Oberviechtach
04.01.2019 - 15:19 Uhr

Weihrauch gegen böse Geister

Die einen vertrauen auf den Drudenfuß, andere auf Räucherwerk. In beiden Fällen ist der Übergang von Aberglaube zu Brauchtum fließend. Das Dreikönigsfest rückt diverse Abwehrmechanismen ins Blickfeld.

Kreisheimatpfleger Ludwig Berger aus Eigelsberg zieht zusammen mit seinem Enkel Josef am Vorabend von Heiligdreikönig mit einem kleinen Rauchfass durch das Haus. Früher diente ein gusseisernes Kohlebügeleisen als "Räucherpfanne". Bild: lg
Kreisheimatpfleger Ludwig Berger aus Eigelsberg zieht zusammen mit seinem Enkel Josef am Vorabend von Heiligdreikönig mit einem kleinen Rauchfass durch das Haus. Früher diente ein gusseisernes Kohlebügeleisen als "Räucherpfanne".
Eine künstlerische Besonderheit ist der Dreikönigsschrein von Reiner Reisinger. In dieser mit reichem Schnitzwerk versehenen Truhe werden die Utensilien des Dreikönigsfestes wie Weihrauch, Kohle und Kreide aufbewahrt. Bild: lg
Eine künstlerische Besonderheit ist der Dreikönigsschrein von Reiner Reisinger. In dieser mit reichem Schnitzwerk versehenen Truhe werden die Utensilien des Dreikönigsfestes wie Weihrauch, Kohle und Kreide aufbewahrt.

(lg) Die Weihnachtskrippe, die zu Beginn des neuen Jahres schon vielfach an Interesse eingebüßt hat, rückt zum 6. Januar noch einmal ins Blickfeld. An diesem Tag bekommen die Krippenfiguren nämlich Zuwachs, wenn die Heiligen Drei Könige aufziehen, um dem Jesuskind zu huldigen. Beim Dreikönigsfest, mit dem in den Familien die Weihnachtszeit abgeschlossen wird, entfaltet sich in vielen Haushalten ein religiöses Brauchtum, zu dem die Beschriftung der Türen mit den Initialen der Weisen aus dem Morgenland gehört.

"20 C + M + B 19" ist heuer zu lesen. Was neben der rahmenden Jahreszahl volkstümlich als Caspar, Melchior und Balthasar gedeutet wird, ist im religiösen Sinn die Abkürzung für "Christus Mansionem Benedicat" (Christus segne dieses Haus). Diesem Segensspruch werden auch die Sternsinger gerecht, die in den Pfarreien von Haus zu Haus ziehen und heuer um Spenden besonders für notleidende Kinder in Peru bitten.

Neben der religiösen Beschriftung der Türen erfolgt in vielen Familien auch noch die Besprengung der Räume mit Weihwasser und der Einsatz des wohlriechenden Weihrauchs. Kreide, Wasser und Weihrauch segnet der Priester am Tag vor Dreikönig in der Kirche. In so manchem Haushalt gibt es sogar ein eigens dafür kreiertes Behältnis. Der alte Brauch, der mit dem häuslichen Zeremoniell des Räucherns verbunden ist, knüpft an die Rauhnächte an, bei denen das Anwesen vor bösen Geistern geschützt werden musste. Früher wurden nicht nur die Türen mit geweihter Kreide beschriftet, sondern auch Schränke, Truhen und die Bettstatt wurden mit drei Kreuzen versehen. Mancherorts wurde zur Abwehr böser Geister sogar der Drudenfuß (fünfzackiger Stern in einem Zug gezeichnet) angebracht, wie er auch in Goethes "Faust" zum Einsatz kommt.

Die Reliquien der Heiligen Drei Könige finden bis heute ein hohe Verehrung im Dom zu Köln. Sie waren aber nicht immer dort. In einem Politikum wurden sie 1164 von Mailand nach Köln gebracht. Sie gelten als Schutzpatrone der Reisenden und viele Gasthäuser mit dem Beinamen "Mohr", "Stern" oder "Krone" leiten ihr Herbergspatronat von den Heiligen Drei Königen ab.

 
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