10.05.2022 - 14:42 Uhr
Ödwaldhausen bei BärnauOberpfalz

Windrad bei Ödwaldhausen als „Symbol für Energiewende in Bayern“

Dass sich mit Windrädern umweltschonend Energie gewinnen lässt, wussten Windkraft-Befürworter aus dem Landkreis Tirschenreuth schon vor rund 30 Jahren. Momentan drehen sich die zwei Windradflügel bei Ödwaldhausen aber nicht.

von Susanne Forster Kontakt Profil

Das erste moderne Windrad in der Oberpfalz steht in Ödwaldhausen bei Bärnau. Es ist 29 Jahre alt und 30 Meter hoch. Zum Vergleich: die moderneren Windräder im Windpark in Asch bei Bärnau sind etwa 100 Meter hoch.

Doch damals war das kleine Windrad mit den zwei Flügeln – eine eher selten zu findende Konstruktion – eine große Sache für die Nordoberpfalz, wie Initiator Wilhelm Krisch erzählt, der den Bau der Windkraftanlage damals angestoßen hatte. Krisch hatte damals einige Unterstützer aus der Gegend, darunter Franz Heinrich. Beide geben bei einem Vor-Ort-Termin am Ödwaldhausener Windrad dem Landesvorsitzenden der Grünen, Thomas von Sarnowski, Einblicke in ihre Arbeit.

Sie und weitere Windkraft-Befürworter gründeten damals die „Ödwind GbR“, die als erste Gesellschaft in der Oberpfalz alternative Energie vorantreiben sollte. Überzeugte Bürger erzielten damals die Freigabe für das Errichten des Windrades. Von Sarnowski erklärt, dass er hierher gekommen ist, weil das Ödwaldhausener Windrad ein „Symbol für die Energiewende in Bayern“ sei. Die Menschen, die sich in den 90er Jahren dafür eingesetzt hatten, seien für ihn Pioniere: "Eigentlich müsste man bayernweit heute hierher schauen, dass hier die Windenergie in Bayern angepackt wurde.“

Vorrangzonen ausweisen

Geht es nach den Grünen, sollen künftig noch viel mehr Windräder aufgestellt werden. Der Politiker zählt die Argumente auf, die für solche Anlagen sprechen. Und was sagen die Bürger? Der Landesvorsitzende glaubt, die jüngeren Leute hätten sich ohnehin schon an Windräder in der Landschaft gewöhnt – ihre Akzeptanz sei „eine völlig andere“. Und wenn ein Windrad erst einmal stehe, sei der Widerstand in der Regel weg.

Natürlich müssten die Anlagen an geeigneten Stellen so verteilt werden, dass „viel Strom generiert wird und sie gut ins Landschaftsbild passen“. Die Akzeptanz der Bürger könne etwa dadurch geschaffen werden, dass auf lokaler Ebene sogenannte Vorrangzonen ausgewiesen werden. Soll laut von Sarnwoski bedeuten, dass Kommunen bestimmte Bereiche festlegen können, in denen Windräder konzentriert aufgestellt werden dürfen. Deutschlandweit sollen dem Politiker nach zwei Prozent der Flächen für Windräder reserviert werden.

Und wie sieht es nun konkret für die Nordoberpfalz aus? „Die Nordoberpfalz ist gesegnet damit, dass sie sehr windreich ist. Und es gibt noch viele gute Standorte, um hier mehr Windräder zu bauen.“ Mit spezifischen Aussagen hält sich von Sarnowski allerdings zurück – er verwies auf seine Parteikollegin, die Bärnauerin Anna Schwamberger. Die Landtagsabgeordnete hatte die Teilnahme am Vor-Ort-Termin kurzfristig absagen müssen.

Höhere Naturschutzbehörde "der größte Gegner"

Dass Windrad-Vorhaben durchaus mit Gegenwind rechnen müssen, beweist auch die Geschichte der Ödwaldhausener Anlage. Denn bis sich das zweiflügelige Windrad drehen durfte, war einiges an Überzeugungsarbeit nötig. Krisch erinnert sich etwa an die Höhere Naturschutzbehörde in Regensburg, die seinen Worten nach „der größte Gegner“ war. Später habe es auch innerhalb des Naturschutzbunds kontroversere Diskussionen gegeben. Dabei versichert Krisch: „Dieses Windrad hat noch keinen Vogel geschreddert.“ Zur Vögel-Thematik ergänzt von Sarnowski: „Der Rotmilan erholt sich.“ Außerdem würden neue Biotope geschaffen. Doch nicht nur von behördlicher Seite, sondern auch aus der Bevölkerung habe es kritische Stimmen gegeben. „Jeder wollte Windkraft – aber eben nicht in der nahen Umgebung“, beschreibt der Windrad-Initiator.

Drei Jahre lang sei über das Windrad diskutiert worden. Am Ende hatten sich die Debatten gelohnt – Krisch und seine Mitstreiter konnten im Juni 1992 die Genehmigung für die Windkraftanlage einholen. 1993 habe die kleine Anlage schließlich gestanden und ging ans Netz. Gegner habe es zu diesem Zeitpunkt aber immer noch gegeben, sagt Krisch. Seit den 1990ern produziert die kleine Anlage in Ödwaldhausen jährlich rund 60000 Kilowattstunden Strom.

Allerdings mit Unterbrechungen, da sie zwischendurch außer Betrieb war – zwischenzeitlich sei auch schon einmal der Rotor ausgetauscht worden. Und auch wenn derzeit das Windrad in Ödwaldhausen still steht, da es saniert werden muss, soll es heuer wieder in Betrieb gehen. Wenn alles glatt läuft, könnte die Anlage in zwei bis drei Monaten wieder starten, meint Krisch. Bis dahin müssten unter anderem nochmals ein neuer Rotor angebracht und die Elektronik repariert werden.

Im direkten Vergleich ist die Anlage bei Bärnau eine kleine, denn moderne Windkraftanlagen könnten laut von Sarnowski jährlich einen durchschnittlichen Ertrag im Millionenbereich erbringen. Und auch die Kosten unterscheiden sich deutlich: Das Windrad in Ödwaldhausen kostete damals rund 250000 Deutsche Mark, die Kosten für ein modernes Windrad liegen heute laut von Sarnowski im „mittleren einstelligen Millionenbereich“.

Hintergrund:

Das Ödwaldhausener Windrad

  • Inbetriebnahme: 3. Februar 1993
  • Betreiber: Ödwind GbR
  • Nabenhöhe: 32 Meter
  • Rotordurchmesser: 18 Meter
  • Jahresproduktion:zwischen 50000 und 75000 Kilowattstunden
  • Besonderheit: Zweiflügler
 
 

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