Oberviechtach
15.08.2022 - 10:42 Uhr

Rekord-Bierkrug: Massive Regenfront beendet damals Feststimmung in Eigelsberg jäh

Der 11. August 2002 war nicht nur für Eigelsberg ein historischer Tag. Am Abend wurde das Bierkrug-Fest jäh mit einer Regenfront beendet. Diese ging europaweit in ein Jahrhunderthochwasser über.

„Dass wir dieses tolle Kunstwerk hier haben, muss gefeiert werden“, bekannte Bürgermeister Rudolf Teplitzky mit Blick auf den „Weltrekord-Bierkrug“ in der Hammerschänke. Dort erinnerte sich am Freitagabend eine Festgesellschaft an die Errichtung des gigantischen Holzbierkrugs vor 20 Jahren unter der Leitung des heutigen Ehrenbürgers Ludwig Berger. Natürlich war die Dorfgemeinschaft von Eigelsberg stark vertreten, wo vor zwei Jahrzehnten der Bierkrug mit einem Fassungsvermögen von 4718 Litern den Sprung in das Guinness-Buch der Rekorde schaffte. Neben Ludwig Berger waren auch noch einige weitere Miterbauer von 2002 vertreten.

Zugänglich und kostenlos

Das Stadtoberhaupt blendete auf das „touristische Highlight“, das im Gasthof Hammerschänke in Lukahammer in einer eigens geschaffenen Halle, für jedermann zugänglich kostenlos besichtigt werden kann. Dafür dankte Bürgermeister Teplitzky der Gastwirtsfamilie Brunner-Braun. Gottfried Berger ließ die Entstehungsgeschichte des von seinem Vater geschaffenen Bierkrugs Revue passieren. Als besondere Überraschung überreichte er an einige Festbesucher ein Jubiläumsbier mit dem vor 20 Jahren von der Schlossbrauerei Fuchsberg geschaffenen Etikett „Größter Bierkrug der Welt“. Während der Musikant Rudi Lottner aus Trausnitz fleißig aufspielte, konnten die Besucher die Feierlichkeiten vor 20 Jahren nochmals per Video von Jaqueline Ramin erleben.

Gottfried Berger eröffnete seinen Rückblick mit einer Suchmaschinen-Recherche, wo zwischenzeitlich allerhand Konkurrenten zum Eigelsberger Bierkrug auftauchen. Vor allem reine Metallkonstruktionen in Südtirol und Posen scheinen das Eigelsberger Holzobjekt zu überbieten. Ob sie den Einzug ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft haben, ist nicht bekannt. Einen größeren Holzbierkrug als das auf einer Fläche von 14 Quadratmetern liebevoll bemalte Kunstwerk aus dem Bergdorf gibt es nicht. Das Bayerische Wappen und auch Motive aus der Landeshauptstadt, Regensburgs und Oberviechtachs zieren den Krug von 3,80 Metern Höhe und einem Durchmesser von zwei Metern. Für den Zusammenhalt der Balken sorgen ein Spezialkleber und Verspannungen mit Drahtseilen im Inneren.

Bier kommt gar nicht aus dem Riesenkrug

Als vor 20 Jahren beim Dorffest „Leben im Dorf“ aus dem Zapfhahn an der Basis des Kruges Bier floss, da kam das über eine unterirdische Leitung von gekühlten Fässern. „Schon damals gab es strenge Hygienevorgaben“ schmunzelt Gottfried Berger und denkt an jene Festbesucher, die glaubten, ihr Jubiläumsgetränk würde unmittelbar aus dem Krug gespeist.

„Das große Dorffest war ein voller Erfolg“, erinnert Berger an den Auftritt historischer Handwerksgruppen, an die Vorführung bäuerlicher Arbeiten von früher und an den Betrieb eines Kohlenmeilers am Dorfrand. Der 11. August 2002 war aber auch jener Tag, an dem am Abend gegen 18 Uhr eine massive Regenfront die ausgelassene Feststimmung jäh beendete. Der historische Tag von Eigelsberg ging europaweit als Beginn der Jahrhundertflut in die Geschichte ein. Vor allem in Ostdeutschland, Tschechien und Österreich richteten die Wassermassen große Schäden an und forderten Menschenleben. Der Weltrekordbierkrug überstand die unerwartete Taufe und wurde in der Folgezeit „per Tieflader vielfältig auf Reisen geschickt“, etwa nach Aldersbach zum Jubiläum „500 Jahre Bayerisches Reinheitsgebot“. Seine endgültige Bleibe fand der Rekordbierkrug in einer eigens gebauten Einhausung an der Hammerschänke, wofür auch Gottfried Berger der Gastwirtsfamilie nachdrücklich dankte.

OnetzPlus
Oberviechtach09.08.2022
Hintergrund:

Die Ereignisse am 11. August 2002

  • Eigelsberg befüllt erstmals seinen Riesen-Bierkrug und erlangt den Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde.
  • Mehrere Tausend Gäste feiern das Dorffest "Leben im Dorf" mit und freuen sich über die Vorführung alter bäuerlicher und handwerklicher Arbeiten. Am Ortsrand wird ein Kohlenmeiler entzündet.
  • Ein Starkregen führt am frühen Abend zu einem jähen Ende des Festes.
  • Der Bierkrug übersteht die unerwartete "Taufe". Der Kohlenmeiler ersäuft in den Regenfluten.
  • Jene Nacht ist der Beginn der Jahrhundertflut, die vor allem an Oder, Elbe und Donau verheerende Auswirkungen hat.
 
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