31.03.2020 - 09:46 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Palmweihe vor leerem Gotteshaus

Auch kirchliche Traditionen wie die Weihe der Palmbüschel folgen in Zeiten der Coronakrise eigenen Gesetzen. Der alte Brauch wird gepflegt, auch wenn bei den Gottesdiensten die Gläubigen fehlen.

Neue Wege des Palmbrauchs beschreitet man in Zeiten der Coronakrise: Stadtpfarrer Alfons Kaufmann weiht im leeren Gotteshaus die Palmbüschel, die von Mitgliedern des Katholischen Frauenbundes gebunden wurden.
von Georg LangProfil

Der Palmsonntag eröffnet die feierliche Liturgie der Karwoche. Aber in Zeiten der Corona-Pandemie werden diese traditionellen religiösen Zeremonien in einer eingeschränkten Form vollzogen. Die Weihe der Palmbüschel, die in normalen Zeiten mit einer feierlichen Prozession und anschließendem Festgottesdienst in der Stadtpfarrkirche verbunden ist, vollzog Stadtpfarrer Alfons Kaufmann bereits im Vorfeld ganz alleine. Die Gottesdienste am Palmsonntag werden ohne Besucher durch den Pfarrer und Kaplan Florian Frohnhöfer zelebriert.

120 Palmbüschel haben Mitglieder des Katholischen Frauenbundes unter der Koordination der Vorsitzenden Angelika Vogl zu Hause gefertigt und anschließend in die Stadtpfarrkirche gebracht. Pfarrer Alfons Kaufmann weihte die Gebinde aus Palmzweigen, Buchs, Thuja (Sedelbaum) und Schwarzbeerkräutern, in die auch farbenfrohe Papierröschen eingearbeitet sind. Die Gläubigen können seit dem Wochenende die Palmbüschel und auch die mit kunstvollen Wachsapplikationen gestalteten Osterkerzen in der Pfarrkirche abholen. Bezahlt wird in den Opferstock, ein Plakat gibt Aufschluss über die gestaffelten Beträge. Der Erlös aus dieser Aktion des Frauenbundes kommt einem sozialen Projekt zugute.

Auch in St. Vitus in Pullenried werden geweihte Palmbüschel zum Verkauf angeboten. Dort haben die Ministranten die Gebinde gefertigt. „Ich danke dem Frauenbund und den Minis, dass sie diesen schönen Brauch auch heuer pflegen“, erklärte Pfarrer Kaufmann. Auch in den zurückliegenden Jahren gab es diese Aktionen schon.

Der traditionelle Brauch am Palmsonntag sieht aber vor, dass die Gläubigen eigene Palmbuschen fertigen und zur festlichen Weihe mitbringen. Dieses Jahr kann man aber die traditionell mit bunten Bändern geschmückten Arrangements in ganz unterschiedlichen Größen und Ausfertigungen nicht bewundern. Vor allem für die Kinder ist die Palmweihe noch ein besonderes Erlebnis, wobei in normalen Zeiten der Kindergarten und die Grundschule in diese religiöse Brauchtumspflege einbezogen sind.

Die Kirche feiert am Palmsonntag den Einzug Jesu in Jerusalem. Deshalb ist dieser Festtag mit einer Prozession verbunden. Statt der echten Palmwedel der südlichen Länder kommen bei uns die Zweige der blühenden Salweide zum Einsatz, die mit dem landläufigen Begriff der „Palmkätzchen“ verbunden sind. Die Zweige werden mit Immergrün-Gewächsen, die es um diese Jahreszeit gibt, zu Büscheln gebunden.

Der weitere Schmuck mit bunten Bändern oder Papierblumen hängt von der jeweiligen Region ab. Mancherorts werden die Buschen auf Holzstäbe gesteckt, die in ihrer Länge sehr unterschiedlich ausfallen. Die geweihten Palmbuschen sollen die Menschen und das Haus vor Unheil bewahren. Einst war das Kreuz im Herrgottswinkel der Stammplatz für die geweihten Palmzweige. Heute variiert ihre Platzierung innerhalb der Wohnung. Erste Zeugnisse für den Palmbrauch in Deutschland gibt es bereits im neunten Jahrhundert.

Die geweihten Palmbüschel und die Osterkerzen stehen in der Stadtpfarrkirche sowie in St.Vitus in Pullenried zum Verkauf.

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