20.06.2021 - 15:21 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Oberviechtacher Stadtrat nimmt die Biodiversität ernst

Der Verlust der Biodiversität stellt eine globale Gefahr für die Funktion der Ökosysteme dar. Die Stadt Oberviechtach will mithelfen, diesen Rückgang auf kommunaler Ebene zu stoppen. Der Stadtrat steht geschlossen hinter einem "Masterplan".

Für das angedachte Projekt „Biotopverbund“ mit der Heinz-Sielmann-Stiftung sind die Feuchtwiesen (Wiesengrund und Siechenwiesen) zwischen dem neuen städtischen Kindergarten (rechts) und dem kirchlichen Kindergarten St. Marien im Gespräch. Ein Froschkonzert gibt’s hier inclusive.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

"Der Stadtrat hat eine gemeinschaftliche Sichtweise zu Umwelt und Natur", sagte Bürgermeister Rudolf Teplitzky auf der jüngsten Sitzung, "ich bin dankbar dafür". Auf der Tagesordnung stand ein Grundsatzbeschluss mit Auftragsvergabe an ein Fachbüro für die Erstellung einer kommunalen Biodiversitätsstrategie samt Ökokonto. Dafür gab es nach dem Vortrag von Landschaftsplanerin Anne Wendl vom Büro "Landimpuls" aus Regenstauf einen einstimmigen Beschluss.

"Die Stadt hat erkannt, dass der Verlust der Biodiversität eine erhebliche Gefahr für die Funktion der Ökosysteme und für die menschlichen Lebensgrundlagen darstellt", stellte der Bürgermeister eingangs klar. So seien durch den Stadtrat bereits Projekte zur Förderung und Erhalt von wertvollen Natur- und Umweltbereichen initiiert worden. Neben der Anlage von Blühflächen auf städtischen Grundstücken laufen auch die Projekte "boden:ständig" (Amt für Ländliche Entwicklung) sowie "Biotopverbund" (Heinz-Sielmann-Stiftung). Nun sollen alle städtischen Flächen in Bezug auf die Biodiversität gesichtet und bewertet werden.

Maßnahmen bündeln

"Die Stadt ist bestrebt, alle Anstrengungen zu bündeln und in eine Biodiversitätsstrategie als eine Art Masterplan einfließen zu lassen", stellte Teplitzky fest. Er übergab das Wort an Planerin Anne Wendl, welche Hintergründe und Vorgehensweise erläuterte. In der Region bekannt sei das Büro "Landimpuls" durch das Rotvieh-Projekt in Tännesberg. Sie erläuterte zunächst den Begriff Biodiversität, der auf eine biologische Vielfalt von Arten und Lebensräumen ziele, was durch eine extensive Nutzung erreicht werden könnte. Die Gemeinde sei hier als Schnittstelle zwischen Bürgern, Wirtschaft und Staat der ideale Partner: "Eine Kommune kann Vorkehrungen in Richtung Biodiversität stellen und beispielsweise Satzungen anpassen."

Drei Workshops

Ziel sei die Verankerung des Biodiversitätsschutzes. Wendl stellte die Strategie fürs Oberviechtacher Land und die Benennung der sechs Handlungsfelder vor. Wichtig seien Schlüsselprojekte und eine Plan-Darstellung, "damit die Ideen greifbar werden". Verschiedene Fragen müssten geklärt werden, wie beispielsweise "Wo gibt es Flächen ohne chemischen Pflanzenschutz?" oder "Wo kann der Totholzanteil erhöht werden?". Sie nannte die Bewusstseinsbildung (Schulen, Projektgruppen) und die Wertschöpfung (Regionalvermarktung). Das Büro unterstützt mit Unterlagen. Dazu werden drei Workshops im Zeitraum von eineinhalb Jahren angeboten sowie Expertengespräche (Behörden und Bürger mit Fachwissen). Wie der Bürgermeister informierte, gebe es Bestrebungen vom Stadtmarketing, einen Bürgerverein zu gründen. Hier könnte die Biodiversität ein erstes Thema sein.

CSU/CWG/JU-Fraktionssprecher Alexander Ried outete sich als Imker, der auch Insektenhotels im Garten aufstellt und meinte: "Wenn wir etwas schaffen, wo Leben entsteht, wertet es die Stadt auf." Er begrüßte die Erstellung einer Expertise durch das Fachbüro und wollte wissen, ob es eine Förderung gibt. Bürgermeister Rudolf Teplitzky bejahte dies. Die Zuschusshöhe sei jedoch noch unklar.

Oberviechtach nimmt am Projekt Biotopverbund zusammen mit der Heinz-Sielmann-Stiftung teil

Oberviechtach

"Die Stadt ist bestrebt, alle Anstrengungen zu bündeln und in einen Masterplan einfließen zu lassen."

Bürgermeister Rudolf Teplitzky

"Eine Kommune kann Vorkehrungen in Richtung Biodiversität stellen und beispielsweise Satzungen anpassen."

Landschaftsplanerin Anne Wendl

Landschaftsplanerin Anne Wendl vom Büro „Landimpuls“ aus Regenstauf erläuterte die Erstellung einer kommunalen Biodiversitätsstrategie.
Hintergrund:

Biodiversitätsstrategie Oberviechtacher Land

  • Biotopverbund (Partner: Sielmann-Stiftung)
  • Projekt "boden:ständig" (Partner: Amt für ländliche Entwicklung, Wasserwirtschaftsamt, Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Bezirk Oberpfalz)
  • Blühwiesen und Mähmanagement (Partner: Obst- und Gartenbauverein, Gemeinde Tännesberg)
  • Sonnenfelder als Lebensraum
  • Ideenspeicher von Bürgern (wie Schutz von Ameisenhaufen)
  • Die begonnenen Projekte münden in die Biodiversitätsstrategie.

 

 

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