Ölbrunn bei Kulmain
22.01.2025 - 13:41 Uhr
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Darum ist Ölbrunn bei Kulmain seit fast 20 Jahren ein Mekka für Tipp-Kick-Freunde

Das Tischfußballspiel ist seit Jahrzehnten Kult. Doch die wenigsten wissen, dass es auch als Sportart betrieben wird. Es gibt Vereine, Ligen, Meisterschaften – und ein besonderes Turnier in einem kleinen Ort im Landkreis Tirschenreuth.

Zwei kleine Feldspieler aus Metall mit einem Druckknopf auf dem Kopf und einem beweglichen Bein, Torhüter aus Plastik, die auf ausrollbaren oder festen Spielfeldern aus Filz mit Bande nach eckigen Bällen hechten: Das Tischfußballspiel Tipp-Kick macht nicht nur Kindern jede Menge Spaß. Seit fast 20 Jahren treffen sich Tipp-Kick-Freunde in Ölbrunn (Gemeinde Kulmain) zu einem besonderen Turnier. Im Februar 2006 startete dort die Tipp-Kick-WM-Cup-League. Ein paar Berliner hatten die Idee für diesen Wettbewerb und beschlossen im Herbst 2005, die Trophäe einmal jährlich als Wanderpokal auszuspielen.

Bisher gab es 19 Turniere, alle im Gasthof "Zur schönen Aussicht" von Anita und Josef Scherm. Spaß und Geselligkeit stehen dabei neben dem sportlichen Ehrgeiz stets im Vordergrund. Seit Beginn haben 18 Spieler aus Bayern, Berlin und Brandenburg teilgenommen. Mit derselben Leidenschaft wie bisher will die kleine Tipp-Kick-Familie die Erfolgsgeschichte weiterschreiben.

Urlaub und Tipp-Kick spielen

"Der besondere Reiz unseres Pokalwettbewerbs liegt darin, dass aufgrund der Zufallsprinzipien, besonders im Hinblick auf die Ballfarbe, auch favorisierte Spieler aus dem Wettbewerb fliegen können", sagt Uwe Hartmann. Er spielt Tipp-Kick seit seiner Kindheit, die Familie Scherm kennt er seit fast 30 Jahren. Seine Tante und sein Onkel hatten in den 1970er Jahren eine Wohnung in der Nähe von Immenreuth gekauft, erzählt der Berliner im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. So lernte er auch die Gegend rund um das Fichtelgebirge kennen. In den 1990er Jahren stieß er mit seiner Frau schließlich auf den Landgasthof in Ölbrunn.

Mit ein paar Freunden fing Hartmann zu Beginn der 2000er Jahre wieder mit Tipp-Kick an. Zunächst trafen sie sich dazu in Berlin. Weil das aber aus beruflichen Gründen nicht regelmäßig möglich war, schlug er seinen Kumpels vor, einmal im Jahr gemeinsam nach Ölbrunn zu fahren, um dort Urlaub zu machen – und Tipp-Kick zu spielen.

Pokal selbst gebastelt

So war die Tipp-Kick-WM-Cup-League geboren. "Wir hatten einen kleinen Pokal selber gebastelt und ihn WM-Cup getauft. Mit League sind die Mitspieler gemeint", erklärt Hartmann. Zu den Männern der ersten Stunde zählen neben ihm noch die Berliner André Girard, Frank Kleophas, Sven Wienicke und Wolfgang Wienicke sowie Peter Bohn aus München. Seitdem treten maximal zehn Spieler in zwei Gruppen an einem Tag gegeneinander an. Danach folgen Viertel- und Halbfinale sowie das Endspiel.

Das Ganze dauert "so fünf, sechs Stunden, wir haben Spaß und danach wird gefeiert", sagt Hartmann. Er und seine Mitstreiter fühlen sich bei Familie Scherm "gut aufgehoben", machen im Februar immer eine Woche Urlaub, neben Tischfußball stehen auch Wanderungen oder Ausflüge auf dem Programm. Übrigens auch schon für 2026, denn "wir buchen den ganzen Gasthof immer schon ein Jahr im voraus". Die Spielerfrauen halten sich als Fans lieber im Hintergrund oder karteln, verrät Gastwirt Josef Scherm.

