06.01.2020 - 14:11 Uhr
OberviechtachOberpfalz

In den Rauhnächten das Gruseln lernen

Der Festspielverein zeigt bei einer Wanderung die gruseligen Seiten der Tage zwischen den Jahren auf. Nicht nur die Feuershow von Ameno Signum bringt dabei auch Licht ins Dunkel.

Hexen und Perchten tanzten am Fuße des Galgenbergs um das Feuer.
von Udo WeißProfil

Die sagenumwobenen Gestalten der Rauhnächte standen im Mittelpunkt einer geführten szenischen Wanderung. Mit dieser Veranstaltung hat der Festspielverein voll ins Schwarze getroffen. Vorsitzende Bianca Reil freute sich über das große Interesse der über 150 Gäste, unter denen sich auch Interessierte aus Schwandorf und Neukirchen-Balbini befanden, die mit ihrem Besuch aus Italien zur Rauhnachtwanderung gekommen waren. Das angekündigte Räucherseminar musste wegen zu geringer Beteiligung abgesagt werden, es werde jedoch in größerem Rahmen nachgeholt, versprach die Vorsitzende. Als Vertreter des Doktor-Eisenbarth- und Stadtmuseums betonte Siegfried Bräuer die gute Kooperation mit dem Festspielverein und dankte den Verantwortlichen.

Verfluchte Zöpfe

Start für die Tour zu vier Stationen war beim Museum. Der "getreue Eckart" (Reiner Reisinger) und "Frau Holle" (Maria Lesser) als Vorboten der "Wilden Jagd" erklärten den Begriff "Rauhnächte", suchten nach Begründungen für die "finsteren Gestalten" und erzählten immer wieder Sagen um diese besonderen Nächte. Frauen und Kinder sollten in den Rauhnächten nicht allein auf die Straße. Auch das Vieh war Gefahren ausgesetzt. Hexen und Druiden versuchten ihm zu schaden, etwa, indem sie Zöpfe in die Schwanzhaare flochten, damit die Kühe keine Milch mehr gaben.

Geweihtes Brot schützte das Vieh, auch das Ausräuchern des Stalls bot Schutz. Im Haus durfte an diesen Tagen keine Unordnung herrschen, auch das Aufhängen von Wäsche würde Unheil auf das Haus ziehen. Wenn die Zuschauer nun dachten, sie könnten in Ruhe Richtung Schützenheim ziehen, so hatten sie sich getäuscht. Kettenrasselnd und schreiend trieb der "Dammer mit dem Hammer" (Stefan Eiser) sein Unwesen und erschreckte sie.

Die "bluadige Luzier" (Kerstin Manner), die böse Menschen aufschneidet und ihnen Steine in den Bauch füllt, trat beim Schützenheim vor. Gruselig war auch die nächste Station, der Galgenberg, war dies doch früher die Hinrichtungsstätte. Kreischend und tanzend bewegten sich die Hexen und Perchten (Marlene Rossmann, Anna, Luise, Liselotte und Florian Waldherr) um das Feuer.

Meterhohe Stichflammen

Zum Abschluss der Wanderung wurde bei der Bleichangerkapelle die "Wilde Jagd", die von Wotan angeführt wird, dargestellt. Zurück beim Museum konnten sich die Besucher mit Eisenbarth-Topf, Wiener-Semmeln, Waffeln sowie Eisenbarth-Glühwein und Rauhnacht-Likör stärken. Den gelungenen Abschluss des Abends bildete die Feuershow von "Ameno Signum" mit abwechslungsreichen Formationen. Die Mitglieder der Gruppe wirbelten brennende Fackeln, Pois und Stäbe zu mystischer Musik durch die Luft und begeisterten die Zuschauer. Feuerspucker pusteten meterhohe Stichflammen in die dunkle Nacht. Die Premiere der ersten geführten Rauhnacht des Festspielvereins war gelungen. Sie wartet nun auf eine Wiederholung.

Die Ängste der Germanen:

Die Ängste der Germanen

Wenn sich Druiden, Perchten und die "Wilde Jagd" die Hand geben und gemeinsam durch das Land ziehen, sind wieder Rauhnächte. Viele Oberpfälzer Sagen ranken sich um diese finsteren Gesellen und um das, was sie anzurichten vermochten. Die Tage in der Adventszeit bis Anfang Januar heißen "Rauhnächte". Versetzt man sich zurück in eine Zeit ohne elektrisches Licht, versteht man vielleicht besser, dass die Menschen Angst bekamen, wenn der Wind, der "Böhmische" in eisiger Nacht um die spärlichen und oft entlegenen Behausungen pfiff und viele unbekannte Geräusche erzeugte, die man unheimlichen Wesen zuschrieb. Der eigentliche Ursprung der Rauhnächte liegt vermutlich in germanischer oder vorgermanischer Zeit. Im germanischen Mondkalender hatte das Jahr nur 354 Tage. Die fehlenden Tage am Ende des Jahres sah man als "tote Tage" an und sie bekamen daher besondere Bedeutung. An diesen Tagen sollen die Naturgesetze teilweise außer Kraft gesetzt sein. Unheimliche Dinge sollen an ihnen vorgehen und die Pforte vom Diesseits zum Jenseits soll weiter offen stehen, als sonst. Als schlimme Rauhnächte gelten die Nächte 5./6. Dezember (vor dem Nikolaustag); 13./14. Dezember (Luzia/Luzier); 21./22. Dezember (Thomas/Thamma); 24./25. Dezember (Heiliger Abend, Christnacht); 31./1. Dezember/Januar (Silvester); 5./6. Januar (vor dem Dreikönigstag).

Der „Dammer mit dem Hammer“ trieb schreiend sein Unwesen.
Rotierend brennende Stäbe brachten die Besucher auf dem Vorplatz des Museums zum Staunen.
Ein Perch zum Verlieben?

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