicht mehr als 18 Grad, und manchmal tauchten auch Blutegel auf.
von Udo WeißProfil

Mittlerweile besteht das Freibad in Oberviechtach seit 43 Jahren. Wegen der Pandemie sind zwar für die Besucher heuer einige Beschränkungen angeordnet, doch Schwimmer können im Becken problemlos ihre Bahnen ziehen. Doch der Weg für die seit vielen Jahren geschätzte und gewohnte Freizeiteinrichtung verlief keineswegs gerade.

Bereits im Jahre 1964 hatte die Stadt beabsichtigt, in unmittelbarer Nähe der Bundesstraße 22 ein Freibad zu errichten. Doch unüberwindliche Grundstücksschwierigkeiten stellten sich den Planungen entgegen. In einem neuerlichen Anlauf wurde an anderer Stelle das für das Freibad erforderliche Grundstück erworben, und die Erstellung eines Bauplans in Auftrag gegeben. Dieser hoffnungsvolle Ansatz scheiterte letztlich aber an den fehlenden finanziellen Mitteln der Stadt.

Es gelang, dem damaligen Landkreis Oberviechtach die Trägerschaft schmackhaft machen, der eine überstürzte Ausschreibung veranlasste. Mit der Gebietsreform im Jahr 1972 war der neue Großlandkreis Schwandorf zuständig für das Vorhaben. Dieser hätte jedoch mangels Leistungskraft dem Projekt erst in den Jahren 1975/76 nähertreten können.

Neue Bewegung in die Sache kam mit der Gründung der "Bürgerinitiative Badbau Oberviechtach" am 2. Februar 1972. Diese sah sich damit konfrontiert, dass der Landkreis die Trägerschaft für das geplante Bad abgegeben wollte, die Stadt Oberviechtach jedoch dafür die Mittel nicht besaß. Als Aufgabe der Initiative, die eine eigene Satzung ausgearbeitet hatte, sah der damalige Vorsitzende, Amtsgerichtsrat und Stadtrat Josef Weigl, die durch die Stadt nicht zu stemmenden Eigenmittel durch Spenden aufzubringen.

Schon in der ersten Sitzung des Arbeitskreises konnte der damalige Bürgermeister Georg Neuber (Vater von Altbürgermeister Wilfried Neuber) von elf Einzahlungen in Höhe von 3560 Mark berichten. In dem Gremium, das sich aus Vertretern von Schule, Geschäftswelt, Vereinen und Bundeswehr zusammensetzte, waren auch Gerald Höhne, Michael Zapf und Wilfried Neuber, der damals auch als Schriftführer fungierte. Die Bürgerinitiative schob für das Badprojekt kräftig und sorgten mit ihrem Engagement für Aufsehen.

Einen Bericht über die Eröffnung der Freibad-Saison 2020 lesen Sie hier

Oberviechtach

Neben vielen Werbeaktionen, die geschaltet wurden, gab es auch einen Konzertabend des Heeresmusikkorps, und Jugendorganisationen boten ihre Hilfe an. Nach dieser schwierigen Anfangszeit wendete sich alles zum Guten: Mit dem Freibadbau konnte begonnen werden, und 1977 fand die Eröffnung mit einem Schwimmwettbewerb im Rahmen des Landkreissportfestes statt. Der Eintritt war im ersten Jahr frei. Ein Jahr später erfolgte dann die offizielle Eröffnung.

Für die Oberviechtacher ging damit ein langgehegter Wunsch in Erfüllung, war doch der Weg zur Realisierung der Freibadanlage nicht einfach. Seitdem erfreut das Freibad mit seinen großzügigen Liegewiesen, dem Volleyballfeld, Spielplatz, Beachhandballfeld und der Terrasse Urlauber und Einheimische. Solarheizung für die Duschen, neue effiziente Wärmepumpen für das Wasser im Becken, eine modernisierte Kassenanlage, eine neuen Rutsche sowie öffentliches W-Lan haben in den vergangenen Jahren zur Modernisierung beigetragen. Eine besondere Attraktion ist der zuletzt entstandene Kinderbereich mit Minirutsche, Delphin-Wasserspeier und familiengerechtem Umfeld sowie der „Matschplatz“, ein Erlebnis-Sandbereich.

Auch wenn es in die Jahre gekommen ist und eine Sanierung ansteht, erfüllt das Freibad auch in Corona-Zeiten alle hygienischen Vorschriften und ist in einem sehr gepflegten Zustand. Unsere Aufnahme stammt aus dem Jahr 2019.
Der Beleg einer Spendeneinzahlung für den Badneubau (hier von Michael Zapf). Eine Bürgerinitiative trieb ab 1972 das Vorhaben kräftig an.
Der ganze Stolz des Oberviechtacher Bades ist der neue Kinderbereich.
Vorläufer auf dem THW-Gelände:

Badespaß mit Blutegel

Einen Vorläufer des heutigen Freibades hat es in den 1950er und 1960er Jahren gegeben. Auf dem heutigen THW-Gelände konnte in einem betonierten Freibad geschwommen werden. Dieses war beim Bau der B 22 durch den Arbeitsdienst erstellt worden. Viele heutige Rentner und Pensionisten haben in dieser Anlage das Schwimmen gelernt und schon in den 1960er Jahren ihr Schwimmabzeichen bei der Wasserwacht gemacht.

Das etwa 30 Meter lange Becken war an der tiefsten Stelle drei Meter und hatte sogar ein Einmeter- und ein Dreimeter- Sprungbrett. Das Becken hatte einen ständigen Zufluss, die Temperatur stieg allerdings nicht über 18 Grad. So mancher Blutegel im Becken konnte den Badefreunden jedoch nichts anhaben. Eine weitläufige Parkanlage lud zum Sonnenbad und zu Ballspielen ein. Bademeister war damals Georg Neuber, der Großvater von Altbürgermeister Wilfried Neuber.

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