09.10.2020 - 13:48 Uhr
Oberwildenau/Luhe-WildenauOberpfalz

Freiraum-Serie: Morts viele Musikinstrumente

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Thomas Morts Leidenschaft sind Blechblasinstrumente. In seinem Keller hat sich der begeisterte Tubist aus Oberwildenau eine Werkstatt eingerichtet. Und macht bei Reparaturen allerlei lustige Entdeckungen.

Thomas Morts Lieblingsstück: Das Baritonhorn, das ihm sein Großvater zum 16. Geburtstag geschenkt hat.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

"Es hat mich schon immer fasziniert, wie aus einer Tafel Blech ein Instrument wird", sagt Thomas Mort. Der 54-Jährige hat im Keller seines Hauses in Oberwildenau, einem Ortsteil von Luhe-Wildenau (Kreis Neustadt/WN), drei Räume in Beschlag genommen. Sie sind gefüllt mit rund 150 Blech- und Holzblasinstrumenten, Koffern, unzähligen Werkzeugen, einer Schleifmaschine und einer Drehbank. Morts Hobby: Instrumente reparieren und verkaufen.

Sein erstes Instrument war ein Baritonhorn, das Mort von seinem Großvater zum 16. Geburtstag bekommen hat. "1470 Mark hat es gekostet", weiß der Oberwildenauer noch genau. Das Stück, etwas verkratzt und zerbeult, steht zwar im Verkaufsraum hinter vier glänzenden Hörnern. Verkäuflich ist es aber nicht. Müsste Mort ein Lieblingsstück in seinem vollgestellten Keller finden, er würde dieses wählen. Aber: "Mir ist alles ans Herz gewachsen." Mit dem ersten Instrument wuchs die Neugier, dieses zu reparieren. Vor 35 Jahren hat ihm Roland Keylwerth, "ein väterlicher Freund" aus Neustadt/Aisch, das Handwerk beigebracht: Wie repariert man die Maschine (Ventile)? Wie passt man die Stimmzüge an? Im Laufe der Jahre hat sich Mort viel selbst beigebracht. Am 16. August 1996 hat er ein Gewerbe angemeldet: Blasinstrumente & Zubehör Thomas Mort.

Stundenlanges Polieren

Seitdem erhält Mort nach der Arbeit bei Witt Weiden in seiner Freizeit Besuch von Kunden. Sie bringen ihre Instrumente, wenn etwas kaputt ist oder sie schief klingen. In seiner Werkstatt zerlegt der 54-Jährige Trompete, Tuba und Co. komplett, klopft mit verschieden großen Kugeln und kleinen Hämmerchen Beulen aus dem Blech, schleift und poliert das Metall. Die großen Teile bearbeitet Mort mit seiner Poliermaschine, schmiert erst ein bisschen Wachs auf eine gepolsterte Scheibe, die sich schnell dreht, und hält dann das Instrument dagegen. Das Gerät macht Krach, es riecht nach Wachs. Die kleinen Teile poliert Mort per Hand mit einem Baumwollstoffstreifen. "Da wird aus einem dreckigen Instrument ein sauberes." Nach ein paar Stunden "schaut es wieder aus wie neu. Das ist dann wunderschön."

Trotzdem: Das Basteln an Instrumenten soll Hobby bleiben. "Das ist mein Ausgleich", sagt der gelernte Kaufmann. Bei Witt Weiden leistet Mort als stellvertretender Betriebsratsvorsitzender vor allem Kopfarbeit. Am Abend im Keller etwas mit den Händen zu schaffen, befriedige ihn sehr: "Man sieht, was man gemacht hat." Nur selten muss ihn die Familie daran erinnern, wieder mal aus dem Keller herauszukommen.

Ein Zuverdienst sei das Hobby bisher nicht, erläutert der Oberwildenauer. Was reinkommt, investiere er wieder in neue Instrumente für den Verkauf. Oder in Werkzeuge: Alleine die Kugeln zum Ausbeulen kosten 2500 Euro. "Ich lebe nicht davon", betont Mort. Er werkelt je nach Lust und Laune: "Was man nicht immer machen muss, macht man lieber." Daher müssen Kunden manchmal auf die Reparatur warten. Wer die Zeit nicht hat, erhalte ein Leihinstrument.

