06.01.2019 - 10:53 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Rauhnacht vertreibt böse Geister

Bei der ersten "Rauhnacht" in Lind wird ein alter bayerisch-österreichischer Brauch gepflegt. Böse Geister werden mit Feuer, Rauch, Hexen und Perchten vertrieben. Nun kann das Neue Jahr also eigentlich nur noch Gutes bringen.

Die Feuerkünstlerinnen wirbelten brennende Fackeln, Stäbe und Feuerpors durch die Lüfte und begeisterten damit nicht nur die Männerwelt.
von Christof FröhlichProfil

Im wahrsten Sinne des Wortes stand dieser Feuerkünstler „mitten im, Feuer“, da stockte den Zuschauern der Atem.

Die beiden Burschen merkten nicht einmal, dass sie längst in die Fänge der Hexen geraten waren, die sie ins Verderben stürzten.

Die Zuschauer wärmten sich von innen mit Glühwein und Feuerzangenbowle
Weitere Bilder für eine Bildergalerie. Bilder: frd

Schaurige Gestalten waren da anzutreffen.

Ohne Hexen kein Rauhnacht-Brauchtum.

Unter der Federführung des Vorsitzenden des Tourismusvereins, Tobias Ehrenfried, der "Königstreuen" und der Feuerwehr Lind, des Kolpingspielmannszugs Oberviechtach, der Stadtkapelle Oberviechtach und des "Jolly Roger" (Taverne Lind) ist am Freitag mit der ersten Rauhnacht in Lind ein Stück alter bayerisch-österreichischer Tradition dargestellt worden. Daran hatten Hunderte von Besuchern - nicht nur wegen der zu bestaunenden, meterhohen Stichflammen aus dem Mund der Feuerspucker - ihre "helle Freude".

Angeschossen wurde die Rauhnacht von den Pirkhofer Böllerschützen mit einem Salut. Doch schon weit vorher füllte sich das Areal um den Linder Dorfplatz, und die Gäste ließen sich die Schmankerl in fester und flüssiger Form schmecken, ehe die Feuerkünstler von Ameno Signum aus Neunburg vorm Wald im wahrsten Sinne des Wortes mit ihrer neuen Rocker-Show ein "Feuerwerk" abbrannten und damit die viele Zuschauer begeisterten. Da wirbelten die Feuerkünstler brennende Fackeln und Stäbe durch die Luft, und die Damen präsentierten eine bewundernswerte Show. Die Männer tanzten inmitten von Feuerfontänen und spuckten meterhohe Stichflammen in den dunklen Nachthimmel, was immer wieder Begeisterungsstürme auslöste und die Nachtkälte schnell vergessen ließ. Nach einer Ess- und Trinkpause mit Partymusik marschierten die Hexen und Perchten vom Schwarzachtal-Pass auf dem Linder Dorfplatz ein, um nach überliefertem Brauch die bösen Geister des alten Jahres zu vertreiben.

Doch wie das bei Bräuchen auch so sein soll, vermittelte das Programm zugleich einen tieferen Sinn: Da saßen zwei Burschen an einem Tisch beisammen und vergaßen, vertieft in ihre Smartphones, die ganze Realität um sich. Sie merkten nicht einmal, dass sie von Hexen umgeben und ins Verderben geführt worden sind. Dazu mahnte der Begleitsprecher mit tiefer Stimme symbolhaft die Zuschauer, sich nicht von der Vielfalt der sozialen Medien ablenken zu lassen, sondern sich mehr um ihre Liebsten und ihre Familien zu kümmern und auf sie aufzupassen, da die Zeit dafür nur kurz bemessen sei und keiner wisse, wann er aus diesem Leben abberufen werde. Eine tolle Choreografie, in Verbindung mit den gruseligen Hexen und Perchten, die nach der Show ihre Masken abnahmen und unter dem Beifall der Zuschauer ihre wahren Gesichter zeigten, regte schon ein wenig zum Nachdenken an, was eben auch der Sinn dieses Brauches ist. Die Perchten und Hexen stellten sich gerne zu Bildern mit den Zuschauern zusammen; die Gäste ließen sich dann noch Feuerzangenbowle, Glühwein, Gulaschsuppe und Burger schmecken und hätten ganz bestimmt nichts dagegen, beim nächsten Jahreswechsel wieder eine Rauhnacht in Lind zu feiern.

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