30.09.2021 - 10:39 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Den Wunsch auf ein "Sterben in Würde" frühzeitig dokumentieren

Schwerstkranke Menschen, die nicht mehr ins Krankenhaus möchten, sollten dies für den Notarzt gut erkennbar hinterlegen. Der Oberviechtacher Chefarzt Dr. Christian Glöckner setzt auf den neuen Palliativ-Notfallbogen.

Eine Hand die hält, tröstet und begleitet: Schwerstkranke Menschen, die ihre letzten Lebensstunden zu Hause und nicht im Krankenhaus verbringen wollen, können dies im neuen Palliativ-Notfallbogen vermerken.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Schon frühzeitig sollten sich Menschen Gedanken über ihr Lebensende machen. Fragen wie "Wünsche ich mir als schwerstkranker und sterbender Mensch in einem akuten Notfall eine Herz-Lungen-Wiederbelebung?" oder "Will ich noch einmal ins Krankenhaus und was will ich auf gar keinen Fall?", sollten am besten schriftlich beantwortet und auch für den Notarzt gut sichtbar hinterlegt werden. "Ohne diese Informationen geht vor allem in der häuslichen Versorgung palliativer Patienten der im Notfall herbeigerufene Arzt auf Nummer sicher", sagt Dr. Christian Glöckner, Chefarzt an der Asklepios Klinik Oberviechtach und Netzwerkkoordinator des Palliativ-Hospiz-Netzwerkes Schwandorf.

"Jeder Mensch hat ein Recht auf ein Sterben unter würdigen Bedingungen." Diese zentrale Botschaft steht auf der Urkunde, welche die Partner im Palliativ-Hospiz-Netzwerk des Landkreises Schwandorf im Jahr 2015 unterzeichnet haben. Um zu vermeiden, dass palliative Patienten gegen ihren eigentlichen Wunsch ihre letzten Stunden im Krankenhaus verbringen müssen oder sogar wiederbelebt werden, wurde nun ein Notfallbogen entwickelt. Glöckner verweist darauf, diesen ausgefüllt und gut sichtbar am oder neben dem Bett des Patienten anzubringen. Enthalten sind auch Angaben über die nächsten Angehörigen und dazu, ob eine ausführliche Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung vorliegen, beziehungsweise wo diese zu finden sind.

Vorstellungen definieren

"Es sind schon einige Patienten am Ende ihres Lebens intubiert und beatmet auf die Intensivstation verbracht worden, obwohl sie sich die letzten Stunden in ihrem gewohnten Umfeld gewünscht hätten", erklärt der Chefarzt. Er appelliert deshalb daran, dass unheilbar Kranke ihre Vorstellungen vom Lebensende frühzeitig und deutlich definieren. Dafür gut geeignet sieht er den neu entwickelten Palliativ-Notfallbogen an, da auch Daten über wichtige Ansprechpartner enthalten sind. "Wir hoffen, dass wir mit diesem Projekt eine klare Informationsgrundlage am Patientenbett schaffen, wichtige Wünsche des Patienten für jeden Behandler sofort zugänglich machen und damit unseren Patienten helfen, ihre letzten Tage und Stunden so zu verbringen, wie sie es sich vorgestellt haben."

Rundschreiben an Hausärzte

Wie der Chefarzt des Krankenhauses erklärt, sei zur möglichst breiten Verteilung bereits ein entsprechendes Rundschreiben an die Hausärzte, Pflegedienste und Pflegeeinrichtungen gegangen. Bei Interesse können Betroffene und ihre Angehörigen direkt einen Palliativ-Notfallbogen per E-Mail an info[at]palliativ-hospiz-netz-sad[dot]de anfordern. Wie Dr. Christian Glöckner weiter betont, ist diese Initiative für die Mitglieder des Palliativ-Hospiz-Netzwerks "nicht nur ein wichtiger Schritt, den Patienten ein Sterben in Würde zu ermöglichen, sondern auch eine psychische Entlastung für die Notärzte und Rettungssanitäter, weil sie mit dem Notfallbogen wissen, was sie zu tun haben".

Ziele des Netzwerkes

Vor sieben Jahren haben sich im Palliativ-Hospiz-Netzwerk im Landkreis Schwandorf alle an der Versorgung schwerstkranker und sterbender Menschen Beteiligten (wie Krankenhäuser, Hospizvereine, ambulante Palliativversorger, Krankenkassen) zusammengeschlossen, um die Versorgung dieser Patienten zu verbessern. Damit können nun mehr Patienten, die sich das wünschen, eine palliative Begleitung bekommen. Die Initiative will der Bevölkerung auch den Palliativgedanken näher zu bringen. Dazu fanden vor der Corona-Pandemie mehrere Infoveranstaltungen und Fortbildungen statt. Das Netzwerk bietet auch eine Plattform für alle Beteiligten, sich untereinander zu unterstützen und zu beraten.

Monika Kagerer von Pallicura Schwandorf referierte über ambulante Palliativversorgung

Oberviechtach

Details zur Gründung des Palliativ-Netzwerkes im Landkreis Schwandorf

Hintergrund:

Palliativ-Netzwerk im Landkreis Schwandorf

  • Die Gründung auf Kreisebene fand im Jahr 2014 mit dem Ziel statt, unheilbar kranken Patienten ein menschenwürdiges Lebensende zu ermöglichen.
  • Acht Palliativ-Netzwerkpartner aus dem Landkreis unterzeichneten im April 2015 eine gemeinsame Charter der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin und der Bundesärztekammer.
  • Die zentrale Botschaft der Urkunde: "Jeder Mensch hat ein Recht auf ein Sterben unter würdigen Bedingungen." Die Palliativmedizin bejaht das Leben und sieht das Sterben als einen normalen Prozess an, sie zögert den Tod nicht hinaus, beschleunigt ihn aber auch nicht.
  • Die Charta deckt fünf Themenbereiche ab: Ethik und Recht, Versorgungsstrukturen, Aus- und Fortbildung, Forschung und Globalisierung.
  • Partner des Netzwerkes im Landkreis sind: ambulante und stationäre Hospizdienste, Hausärzte, Krankenhäuser, spezialisierte ambulante Palliativversorgung, stationäre Pflegeeinrichtungen, ambulante Pflegedienste, Krankenkassen-Pflegeberatung, kirchliche Dienste, Gesundheitsamt und Fachstelle für Senioren am Landratsamt.

"Es sind schon einige Patienten am Ende ihres Lebens intubiert und beatmet auf die Intensivstation gebracht worden, obwohl sie sich die letzten Stunden in ihrem gewohnten Umfeld gewünscht hätten."

Dr. Christian Glöckner, Chefarzt an der Asklepios Klinik Oberviechtach und Netzwerkkoordinator des Palliativ-Hospiz-Netzwerkes Schwandorf

Dr. Christian Glöckner, Chefarzt an der Asklepios Klinik Oberviechtach und Netzwerkkoordinator des Palliativ-Hospiz-Netzwerkes Schwandorf

 

 

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