19.07.2019 - 17:02 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Schweres Gepäck für Berlin

25 Kilo auf dem Rücken und dazu noch ein Maschinengewehr. "Da muss man schon fit sein", merkt Karl Holmeier. Beim Termin in der Oberviechtacher Grenzlandkasere haben die Soldaten aber noch ein schweres Paket für dem MdB geschnürt.

Bundestagsabgeordneter Karl Holmeier (rechts) testet die optische Ausrüstung der Bundeswehr und staunt über ein Fernglas, mit dem man 25 Kilometer weit sehen kann. Im Hintergrund der Panzer "Puma", der seit dem vergangenen Jahr Geräte aus den 70er Jahren ersetzt.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Eigentlich sollte am Freitag der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Silberhorn in die Grenzlandkaserne nach Oberviechtach kommen. Doch der Wechsel an der Spitze des Verteidigungsministeriums erforderte seine Anwesenheit in Berlin. Dafür nahm sich Bundestagsabgeordneter Karl Holmeier (CSU) viel Zeit für die Anliegen der Bataillonsführung. Zeit genug, einen Eindruck zu bekommen vom System "Panzergrenadier mit Schützenpanzer Puma". Der Politiker hatte auch nichts dagegen, für ein paar Minuten sein Jacket gegen ein Schutzwesten-System zu tauschen, das der "Infanterist der Zukunft" trägt.

Holmeier hatte bereits rund drei Stunden mit dem stellvertretenden Kommandeur Oberstleutnant Michael Zweers und seinem Stab konferiert, bevor es zum "Großgerät" auf dem Gelände der Grenzlandkaserne ging. In Reih und Glied warteten rund ein Dutzend Modelle des Schützenpanzers Puma. Aber das war noch lange nicht alles. Die Oberviechtacher Soldaten nutzten die Gelegenheit, um optische Geräte, Maschinengewehre und Munition zu präsentieren und hatten auch jede Menge Details parat. "Wir verfügen über eine Top-Ausrüstung der absoluten Spitzenklasse", bestätigte Oberstleutnant Zweers. "Das kann sich weltweit sehen lassen." Weil im Umgang mit den hochkomplexen Geräten aber alles passen muss, sind trotzdem noch Wünsche offen. Der stellvertretende Kommandeur machte deutlich, dass der Panzer aus Sicherheitsgründen ohne eine spezielle Vorrichtung nicht näher als 35 Meter an zivile Personen herankommen darf, und auch dass es manchmal nur um eine simple Schutzplane für die parkenden Fahrzeuge geht, erfuhr der Gast aus Berlin.

43 Tonnen, 1088 PS

Oberfeldwebel Christian Walter versorgte den Abgeordneten mit den Daten zu dem 43 Tonnen schweren und 1088 PS-starken Puma, mit dem die Panzergrenadiere vom analogen ins digitale Zeitalter wechseln. Ein tragbarer Führungsrechner sorgt dafür, dass die Soldaten komplett vernetzt sind, er gehört zur Truppführer-Ausstattung. Jeweils ein Fahrer, ein Richtschütze und ein Kommandant bilden zusammen mit einem Team von sechs weiteren Personen die Besatzung eines Puma. MdB Holmeier konnte bei dieser Gelegenheit auch die optischen Instrumente für den Einsatz kennenlernen, vom Nachtsichtgerät über ein Objektiv, mit dem man über Ecken schauen kann bis in zum Fernglas, das in 25 Kilometer weit reicht und auch noch Daten zur Entfernung liefert.

Dazu kamen Informationen zu den Baumaßnahmen, für die in den nächsten Jahren 24 Millionen Euro investiert werden: Unterkünfte sollen auf den neuesten Stand gebracht werden, eine zentrale Waffenkammer ist in Planung, außerdem sind eine neue Sporthalle, Unterstell-Flächen und Ausbildungseinrichtungen angedacht. "Uns geht die Arbeit nicht aus", merkte beim Pressetermin mit Oberpfalz-Medien Oberst Hans-Jürgen Neubauer als Leiter des Kompetenzzentrums Baumanagement an. Bis Mitte 2020 rechnet er damit, dass die neuen Unterkünfte für Soldaten mit Einzelzimmer und eigener Dusche zur Verfügung stehen. Da man vorwiegend Wochenend-Pendler bei den Mannschaftssoldaten habe, sei das ein wichtiger Punkt, bestätigte der stellvertretende Kommandeur.

"Ich sehe, dass die Bundeswehr bei uns gut aufgestellt ist, wertvolle Arbeit leistet und bestens eingebunden ist", lautete schließlich die Bilanz von Holmeier. Letzteres sei auch ein Grund dafür, das der Standort mit seinen rund 600 Soldaten erhalten bleibe. "Derzeit ist kein Standort gefährdet", ergänzte der Politiker, "es geht eher in die andere Richtung". Er rechnet damit, dass das Personal der Bundeswehr aufgrund weltpolitischer Veränderungen von 180 000 auf 200 000 aufgestockt wird. Was den Bedarf in Oberviechtach betrifft, meinte Holmeier, dass es da oft nur um einfachen Sachen gehe: Rucksäcke, Jacken, eine Plane oder Trennungsgeld. "Das ist wichtig für die Attraktivität, dafür, dass sich die Bundeswehr hier wohl fühlt. Im Gegenzug stellt Oberstleutnant Zweers klar: "Wir kämpfen für Sie, wenn Sie uns das bereitstellen, was wir zum Kämpfen brauchen."

"Erfahrungsträger"

Welches Gewicht so ein Kämpfer mit sich herumschleppt, konnte der Abgeordnete dann am eigenen Leib erfahren. Inklusive Maschinengewehr wog die Ausrüstung 30 Kilometer, mit der er im Laufschritt ein paar Schritte riskierte, während der stellvertretende Kommandeur zu Vorsicht mahnte: Holmeier sei jetzt schließlich Erfahrungsträger mit einer Botschaft für Berlin. Der Bundespolitiker versprach, den schweren Rucksack an Infos bei den Haushaltsberatungen auszupacken - "zur vollumfänglichen Einsteuerung von Prozessen", wie Zweers betonte. Nicht zuletzt ist auch das pächterlose Soldatenfreizeitheim Emil-Kemmer-Haus nicht vergessen: Holheimer kündigte dazu Gespräche an mit der Vorsitzenden der Katholische Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung (KAS), Gisela Manderla.

MdB Karl Holmeier testet die Ausrüstung "Infanterist der Zukunft" und weiß jetzt, mit welcher Last die Soldaten im Ernstfall in den Kampf ziehen müssten.
Stellvertretender Kommandeur Michael Zweers, MdB Karl Holmeier, Soldat in voller Ausrüstung, Reinhold Malzer von der Fördergesellschaft des Deutschen Bundeswehrverbands und Hans-Jürgen Neubauer vom Kompetenzzentrum Baumanagement positionieren sich zum Erinnungsfoto.
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