05.09.2018 - 19:45 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Waffenrecht mit Augenmaß

Jäger und Sportschützen dürfen nicht kriminalisiert werden, nur weil sie im Besitz einer Waffe sind. Darauf verweist Innenminister Joachim Herrmann beim Fachgespräch im Schützenheim Oberviechtach.

von Gertraud Portner Kontakt Profil

(ptr) Bürgernah präsentierte sich am Mittwochnachmittag Staatsminister Joachim Herrmann rund eineinhalb Stunden lang im Schützenheim Oberviechtach. Auf Einladung des CSU-Stimmkreisabgeordneten Alexander Flierl („Das gesellschaftliche Leben wird von den Vereinen getragen, der Staat muss Mittel und Rahmenbedingungen stellen“), diskutierte der Spitzenpolitiker mit Vertretern von Sport- und Schützenverbänden. Schließlich ist Herrmann nicht nur Innenminister, sondern seit 2013 auch Sportminister und für das Ehrenamt sowie das Waffenrecht – was Schützen und Jäger betrifft – zuständig. Der gebürtige Münchener kennt auch die Vereinsschiene als Mitglied bei der Königlich Privilegierten Hauptschützengesellschaft Erlangen. „Ich werde öfters als Schützenminister betitelt“, begann er sein etwa 20-minütiges Einführungsreferat. Er informierte, dass der Förderstau abgebaut und die Vereinspauschale gesteigert wurde. Auch wenn der FC Bayern München die Schlagzeilen beherrsche, „das eigentliche sportliche Leben in Bayern wird geprägt von den Millionen ehrenamtlich geführten Vereinen.“ Als Vater von drei Kindern wisse er, welch großartige Jugendarbeit geleistet wird. Deshalb sei auch die aktuelle Sportförderung um 25 Prozent höher als noch vor vier Jahren. „Das Ziel der nächsten Legislaturperiode ist es, dies noch zu verstärken.“

Ärger mit der Bürokratie

Thema war natürlich die geplante Verschärfung des Waffenrechts (EU). Hier sei Bayern dran, dass auf Jäger und Schützenvereine keine weitere Belastung zukommt. „Waffen für alle ist nicht verantwortbar“, so der Minister. Aber umgekehrt dürften auch nicht alle, die eine Genehmigung haben und sorgsam mit Waffen umgehen, diskriminiert oder kriminalisiert werden. „Mit Augenmaß und gesundem Menschenverstand handeln!“ Diese Aussage kam noch öfters bei der anschließenden Diskussion. Der Gast hört zu, macht sich Notizen. „Detailfragen nehmen wir mit und klären diese mit den zuständigen Stellen“, betont MdL Alexander Flierl. Ludwig Dirscherl, stellvertretender Gauschützenmeister, regt eine Erleichterung für den Erwerb und die Aufbewahrung von Zimmerstutzen an. „Das ist Bundesrecht. Aber ich werde jetzt mit Innenminister Seehofer einen dritten Anlauf unternehmen“, verspricht Herrmann. Seine zweite Baustelle sei die Entbürokratisierung beim Böllerschießen (Änderung des Beschussgesetzes), was auch Christoph Zinkl, Referent des Oberpfälzer Schützenbundes vorbringt Gaujugendleiterin Martina Herrmann wünscht sich, dass Eltern von Jungschützen die KK-Waffen des Vereins transportieren dürfen. Und Michael Günter vom BLSV regt eine „Steuerfrei-Card“ für Aufwendungen von ehrenamtlichen Funktionären an. Stefan Gäbl (Vorsitzender FC OVI-Teunz und SpVgg Teunz) spricht hohe Ausgaben, Nachteile im Steuerrecht und die Veranstaltungs-Bürokratie an: „Wenn ein Sportverein in einem Jahr kein Fest organisiert, ist er pleite. Den Politikern ist gar nicht bewusst, mit was wir uns rumschlagen müssen!“ Und das sei nicht nur der Brandschutz. „Ich bin selber Jurist, und weiß, dass wir uns oft in den Richtlinien verhaken“, gibt der Innenminister zu. Weltfremde Sachen sollten aber auf den Prüfstand („bitte an uns melden“).

Alexander Flierl dankte dem Innenminister mit einem Eisenbarth-Elixier fürs Kommen und empfahl: „Sollte aus Gründen der inneren Sicherheit nur in geringen Mengen eingenommen werden.“ Mit Blick auf die Flasche meinte Herrmann enttäuscht: „38 Prozent ist zu wenig!“ Das war das Stichwort für einen „Werbeblock zur Landtags- und Bezirkstagswahl“ durch Landrat Thomas Ebeling – auch für die beiden anwesenden CSU-Kandidaten Manfred Wendl und Christina Bauer.

Es ist nicht so, dass jeder der eine Waffe trägt, ein Gewalttäter ist.

Innenminister Joachim Herrmann

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