Oberviechtach
24.10.2022 - 10:16 Uhr

Quellenforscher als "echtes Goldstück"

Die Abstammung seiner Vorfahren aus Nunzenried bewog Maximilian Zinnbauer vor 25 Jahren zu einem ausgedehnten Forschungsprojekt über Oberviechtach. Daher verfügt die Stadt heute über eine Quellensammlung, die ihresgleichen sucht.

In den Archiven schlummern Schätze, die Aufschluss über das Leben der Vorfahren geben können. Diese Materialien einer breiten Nutzung zugänglich zu machen scheitert oftmals aus ganz unterschiedlichen Gründen. Nicht so in Oberviechtach. Hier ist seit einem Vierteljahrhundert Maximilian Zinnbauer als „Herr der Urkunden“ in den Staatsarchiven unterwegs, um das einschlägige Aktenmaterial nach einem fundierten wissenschaftlichen System zu sichten, zu ordnen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Oberviechtach, den Ort seiner Vorfahren, hat sich der in Germering lebende Autodidakt als Ziel seiner Forschung ausgewählt. Beruflich hatte er einst einen ganz anderen Weg eingeschlagen. Er war Designer bei der Deutschen Bundesbahn. Für seine Leidenschaft, die Archivarbeit, hat er einen Helferstamm gefunden, so dass zwischenzeitlich als Ergebnis 36 Bände, gefüllt mit ortsgebundenem Archivmaterial, der Stadt zugeführt werden konnten. Dass mittlerweile in der Eisenbarth-Stadt ein hochmodernes Stadtarchiv unter der Betreuung von Christa Zapf in Dienst gestellt wurde, rundet den Glücksfall einer effektiven Ordnung und Nutzung von Archivalien ab.

"Gewinn für Oberviechtach"

Gleich drei neue Bände der sogenannten „Blauen Reihe“ mit dem Obertitel „Amtsinhaber im Pflegamt Murach“ hat Maximilian Zinnbauer jetzt bei einer Feierstunde im Großen Sitzungssaal des Rathauses an Bürgermeister Rudolf Teplitzky übergeben. Dieser bezeichnete den Archivalienforscher „als echtes Goldstück und Gewinn für Oberviechtach“ und bedankte sich bei der Familie Zinnbauer, die mit Ehefrau Ellen und Tochter Renate vertreten war. Maximilian Zinnbauer dankte seinerseits der Stadt, „dass wir all das umsetzen konnten“.

Maximilian Zinnbauer würdigte dann den Stamm seiner Mitarbeiter, die in den zurückliegenden Jahrzehnten beim Korrekturlesen, der Kopierarbeit oder in anderen Funktionen eine unermessliche Zuarbeit geleistet hätten. Christa Zapf, Reiner Reisinger und Paul Wallinger waren zentrale Kräfte, aber auch Wolfgang Waldherr und Richard Bierl gehörten dazu. Seitens der Stadt war Willibald Wirnshofer einst „der unentbehrliche Helfer bei Digitalem und Druck“ und Wolfgang Ruhland der unmittelbare Ansprechpartner „mit einem offenen Ohr für alles“. In diesem Zusammenhang dankte Zinnbauer auch Bürgermeister a.D. Heinz Weigl.

Bewährtes Format

Der unermüdliche Forscher hob ebenso Mentoren und Unterstützer von außerhalb hervor wie den Regensburger Geschichtsprofessor Peter Schmid, Emma Mages, die den Historischen Atlas für Oberviechtach verfasst hat, und Wolfgang Klein, der die Konzeption der Publikationen betreute. Zinnbauer blendete auch zurück an den Beginn seiner Arbeit, als Geschichtslehrer Georg Lang die Quellensammlung als probates Publikationsformat vorschlug, das sich über ein Vierteljahrhundert bewährt habe.

Bereits im 12. Jahrhundert hätte sich Oberviechtach um den Erwerb des Stadtrechts gekümmert, wusste Zinnbauer angesichts des jetzigen 70-jährigen Jubiläums zu berichten, als die Versammlung in die konkrete Geschichte einstieg. Reiner Reisinger ging auf seine Abhandlung über das Herzogsurbar von 1285 ein. Dieses ist im mittelalterlichen Latein verfasst, das im Gegensatz zum klassischen Latein als „Gebrauchssprache“ („Küchenlatein“) eingestuft wird. Stadtarchivarin Christa Zapf trug die Würdigung von Emma Mages zu den drei neuen Publikationen vor.

Hintergrund:

Haus Murach und Oberviechtach

  • Thema: Geschichte von Haus Murach und Oberviechtach
  • Umfang: 36 Bände, publiziert seit 1997
  • Gliederung in drei Reihen: Amtsinhaber im Pflegamt Murach (Blaue Reihe), Zins- und Steuerbücher des Pflegamts Murach (Graue Reihe), Quellen und Erörterungen zur Geschichte von Oberviechtach (Rote Reihe)
 
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