06.09.2019 - 13:01 Uhr
Oberwildenau/Luhe-WildenauOberpfalz

Oberwildenauer Rosenkavalier in Frascati

Ein schelmisches Lächeln ist das Markenzeichen von Josef Pollak. Das passt gut zu den vielen Anekdoten, die der Oberwildenauer erzählt. Seit 50 Jahren organisiert er Jahr für Jahr Busreisen und Ausflüge.

Josef Pollak hat Unterlagen und Bilder aller Reisen, die er seit 50 Jahren leitet, säuberlich dokumentiert.
von Uwe Ibl Kontakt Profil

In Kroatien half der heute 89-Jährige dem Busfahrer auf dem Weg nach Pula im Schritttempo an einer engen Baustelle vorbeizufahren. „Das war eine gefährliche Situation. Die halbe Fahrbahn war ohne Vorwarnung aufgebrochen und eineinhalb Meter tief aufgegraben.“ Eineinhalb Kilometer lang ging das so. „Ich habe geschaut, dass wir einen Meter von der Kante weg waren, um nicht in das Loch zu rutschen.“ Nicht nur diese brenzlige Situation, sondern alle Reisen verliefen unfallfrei und ohne Panne. Das Hotel in Opatija lag direkt am Meer an einem Hang, ruft Pollak die positiven Erinnerungen an diese Fahrt auf. „Wir sind oben an den Empfang herangefahren, die fünf Stockwerke gingen nach unten bis an den Strand.“

Hin und wieder wie zuletzt in Österreich kamen die Ideen für die Übernachtungen von Pollak selbst. „Da war ich schon in meiner Jugendzeit.“ Zum anderen Teil stammen die Vorschläge vom Kohlberger Busunternehmer Bäumler. Mit ihm sind die KAB-Reisefreunde meistens unterwegs. Manchmal kam auch die Firma Göttel aus Grafenwöhr zum Einsatz.

Als Vorsitzender des Pfarrgemeinderats und mit der KAB organisierte der gelernte Maler 1969 seinen ersten Ausflug. Ziel war Kelheim. Sieben Mal war er seit 1991 in Rom, erlebte drei Päpste und begleitete kurz nach Wende zwei Schülergruppen aus Thüringen und Sachsen in die Ewige Stadt. „Die zwei Lehrer der Abschlussklassen hätte ich verwünschen können“, erinnert sich der gebürtige Böhmerwälder. „Die waren vom alten System.“ Mit den Lehrerinnen habe er sich gut verstanden.

Die Pädagogen hätten kein Programm geplant. „Die sind einfach losgefahren.“ Pollak kümmert sich vor Ort um Besichtigungen und Ideen für die Schüler ebenso, wie um die Bezahlung von ihrem Essen. „Ist das bei Euch so üblich, dass 16-, 17-Jährige um zehn Uhr ins Bett müssen“, hatte sich der Oberwildenauer mit den Lehrern angelegt. „Ab morgen sieht das anders aus, habe ich gesagt.“ Am zweiten Abend durften die Jugendlichen Weinschorle trinken und bis halb zwölf Uhr aufbleiben. Und zum Lehrer: „Du kannst ins Bett gehen. Wir bleiben auf. Du kümmerst Dich auch sonst um nichts und brauchst jetzt nicht zu toben.“

Bei einer der späteren Reisen mit den KAB-Reisefreunden hatte sich eine Oberpfälzerin im Petersdom verlaufen. Bei einer Führung bei den Papstgräbern, schloss sich die Frau einer anderen deutschen Gruppe an, die gerade die Treppe hinabgestiegen kam. „Wir waren schon weitergegangen.“ Die gegenseitigte Suche führte durch den ganzen Petersdom bis hoch zur Plattform. An der Pforte traf man sich wieder. „Gerade bei Romfahrten gibt es immer zwei bis drei Prozent Verlust, weil irgendeiner abgetaucht ist“, schmunzelt Pollak. Nach einer Stunde zur freien Verfügung habe man immer wieder Teilnehmer gesucht, die sich verlaufen hatten. Handys habe es früher nicht gegeben und nicht jeder hatte Kleingeld zum Telefonieren dabei.

