03.11.2019 - 10:53 Uhr
Oberwildenau/Luhe-WildenauOberpfalz

Al Capone auf der Ofenbank

Eine gemütliche Ofenbank an einem offenen Kamin hätte bei der Vorstellung der Autobiografie „Undercover“ von Siegbert Köhler einen idealen Rahmen abgegeben. Aus der angekündigten Lesung wurde ein lockerer Plausch.

Siegbert Köhler, auch genannt "Gummi-Siegi" signiert auf Wunsch seine Autobiografie.
von Walter BeyerleinProfil

Siegbert Köhler, benannt als Peep-Show-König und "Al Capone" gab den Veranstaltungen am Halloween-Abend die Mitschuld, dass der Zuhörerkreis sehr übersichtlich war. Halloween-Geister waren auch in den Geschichten Köhlers zu finden.

Und so erzählt der Autor, bei seiner Bundeswehrzeit undercover als Agent tätig gewesen zu sein, spricht über die Zeit als Detektiv. Undercover prägt Köhlers Leben auch im Porno- und Rotlichtmilieu. So schreibt er, ohne ins Detail zu gehen „den Auftrag bekommen zu haben, die branchenübliche Begleitkriminalität auszuforschen“. Um Kontakte zu den Prostituierten zu finden, wurde Siegbert Köhler zum „Gummi Siggi“.

Das war in den Jahren 1976/1977 Auslöser, in den Mord an einer Dame des Gewerbes verwickelt zu werden. Es hört sich vieles nebulös an, was Köhler berichtet. Die Frage bleibt, was er alles noch mehr weiß, was er nicht schreiben wollte. Reine Märchen hingegen können es auch nicht sein, die er zu Papier gebracht hat. Dazu ist zuviel Detailwissen aus der Biografie herauszulesen, wenn er sich als Insider der „Peep-Shows“ outet. Bei deren Einführung sei er wesentlich beteiligt gewesen.

Schließlich war er mit seinem Fachwissen auch im Österreichischen Fernsehen gefragt. 17 Jahre und 10 Monate agierte Siegbert Köhler in Wien, hatte engen Kontakt zu Sexgrößen wie Dolly Buster, aber auch zur österreichischen Politik. Seine Biografie enthält Bilder vom Wiener Opernball, bei dem er 1999 mit Dolly Buster als Begleiterin Aufsehen erregte. Beim Blick in die Geschichte des Balls ist zu lesen, dass Köhlers Begleitung das Kontrastprogramm zur Golden-Globe-Gewinnerin Faye Dunaway gewesen sei, die „Mörtel“ Lugner eingeladen hatte. Moderator war einst und auch 2019 zum 25. Mal der österreichische Sänger und Entertainer Alfons Haider.

Der Blick auf das Bild von Köhlers Fuhrpark wirft die Frage auf, woher das dafür notwendige Kleingeld gekommen ist. Nur soviel wird deutlich, er war beim Personalwechsel in 16 „Peep-Shows“ im Lande beteiligt. In seinem Buch macht der in Luhe wohnende Köhler Dankschreiben über Spenden an wohltätige Organisationen und Einrichtungen öffentlich und stellt damit seine Verbindung zum christlichen Glauben her. „Unmoralisch war ich", räumt er aber mit Blick auf den Einband des Werkes ein.

„Wir werden dein Buch genau lesen“, versprechen die Gäste am Tisch des Naabtalhauses. Am Donnerstag, 14. November, um 18 Uhr, lädt Köhler zur nächsten Lesung und Signierstunde ins Gasthaus Tretter in Luhe ein.

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