Lange Siegerliste

Erster Turniersieger war Sven Wienicke. Mit acht Teilnehmern kamen bisher die meisten Spieler aus Berlin, dahinter folgen Brandenburg und Bayern (je fünf). Aktuellster Neuzugang ist der Oberbayer Felix Hötzl aus Oberschweinbach bei Fürstenfeldbruck. Mit Kleophas, Bohn und Hartmann sind noch drei Gründungsmitglieder aktiv. In der bisherigen Geschichte der WM-Cup-League ist Hartmann mit fünf Erfolgen Rekordsieger. Tipp-Kick-Spieler aus Bayern und der Oberpfalz stehen bisher zwei Mal in der Liste: Der Münchner Peter Bohn und Gabriel Scherm aus Ölbrunn, Sohn der Wirtsleute, freuten sich jeweils ein Mal über den Pokal.

Bisher hat noch keiner den Tipp-Kick-WM-Cup drei Mal hintereinander gewonnen. Kleophas erreichte von 2008 bis 2010 als Einziger drei Endspiele in Folge, verlor davon allerdings zwei. Drei Mal schafften es Spieler, den Titel im Folgejahr zu verteidigen: Sven Wienicke 2007, Kleophas 2014 und Hartmann 2016. Vier Mal (2007, 2022, 2023 und 2024) wurde das Finale im Elfmeterschießen entschieden. Zwei Männer gewannen den Titel bei ihrer ersten Teilnahme: Sven Wienicke 2006 und Markus Dahms 2019.

Mit zehn Endspielen ist Hartmann der Kicker mit den meisten Finalteilnahmen. 2023 wurde die Siegerliste um einen weiteren Namen erweitert: Nach zuvor zwei verlorenen Endspielen holte sich Dirk Möller im dritten Anlauf den ersten Titel. Er ist damit der neunte Tipp-Kicker, der sich auf der Bestenliste verewigte.

Auch der Wirt spielt mit

Aktueller Titelträger ist der Brandenburger Stephan Gebert. In einem spannenden Finale setzte er sich 2024 im Elfmeterschießen gegen Hartmann durch und gewann zum zweiten Mal den Pokal. Das 20. Turnier wird am Freitag, 7. Februar, ausgetragen - natürlich wieder im Gasthof "Zur schönen Aussicht" in Ölbrunn. Wirt Josef Scherm spielt seit 15 Jahren eher sporadisch Tipp-Kick. Bei der WM-Cup-League machte er bisher drei Mal mit, aber mehr "aus Spaß an der Freude". Aber er ist auf den Geschmack gekommen, gesteht er im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Letztes Mal schaffte er es immerhin bis ins Halbfinale, das er gegen den späteren Champion Gebert verlor.

Scherm ist heuer wieder dabei. Auch wenn bei ihm die Gaudi im Mittelpunkt steht, würde er sich selbstverständlich freuen, am Ende den Pokal in die Höhe zu stemmen. Dann könnte er die "Profis etwas belächeln", scherzt der Gastronom. Die Tipp-Kick-Freunde werden seinen Humor verstehen, denn im Laufe der Jahre sind lauter Freundschaften entstanden, sagt Scherm. Einige Teilnehmer machen auch ein zweites Mal im Jahr Urlaub bei ihm.

Hintergrund:

Blick in die Tipp-Kick-Geschichte

  • 1924: Der junge Schwenninger Exportkaufmann Edwin Mieg bringt das Tischfußballspiel zur Marktreife.
  • 1926: Tipp-Kick offiziell auf der Leipziger Messe vorgestellt.
  • 1938: Bau eines Fabrikgebäudes in Schwenningen.
  • 1949: Miegs Söhne Peter und Hans-Jörg übernehmen die Firma.
  • 1954: Im WM-Jahr kommt es zum großen Durchbruch von Tipp-Kick. Deutschland wird mit einem 3:2-Sieg über Ungarn im Finale von Bern zum ersten Mal Weltmeister. Peter Mieg entwickelt mit Betriebsleiter Franz Rusch den fallenden Torwart Toni.
  • 1963: Firma produziert zum Start der Bundesliga deren Top-Kicker.
  • 1978: Textile Netztore werden eingeführt.
  • 1982: Star-Keeper, der zusätzlich nach vorne hechten kann, kommt ins Sortiment.
  • 2006: Bei der Fußball-WM in Deutschland gibt es überdimensionale Kicker, die großen Anklang finden und sogar an Flughäfen zu sehen sind.
  • 2011: Zur Frauenfußball-WM in Deutschland kommt die erste weibliche Spielfigur auf den Markt.
  • 2024: Tipp-Kick feiert 100-jähriges Bestehen mit einer DFB-Sonderedition.

Quelle: Firma Tipp-Kick

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