Die weiteste Fahrt führte die KAB-Reisefreunde nach einer dreitägige Anreise zur Amalfiküste südlich von Neapel. „Das war eine der längsten und schönsten Fahrten“, erinnert sich Pollak an Eindrücke in Capri und den Blick in den Krater des Vesuvs. Gefallen hat es dem Organisator überall. „Ich habe nie große Probleme gehabt“, lobt er die Mitfahrer. „Alle Reisen sind harmonisch verlaufen. Das ist für mich das wichtigste.“

In Frascati in den Albaner Bergen erlebten die knapp 50 Mitreisenden drei Musiker, die von Lokal zu Lokal zogen, musizierten und CDs verkauften. „Dort war ein Rosenverkäufer hinter uns her. Er kam auch ins Weinlokal.“ Blumen habe ihm niemand abgekauft. Als Pollack mit zwei Frauen für ein Foto am Brunnen saß, war er wieder da. 20 Euro wollte er für alle Rosen, die er noch im Arm trug. Pollak: „Ich habe ihn auf 10 Euro runtergehandelt und die Rosen im Bus an alle Damen verteilt.“

Auf der Fahrt nach Südtirol – neben dem Salzkammergut einer von Pollaks Lieblingszielen – brach sich eine Mitreisende aus Flossenbürg an einer Raststätte bei München den Arm. Sie kam ins Krankenhaus und wurde vom Sohn wieder nach Hause gebracht. Einem anderen Teilnehmer ging es bei der gleichen Reise schon während der Dolomitenrundfahrt nicht gut. „Am nächsten Tag mussten wir ihn ins Krankenhaus bringen.“ Ansonsten erinnert sich der Reisebegleiter nur an kleinerer Blessuren, die es unterwegs zu versorgen galt.

Im Bus waren fast immer 40 bis 45 Reisenden. „Übervoll sind die Ausflüge zum Kristallschiff nach Regensburg.“ Vom 14. bis 17. Oktober geht es in den Spessart nach Lohr am Main. Auch diese Reise ist nahezu ausgebucht. „Jetzt habe ich gesagt, ich mache Schluss. Ich bin seit einer Lungenentzündung körperlich geschwächt.“ Andererseits wären es im nächsten Jahr 50 Jahre, die Pollak mit der Firma Bäumler unterwegs ist. Es gibt Überlegungen für eine weitere Reise nach Oberstdorf – „wenn meine Gesundheit das zulässt“. Im Januar feiert Pollak 90. Geburtstag.

Reiseleiter Josef Pollak vor der Kulisse von Florenz.
Zur Person:

22 Jahre arbeitete Josef Pollak bei Bauscher seit 1948 als Maler. Als er kündigte, habe ihm das der damalige Direktor nicht geglaubt. Das sei bis dahin nicht vorgekommen, dass jemand nach so langer Betriebszugehörigkeit den Porzellanhersteller verlassen habe, erinnert sich Pollak. Er wechselte 1970 zum Straßenbauamt als technischer Verwaltungsangestellter.

1946 war der damals 16-Jährige mit seinen drei Geschwistern aus Rosenthal in der Nähe von Krumau ausgewiesen worden und nach Unterwildenau gekommen. 1955 heiratete er seine Monika, eine geborene Weiß, aus Oberwildenau und wohnte bis zum Einzug ins eigene Haus 1959 bei den Schwiegereltern. Das Paar hat zwei Söhne und eine Tochter, zwei Enkel und zwei Urenkel. In Südtirol feierten Monika und Josef mit der Familie Goldene Hochzeit. Auch das 55-jährige Ehejubiläum wollten sie dort begehen. Das Hotel war schon angefragt, als Monika 2010 nach kurzer schwerer Krankheit starb.

Josef Pollak gründete den Pfarrgemeinderat in der Expositur Oberwildenau ebenso mit wie die örtliche Siedlergemeinschaft und vor 20 Jahren die Senioren-Union auf Kreis-, Bezirks- und Landesebene. Pollak engagierte sich bei der CSA und in der CSU. Bei der KAB ist er Ehrenvorsitzender und 2000 bekam er das Bundesverdienstkreuz. Am Sozialgericht in Regensburg war er 45 Jahre ehrenamtlicher Richter, was Rekord sein dürfte. (ui)

Auch die Puszta war Ziel einer von Josef Pollak organisierten Fahrt.
Josef Pollak hat Unterlagen und Bilder aller Reisen, die er seit 50 Jahren leitet, säuberlich dokumentiert.
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