10.06.2019 - 20:20 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Den Schützenmeister gefeuert

Die außerordentliche Mitgliederversammlung der "Scharfschützen" sorgt für einen Paukenschlag: Von 96 stimmberechtigten Mitgliedern entscheiden sich 58 für die Abberufung des langjährigen Schützenmeisters Albert Kiener.

Schützenmeister Albert Kiener, im Bild bei der Präsentation der 50-Meter-Stände, wurde bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am Pfingstmontag mit einem deutlichen Mitgliedervotum von seinem Amt abberufen.
von Georg Köppl Kontakt Profil

Pfingstmontag, kurz vor 14 Uhr: Der Saal im AWO-Mehrgenerationenhaus ist bis auf den sprichwörtlich letzten Platz gefüllt. Aber immer noch strömen Mitglieder herbei, müssen zusätzliche Tische und Stühle aufgestellt werden. Um 14.20 Uhr haben schließlich alle einen Platz gefunden - 96 Frauen und Männer sind als stimmberechtigt in die Anwesenheitsliste eingetragen - und Zweiter Schützenmeister Günter Gilch kann die Versammlung eröffnen. "Nach unserer Auffassung verstößt der erste Schützenmeister mit seinem Verhalten gegen die Satzung und handelt somit vereinsschädigend. Auskünfte zu wichtigen Angelegenheiten darüber werden verweigert und Diskussionen über strittige Punkte sind nicht möglich". Mit dieser Begründung und 76 Mitglieder-Unterschriften hatte Zweiter Schützenmeister Günter Gilch von Schützenmeister Albert Kiener die Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung verlangt. Nachdem Kiener die Frist ohne Reaktion verstreichen ließ, hatte Gilch die Versammlung für den Pfingstmontag ins AWO-Heim einberufen.

Informationsanspruch

Für den Pfingstsamstag hatte Albert Kiener kurzfristig eine weitere außerordentliche Mitgliederversammlung ins Schützenheim angesetzt (siehe Bericht auf der Seite unten), um "die Mitglieder zu informieren und Gelegenheit für Fragen zu geben". "Es geht darum, die weitere Gestaltung in unserem Verein zu besprechen und wir wollen aufgrund vieler unbeantworteter Fragen den satzungsmäßig verankerten Informationsanspruch der Mitglieder sicherstellen", gab Gilch als Devise aus und listete detailliert verschiedene Vorgänge im Verlauf der vergangenen sechs Monate auf. Dazu spannte er den Bogen von kontrovers diskutierten Vorstandssitzungen bezüglich der Verpachtung der Schießstände über Verbote von Luftgewehrschießen bis hin zu Abmahnungen bzw. zum Ausschluss von Vorstandsmitglieder und Problemen wegen der Standaufsicht.

Im Besonderen ging der Zweite Schützenmeister nochmal darauf ein, wie es zur Einberufung der außerordentlichen Mitgliederversammlung gekommen war (wir berichteten ausführlich). Die geforderte Offenlegung der Vereinsfinanzen im Zusammenhang mit der Optierung der Umsatzsteuer war schnell abgehakt. Kassier Christian Steger bezifferte den Kontostand zum 31. Dezember 2018 auf 62 244 Euro und zum 31. Mai auf 64 715 Euro.

Schwieriger wurde es da schon mit dem Verlesen der Niederschriften über diverse Vorstandssitzungen, da Schriftführer Michael Benner nicht erschienen war und dem Zweiten Schützenmeister diese trotz Aufforderungen auch nicht vorgelegt wurden. Die Versammlung war schließlich damit einverstanden, dass Kathrin Schallmoser als Mitglied des Vorstandes von ihr gemachte Notizen zu den jeweiligen Tagesordnungspunkten verlas. Schwerpunkt war die Standverpachtung an Albert Kiener sowie der nicht vorgelegte Pachtvertrag. Hierzu gibt es wohl gegensätzliche Versionen und einen von Achim Schallmoser gerügten Vorstandsbeschluss.

Demnächst Neuwahlen

Schließlich verlas Günter Gilch den Antrag auf "Abberufung des Schützenmeisters ohne Entlastung", zu dessen Begründung insgesamt elf Verstöße gegen die Satzung bzw. die Sportordnung von OSB und DSB aufgelistet waren. Bei der Abstimmung sprachen sich 58 Mitglieder für die Abberufung des Schützenmeisters aus bei 32 "Nein-Stimmen" und vier Enthaltungen. Mit 56 "Ja"-Stimmen wurde auch Schriftführer Michael Benner abberufen, dem das Verfassen eines falschen Beschlusses und eine falsche Protokollierung im Zusammenhang mit dem Pachtbeschluss vorgeworfen wird.

Der verbleibende Vorstand wird den Verein kommissarisch weiterführen bis zu den zeitnah vorgesehenen Neuwahlen. Ein weiterer Bericht folgt.

Nach unserer Auffassung verstößt der erste Schützenmeister mit seinem Verhalten gegen die Satzung und handelt somit vereinsschädigend.

Zweiter Schützenmeister Günter Gilch

Zweiter Schützenmeister Günter Gilch

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