25.02.2019 - 18:23 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Weich und warm: Die Python

Mit Vorurteilen gegenüber Schlangen und Spinnen will der Reptiliensachverständige Manfred Werdan aufräumen. Er bietet deshalb keine "Reptilienshow", sondern einen etwas anderen Biologieunterricht.

Keine Berührungsängste mit der Königspython oder mit der Hornviper (im Hintergrund) haben diese Schüler zum Abschluss des Vortags.
von Georg LangProfil

"Igitt, die sind ja eklig!" Diese Einschätzung revidierten die Schüler der sechsten und achten Klassen des Ortenburg-Gymnasiums nach der Kontaktaufnahme. Schlangen, Chamäleons, Lurche, Vogelspinnen und "alles, was so kreucht und fleucht" brachte Reptiliensachverständiger Manfred Werdan nämlich zum etwas anderen Biologieunterricht mit. 90 Minuten lang erklärte und zeigte Werdan seine giftigen und ungiftigen Lieblinge als Botschafter für mehr Verständnis und den Abbau von Vorurteilen gegenüber Reptilien und Gliedertieren.

Eher skeptisch blicken die Mädchen und Jungen auf den Tisch in der Mensa. Ein Axolotl planscht da in einem kleinen Becken und der Reptilienfachmann greift in seine große Holzkiste, um den ersten von vielen Säcken herauszuholen. Was da drin ist, ist den Kindern klar: Schlangen!

Die Neugier siegt über mögliche Vorurteile und nachdem Werdan einiges erzählt hat, angefangen von Schlangen in der Mythologie, deren Entwicklung und jeweilige Abstammung, sieht eine Python schon gar nicht mehr so gefährlich aus. Vor allem, wenn das Tier sich streicheln lässt und gar nicht glitschig und eklig ist, sondern samtweich und angenehm warm. Da merkt man sich gleich besser, warum Schlangen wechselwarme Tiere sind und was es damit auf sich hat. Der Tier- und Artenschutz liegt dem Altöttinger sehr am Herzen. Er macht auch klar, dass Starterkits mit kleinen Terrarien aus dem Baumarkt eigentlich keine artgerechte Haltung ermöglichen.

Mit der europäischen Hornviper in der Hand erklärt der Sachverständige, wie sich Schlangen fortpflanzen. Dass eine Chamäleon-Zunge nicht klebrig ist, sondern geschickt Insekten, die sie erwischt, einklemmt, war für viele ebenfalls neu. Ebenso alles über den Blauzungenskink und warum man zum Beispiel Schildkröten und andere Tiere erst halten sollte, wenn man sich das vorher mit der Arbeit und dem Platz gut überlegt hat. Für die Achtklässler hatte Manfred Werdan vor allem Insekten und Gliedertiere dabei. So erklärte er am "Wandelnden Blatt" und der "Stabheuschrecke" die perfekte Anpassung der Insekten an die Umgebung zum Schutz vor Fressfeinden, was als Mimese bezeichnet wird. Als Sachverständiger der Regierung von Oberbayern für Reptilien und Amphibien wird Werdan auch manchmal von Zoll, Polizei oder Feuerwehr um Rat gefragt, wenn geschmuggelte Tiere auftauchen oder vermeintliche Tierliebhaber überprüft werden. Biologielehrerin Maria Hartenberger freute sich über das Interesse der Kinder,die ihr Biologiewissen mit viel Freude und Eifer zum Halbjahr nochmals auffrischen konnten.

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