13.07.2018 - 16:36 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Vom Suchen und Finden der Heimat

Es ist die Geschichte eines Mannes, der 1856 in Maxhütte-Haidhof geboren wurde. Sein schicksalgeprägtes Leben macht die Zuhörer bei der Autorenlesung der Kunstfreunde betroffen.

„Vieles im Roman ist authentisch, auch wenn es unter anderem Namen erscheint!“, sagt Gerda Stauner.

(lg) "Die Dinge der Vergangenheit dem Vergessen zu entreißen", ist das Ziel von Gerda Stauner, die demnächst ihren dritten Roman auf den Markt bringt. Aus ihrem Werk Nummer 2 mit dem Titel "Sauforst" las sie im voll besetzten Kulturzentrum der Marktsmühle auf Einladung der Freunde der Kunst. Der Name "Sauforst" ist keine Erfindung der Autorin, sondern bezeichnet das Gebiet um Maxhütte-Haidhof, wo Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem Bau des Hüttenwerks, benannt nach König Max II. von Bayern, auch die Handlung des Romans anfängt.

Im Sauforst werden Schienen für den Eisenbahnbau in Bayern hergestellt und das lockt Wanderarbeiter in die Oberpfalz. Die Romanfigur Giacomo Verducci ist einer von ihnen und er lässt die schwangere Maria zwischen den Fabrikhallen zurück, um nach Amerika auszuwandern. Zwanzig Jahre später macht sich sein Sohn Anton nach dem Tod der Mutter ebenfalls auf die Reise, um seinen Vater zu finden. Das Leben von Anton Beerbauer mit seinen drei Ehen und sieben Kindern steht im Mittelpunkt des Romans, der auch den Stammbaum dieses rastlosen Mannes vorstellt.

Frieden gefunden

Scheitern und Wiederaufstehen prägen sein Leben. Der Romanuntertitel "Vom Suchen und Finden der Heimat" bringt diese Haltung auf den Punkt. Frieden findet er in der harmonischen dritten Ehe mit 50 Jahren, als er auch seine berufliche Selbstverwirklichung erreicht hat. Die "Radlflickerei" hat es ihm angetan in einer Zeit, als sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Fahrrad als boomendes Fortbewegungsmittel etabliert.

Davon las die Autorin nicht, aber sie bezog Episoden aus den verschiedenen Handlungsebenen des Romans in ihre Vorstellung ein. Das Werk beginnt mit der Ich-Erzählerin in der Gegenwart. Die junge Frau ist die Urenkelin des Romanhelden und erinnert sich an ihre Kindheit, als sie jeden Freitag einer "wunderlichen alten Großtante" duftende hellbraune Rohrnudeln in ein geheimnisvolles "Hexenhäusl" am Ortsrand bringen muss. Die alte Großtante steht für ein Tabu in der Familiengeschichte. Die erste Episode der Lesung bleibt für sich stehen, als das Geschehen in die unbeschwerte Kindheit der Hauptfigur Anton Beerbauer wechselt. Seine ledige Mutter hatte eine Anstellung in der Direktorenvilla der Maxhütte bekommen, wo der Junge ein unbeschwertes Auskommen hat.

In allen vorgelesenen Episoden spürt der Zuhörer die detailorientierte Recherche der Autorin. Wenn sie liest, ist es mucksmäuschenstill im Saal. Die Zuhörer leiden mit dem jugendlichen Anton, der sein Geld verspielt und sich in die Regensburger Brauerstochter Anna Feingruber verliebt, seine erste Ehefrau, die mit 27 Jahren im Kindbett stirbt. Als Hirschenwirt in Parsberg ist er nicht gerade erfolgreich, weil er selbst sein bester Kunde ist. Die Verzweiflung, aber auch der Lebenswille Antons finden während der Lesung immer wieder eine stimmungsvolle musikalische Untermalung.

Manfred Mederer am Akkordeon und der Ehemann der Autorin, Adi Spangler, an der Gitarre kommentieren mit ihren Beiträgen die vorgetragenen Episoden. "Alles ist zu macha, wennst de traust" bezieht sich auf Antons Streben nach Höherem. Hubert von Goiserns "Hearst as ned, wia die Zeit vergeht" ist ein musikalischer Höhepunkt des Abends.


Literatur und Musik

Die Vorsitzende der Freunde der Kunst, Monika Krauß, lobt in ihren Dankesworten am Schluss das "kongeniale Zusammenwirken" von Literatur und Musik. Konzentration, Stille, Betroffenheit um das Schicksal der Hauptfigur Anton Beerbauer prägt die Stimmung beim Publikum. Gerda Stauner darf zum Ende noch viele Bücher signieren.

Adi Spangler (Gitarre) und Manfred Mederer (Akkordeon) untermalten die vorgetragenen Episoden mit stimmungsvollen Mundartliedern.

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