17.03.2020 - 10:42 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Zu wenige Anreize für den Lehrerberuf

Sie sollen Erzieher, Therapeut und Manager in einer Person sein – doch es gibt zu wenige von ihnen. Die Versuche der Politik, den Lehrermangel zu beheben, stoßen in der Jahresversammlung des BLLV-Kreisverbandes auf deutliche Kritik.

BLLV-Vorsitzende Ortrud Sperl (links), Zweite Bürgermeisterin Christa Zapf und stellvertretender Bezirksvorsitender Manuel Sennert (von rechts) ehrten die langjährigen Mitglieder (mit Urkunde, von links) Rudolf Teplitzky und Waltraud Eichstätter.
von Annemarie MösbauerProfil

Ortrud Sperl, Vorsitzende des Kreisverbandes des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), eröffnete die Jahreshauptversammlung und hieß vor allem Neumitglied Anna Sorgenfrei willkommen. In ihrem Rückblick auf das vergangene Jahr erinnerte sie unter anderem an den Vereinsausflug nach Pilsen mit Stadtführung und Besuch des Techmania Science Centers und den Vortrag über Neuerungen in der Beihilfe.

Im Jahresverlauf durfte sich der BLLV über fünf neue Mitglieder freuen, zwei davon gehören nach Versetzung mittlerweile einem anderen Kreisverband an. Für den Vereinsausflug ist heuer eine Fahrt nach Regensburg mit Besichtigung des Hauses der Bayerischen Geschichte und einer Schifffahrt zur Walhalla geplant. Zweite Bürgermeisterin Christa Zapf brachte den Lehrern ihre Wertschätzung zum Ausdruck. Immer größer würden die an sie gestellten Anforderungen, sei es von Seiten des Ministeriums oder bedingt durch die soziale Struktur der Schüler in den Klassen.

Die aktuelle Situation in der Schullandschaft beleuchtete Manuel Sennert, stellvertretender BLLV-Bezirksvorsitzender, in seinem Referat. Er verwies darauf, dass Kultusminister Michael Piazolo dem akuten Lehrermangel "mit drastischen Maßnahmen" begegne. Unter anderem müssten Grundschullehrer mehr Stunden leisten, es gebe schlechtere Teilzeitmöglichkeiten und weniger Alterszeitmodelle, außerdem sei der Antragsruhestand gestrichen worden. Darauf habe der Verband mit Protestkarten an den Kultusminister reagiert.

"Mit solchen Perspektiven lassen sich keine jungen Leute für das Lehramtsstudium locken", sagte Manuel Sennert. Laut seinen Ausführungen wird es im Bereich der Mittelschule kein Arbeitszeitkonto geben. Das Kultusministerium wisse schon jetzt, dass man es in fünf oder sechs Jahren nicht zurückzahlen kann, weil es zu wenige Mittelschullehrer gebe. Sennert warb für eine Mitgliedschaft im BLLV, der sich der Probleme der Lehrer als starker Partner annehme.

Der Funktionär verdeutlichte die gestiegenen Anforderungen an die Lehrkräfte. Die ursprünglichen Vermittler von Wissen und Können müssten heute in einer Person Erzieher, Psychologen, Sozialarbeiter, Manager, Therapeuten und oft sogar Vater- oder Mutterersatz sein. In den Klassen säßen heute Verwöhnte, Vernachlässigte, Überflieger, Förderbedürftige, Kinder mit ADHS oder Dyskalkulie, Schüler mit Migrationshintergrund ohne Deutschkenntnisse, Schulverweigerer sowie brave Kinder, die etwas lernen wollen.

Der BLLV-Funktionär schilderte, dass viele Kollegen nicht abschalten könnten, und diese Sorgen und ungelösten Probleme aus der Schule mit nach Hause nehmen würden. Damit beginne ein Teufelskreis, der an die Gesundheit so manchen Lehrers geht. Angesichts dieser Situation forderte Manuel Sennert im Namen des BLLV mehr Wertschätzung für die Arbeit der Lehrkräfte durch die Politik.

Ehrungen:

Vorsitzende Ortrud Sperl, Verbandsfunktionär Manuel Sennert und Zweite Bürgermeisterin Christa Zapf ehrten vier Mitglieder: Waltraud Eichstetter (25 Jahre Mitglied, seit 2016 in der Vorstandschaft), Rudolf Schneider (25 Jahre Mitglied), Rudolf Teplitzky (45 Jahre Mitglied, 39 Jahre in der Vorstandschaft, 1977 bis 1987 ABJ-Vorsitzender, 1987 bis 1992 stellvertretender Kreisvorsitzender, 1992 bis 2016 Kreisvorsitzender, seit 2016 Ehrenvorsitzender und Pensionistenbetreuer) sowie Gerhard Kühner (25 Jahre Mitglied). Mit einer Urkunde und einem Gutschein bedankte sich der Kreisverband für die langjährige Treue. (amö)

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