Im Laufe der Jahre hat Mort seine Werkstatt immer weiter vergrößert. Zu Beginn hatte er nur eine Werkbank, erinnert sich Mort, der selbst Tubist ist. Dann sei es immer mehr geworden, "ich habe die Eltern aus dem Keller gedrängt". Die Speisekammer, der Holzlagerraum, ein Abstellraum - alles musste weichen. "Am Anfang waren sie nicht so begeistert. ,Wir sind doch kein Industriegebiet'", sollen sie gesagt haben. Mittlerweile haben die Eltern das Hobby ihres Sohnes akzeptiert, die Mutter hilft mit beim Pakete packen, der Vater nimmt die Post entgegen.

Nun hat Thomas Mort einen Verkaufsraum, in dem Klarinetten und verschiedene Hörner der Größe nach aufgereiht präsentiert werden, eine Werkstatt und ein Lager. Jede Ecke ist ausgenutzt, die Regale bis zur Decke mit Koffern, verbeulten Kelchen, Rohren aus verschiedenen Metallen, Ersatzteile gefüllt. An der Wand hängen Baupläne, 20 Zangen, 6 Bürsten.

Fundstücke in Instrumenten

Laut wird es beim Instrumente-Reparieren nur, wenn die Poliermaschine läuft. Dann wird's dreckig - und lustig, wenn Mort ein merkwürdiges Problem seiner Kunden löst. Einer soll zu Mort gesagt haben: "Ich höre immer Wasser im Horn." Mort schüttelt das Blechblasinstrument, es gluckert. Er zerlegt das Stück - und findet ein Fläschchen Schmieröl.

Ein anderer Kunde kam, weil "das Bariton so komisch klingt seit dem Auftritt in Weiden". Mort steckte eine Spirale rein: Raus kam eine Portion Käse. "Da haben wir lange gerätselt, bis wir das gefunden haben", lacht der Musiker. Auch Tapetenstücke, Konfetti, Kaugummis habe er rausgeholt.

Mort weiß, wie es bei Auftritten zugeht. Der Tubist liebt "schöne, böhmische Blasmusik", Stücke von Ernst Mosch oder Hans Makos. "Polka, Walzer, Marsch - das ist meins." Bierzelt-Schunkelmusik oder moderne Brass-Musik mag der 54-Jährige nicht. Er war selbst drei oder viermal beim Kölner Karnevalsumzug dabei, spielte früher bei den Original Oberpfälzer Musikanten, bei der Kleinen Blechmusik, der Stadtkapelle Weiden, der Blaskapelle Oberwildenau. Er ist in Deutschland, Österreich, Ungarn und Frankreich aufgetreten. Weil er inzwischen nicht mehr so viel Zeit hat, hat Mort das Musizieren reduziert. Nur bei den Weiher-Musikanten spielt er heute noch mit. "Ich bin begeisterter Tubist - gefürchtet vielleicht auch." Gefällt ihm etwas nicht, sage er das sehr direkt: "Gehen zwei Musiker von der Bühne. Sagt der eine: ,Heute wars wieder schön.' Sagt ein Gast: ,Für euch vielleicht.'"

Mit dem Wissen, das sich Thomas Mort über viele Jahre angesammelt hat, kann er nicht nur Instrumente reparieren, sondern auch selbst welche fertigen. So entsteht aus einer Tafel Neusilber zum Beispiel ein Flügelhorn. Der Name der Einzelstücke ist Programm: "Just 4 Friends". In unserer Serie "FreiRäume" stellen wir immer samstags Oberpfälzer mit besonderen Hobbys vor - und die Räume, in denen sie sie ausleben.

Die Serie mit interaktiven 360-Grad-Bildern

Ein Artikel über den Whiskey-Stollen von Peter Bierbrauer in Poppenricht

Poppenricht

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